Als es Federer in der vergangenen Saison erstmals seit 2002 nicht gelang, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, galt die Ära des Königs endgültig als beendet. Der Schweizer hatte bereits nach den US Open 2010 den Spitzenplatz an Novak Djokovic verloren und schien im Serben einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben.
Knapp zwei Jahre nach dem vermeintlichen Machtwechsel hat Federer die Verhältnisse wieder zurechtgerückt und untermauerte dies mit einem beeindruckenden Auftritt beim Masters in Cincinnati. Der 31-Jährige gab in Ohio nicht ein Mal sein Service ab, marschierte souverän ins Finale, das er mit 6:0 und 7:6 (9:7) gegen Djokovic gewann.
"Das habe ich nicht erwartet"
"Es war eine großartige Woche für mich. Selbst wenn man so gut spielt wie ich im Moment, erwartet man nicht, so große Matches zu gewinnen", sagte Federer, der sich für die in wenigen Tagen beginnenden US Open zum Topfavoriten entwickelt hat.
"Das macht natürlich Mut für die US Open, aber ich habe kein Freilos für das Finale und muss mich in jeder Runde beweisen", ergänzte der Baseler, der nach seinem 21. Triumph bei einem Masters auch bis nach dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres die Nummer eins der Welt bleiben wird.
Rekordjagd geht weiter
Damit baut Federer seine Rekordmarke an der Spitze des ATP Rankings weiter aus. Durch seinen Erfolg in Wimbledon war er zum dritten Mal der beste Tennisspieler der Welt geworden und schloss mit der 286. Woche als Branchenbester zum damaligen Rekordhalter Pete Sampras auf. Sieben Tage später überholte er den US-Amerikaner und steht inzwischen bei 292 Wochen.

"Ich bin extrem stolz und geehrt, seinen Rekord gebrochen zu haben", sagte Federer, der Sampras als einen seiner "großen Helden" bezeichnet. Sampras selbst gönnte seinem einstigen Rivalen die Bestmarke von Herzen. "Das Schwerste im Sport ist, oben zu bleiben. Er ist wirklich ein netter Kerl. Eine der Persönlichkeiten, bei denen es bei mir klick gemacht hat", sagte er gegenüber dem "Focus" und reihte sich damit in die Reihe zahlreicher Gratulanten ein.
Legenden geraten ins Schwärmen
"Ich schaue mir gern an, wie er so ein physisches Spiel so mühelos und anmutig aussehen lässt", erklärte Andre Agassi - und auch Stefan Edberg offenbart sich als Federer-Fan. Es sei wichtig, dass Federer noch lange spiele, sagte die schwedische Tennislegende und ergänzte: "Je länger er beim Tennis bleibt, umso besser. Er ist so bodenständig." Auch Boris Becker gerät ins Schwärmen, wenn er über den Rekord-Grand-Slam-Sieger spricht. "Solange er den Schläger in die Hand nimmt und gesund ist, wird er immer einer der Sieganwärter sein. Er ist so talentiert", sagte der Deutsche gegenüber der ATP.
Federer ist alles zuzutrauen
Beherzigt Federer Beckers Ratschlag, könnte er sich doch noch einen Traum erfüllen, der im vor Kurzem verwehrt blieb. Bei den Olympischen Spielen unterlag der "FedExpress" im Finale Andy Murray und verpasste die Chance, Olympisches Gold im Einzel zu gewinnen.
Bei den kommenden Spielen 2016 in Rio de Janeiro wäre Federer 35 Jahre alt. Da erscheint es auf den ersten Blick unrealistisch, dass der Schweizer um den Titel mitspielen könnte. Doch in der Karriere des Ausnahmekönners scheint nichts unmöglich zu sein, auch kein Olympiasieg im hohen Alter.
Bis es allerdings so weit ist, hat Federer noch viele Jahre vor sich, in denen er seine eigenen Bestwerte weiter ausbauen will. Ein erster Schritt wäre dabei ein 18. Grand-Slam-Titel. Den will er kommende Woche in New York gewinnen.
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