An dieser erneuten Ausgangskonstellation nach dem 3:1 gegen Mainz sollte sich nun auch nichts ändern. Vorausgesetzt, die Frankfurter Eintracht verarbeitet den Hamburger SV nicht zu mundgerechten Fischbrötchen.
Dass die Hessen zur Tabellenführung in 90 sonntäglichen Minuten "nur" sechs Tore auf die Bayern aufholen müssen, liegt in erster Linie an der samstäglichen Chancenverwertung der Münchner.
Freibier in Maßen
Bei jedem Heim-Tor des Rekordmeisters spendiert eine namhafte Brauerei 100 Liter Freibier. Und nach nur 13 Minuten und den Toren von Mario Mandzukic (2.) und Bastian Schweinsteiger freute sich der rote Anhang bereits auf die zweite amtliche Druckbetankung, nur zwei Wochen nach dem 6:1 gegen den VfB Stuttgart. Dass es nicht so weit kam, ist der einzige zarte Vorwurf, den sich die Bayern gefallen lassen mussten.
21 Torschüsse, aber die finale Erlösung brachte erst Toni Kroos mit dem Schlusspfiff. Mainz fand in der ersten Halbzeit einfach nicht statt und wurde von den Hausherren nach Belieben durch die eigene Hälfte gescheucht. Als in der 27. Minute "Deutscher Meister wird nur der FCB" durchs Stadion hallte, lag in dem Gesang durchaus potenzielle Weitsicht.
Schließlich präsentierten sich die Bayern spielfreudig, ballsicher, defensiv geordnet und offensiv aggressiv. Bei einem qualitativen Aderlass durch die Ausfälle von Arjen Robben und Franck Ribéry war das beim Blick auf die vergangene Saison selbst gegen einen FSV Mainz 05 keine zwingende Selbstverständlichkeit.
Mario: Es kann nur einen geben
Doch die Neuzugänge stechen. Mit Xherdan Shaqiri verfügt Jupp Heynckes nun schon über den dritten polyvalenten Offensivspieler neben Thomas Müller und Toni Kroos. Und im Ein-Mann-Sturm kann der Bayern-Trainer jeden Mario 1:1 ersetzen. Gomez auf der Tribüne, Mandzukic in Hochform: fünf Pflichtspiele, sechs Tore, in jedem Spiel getroffen. Der Kroate ist die personifizierte Effektivität, vor dem Tor ebenso wie vor dem Mikrofon: "Es läuft, wie es läuft. Das ist gut für mich und gut für die Mannschaft."
Weniger gut für die Mannschaft war, dass Dante nach einer runden Stunde scheinbar etwas die Spannung erhöhen wollte, und Julian Baumgartlinger im Strafraum langen Fußes über die Klinge springen ließ. Mit dem 1:2 gab es einen kleinen Knick im Spielfluss der Gastgeber, doch es brach nichts. Zu harmlos agierte der FSV.
Adam Szalais Foulelfmeter war einer von gerade mal sieben Mainzer Torschussversuchen. Die 05er hatten Aggressivität angekündigt, lieferten aber nur Sparring. Dass die Bayern im Anschluss nicht mehr an die Effektivität der ersten Halbzeit anknüpfen konnten, lag weniger am Gegner, als viel mehr an den Bayern selbst.
Martinez liefert erstmals ab
"Wir hätten uns das einfacher machen können", bestätigte ein starker Thomas Müller wenige Minuten nach Abpfiff in den Katakomben der Arena. "Wir haben das ganze Spiel über eigentlich keine echte Torchance zugelassen, mit dem 2:1 uns dann aber selbst ein Ei reingelegt. Dadurch war das Spiel knapp, da ja immer irgendwas passieren kann. Trotzdem waren wir auch nach dem 2:1 spielbestimmend und dem 3:1 sehr nahe."
In der 92. dann auch nah genug. So nah, wie Javier Martinez an einer Einsatzchance in der Startelf. Der heiß diskutierte Neuzugang kam in der 76. Minute für Shaqiri, bereitete mit viel Dynamik und Klasse das 3:1 durch Kroos vor und zahlte damit schon mal 60 Cent seiner überschaubaren Ablösesumme zurück.
Heynckes: Ungewohnte Möglichkeiten
Martinez hatte dem Spiel der Bayern neuen Schwung gegeben – aktiv wie passiv. Denn auch das macht den FC Bayern in dieser Saison stark: die neue taktische Flexibilität. Der Spanier rückte neben Luiz Gustavo auf die Doppelsechs, Kroos ersetzte Shaqiri auf dem linken Flügel und machte damit hinter Mandzukic Platz für Bastian Schweinsteiger. Auch das passte.
Vor dem Auftakt in der Champions League gegen den FC Valencia am kommenden Mittwoch (20:45 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de) hat Heynckes nun endlich auch nachweisliche Optionen. Das spielerische Raster scheint aus dem starren Korsett befreit.
Ob Martinez gegen Valencia von Beginn aufläuft? Ob Shaqiri wieder Robben weicht? Ob Pizarro auch mal darf? Und wen bringt Heynckes auf der Zehn?
Bayern schwelgt in neuem Luxus: Unberechenbarkeit.
TV-Tipp:
Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet wöchentlich über die aktuellen Qualifikationsspiele in Europa und Asien für die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

