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    FCB: Top-Saison oder Totalausfall?

    Zweites Jahr ohne Titel: Da kann die Bayern-Bilanz eigentlich nur ein Desaster sein, oder? Zwei Experten, zwei Meinungen - und was denken Sie?

    Contra: Großer Reinfall

    Die Saison 2011/12 wird als ein großer Reinfall in die Vereinshistorie des FC Bayern München eingehen. Die dramatische Niederlage im so lang herbeigesehnten Endspiel gegen Chelsea besiegelte dies in eindrücklicher Art und Weise.

    Was in der Nachbetrachtung bleibt, ist also eine Spielzeit, die leichtfertig weggeschenkt wurde. Für das Finale „Dahoam“, dem alles übergeordneten Ziel. Dass man dieses allerdings auch verlieren könnte, stand in keinem bajuwarischen Drehbuch.

    In der Bundesliga fühlte man sich nach einem berauschenden Herbst zu sicher. Der Acht-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund wurde verspielt, die Schale blieb im Pott. Dorthin wanderte nach dem unmotivierten Auftritt von Berlin auch der DFB Pokal.

    Die Defizite sind klar erkennbar: Bayerns Kader ist nicht tief genug. Außerdem fehlt es in der Mannschaft augenscheinlich Hierarchie. Nun wird wohl die Portokasse erneut bluten müssen, um den Rückstand auf die neue nationale Nummer eins Borussia nach der Sommerpause zu verkürzen. Die Aufgabe ist größer als sie aussehen mag. Bayern muss sich sammeln und auf die alten Stärken besinnen. Das „Mia san mia“ darf keine leere Worthülse mehr sein.

    In der kommenden Saison findet das Champions-League-Finale nicht "dahoam" statt - der vielleicht größte Vorteil für den FCB.

    Tobias Hlusiak

    Pro: Hunger wird wachsen

    Die Niederlage gegen Chelsea schmerzt - keine Frage. Sie wird als eine der bittersten Momente des Vereins in die Geschichte eingehen. Und letztlich wurden dadurch alle Saisonziele verfehlt.

    Doch deshalb war die Saison noch lange nicht verkorkst. Real Madrid wurde besiegt, das Finale dominiert. Nach drei zweiten Plätzen lecken sich andere die Finger. Allein die Einnahmen in dieser Saison, rund 60 Millionen Euro, mit denen die Zukunft geplant werden kann, sind immens.

    Das Drama ist eine Chance, sich neu zu ordnen. Es schärft den Blick für die Defizite. Die Leistungsträger besitzen langfristige Verträge und haben noch einige gute Jahre vor sich. Zudem wird der Kader punktuell verstärkt, schon in der nächsten Saison wird jede Position doppelt stark besetzt sein. Es ist davon auszugehen, dass die Münchner auch in den nächsten Jahren um den Titel in Europas Elite ein gewichtiges Wort mitreden. In der Bundesliga tun sie das ohnehin.

    Der FC Bayern stand und steht für Seriosität, Professionalität und Kraft. Mit neuen Impulsen wird die Schmach zwar nie vergessen, doch der Erfolgshunger wird wieder wachsen. Und ist die Mentalität erst mal wieder gestärkt, kommen die Münchner gestärkt aus dem Tal heraus und können die Zweifel in Trotz umwandeln. Und aus der Generation um Lahm und Schweinsteiger wird doch noch eine goldene. Die Qualität hat sie.

    Daniel Rathjen

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