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    FC Bayern: Es muss nicht immer Kaviar sein

    Die kalte Dusche kam für die Bremer erst in der 81. und 83. Minute. Bis dahin hatten die Hanseaten mit Recht gehofft, sie könnten den Bayern mindestens einen Punkt abtrotzen. Denn die hatten längst nicht so souverän gespielt wie bisher. Und nur ihre Bank bewahrte sie vor dem ersten Rückschlag.

    Die unzähligen TV-Kameras und die wartenden Journalisten hatten die Bayern-Profis zunächst in den Katakomben des Bremer Weserstadions einfach links liegen gelassen, ganz so, wie es Fußballer sonst gerne tun, wenn es auf dem Rasen mal nicht so gelaufen ist.

    Aber als sie die Treppe hinauf im Gang vor der Kabine aus der Sichtweite verschwunden waren, johlten, sangen und grölten sie plötzlich so tosend und ausgelassen, als hätten sie gerade den ersten Titel der Saison erobert. Doch obwohl den Münchnern der sechste Sieg im sechsten Spiel gelungen war, so schwang in ihrem Krakeelen vor allem eines mit: tiefe Erleichterung und die Erkenntnis: es muss nicht immer Kaviar sein.

    "Notfalls ein 0:0 akzeptieren"

    "Es gibt so Tage, wo es nicht gut läuft", gab Kapitän Philipp Lahm später zu, "und notfalls fährt man eben mit einem 0:0 heim und muss das akzeptieren." Die Bayern hatten einen fulminanten Saisonauftakt hingelegt und waren dafür allseits hoch gelobt worden, doch diese Brillanz wurde gegen den Erzrivalen aus dem Norden nur in Ansätzen sichtbar.

    Denn die junge Werder-Truppe hatte leidenschaftlich und mit Einsatz gekämpft und schaffte es durch eine taktisch disziplinierte Leistung besonders in der Defensive als erste Mannschaft, eine Partie gegen die Bayern bis zur 80. Minute offen zu halten. Bis dato galten die Schalker als geradezu heroisch, weil sie erst in der 55. Minute den Gegentreffer kassiert hatten.

    "Wenn man 80 Minuten lang ein Tor verteidigt, hofft man natürlich, es würde auch 90 Minuten lang gelingen", sagte Trainer Thomas Schaaf: "Das hat leider nicht geklappt." Und Werders Geschäftsführer Klaus Allofs schob nach: "Das war heute nicht unsere Gewichtsklasse." Doch den Bremern hatte laut Schaaf vielleicht nur ein "Schuss mehr Mut und Selbstvertrauen" gefehlt, und sie hätten die Bayern noch mehr ärgern können, als sie es ohnehin taten.

    Denn bis zur 70. Minute hatte der Rekordmeister offensiv nicht mehr als zwei Kopfbälle von Claudio Pizarro neben das Tor und einen Pfostenschuss von Franck Ribéry vorzuweisen. Werder dagegen hatte in der 55. Minute eine dicke Chance durch Marko Arnautovic ausgelassen. "Wir haben uns sehr schwer getan", sagte Lahm, "wir haben schlecht den Rhythmus gefunden und waren in allem etwas zu langsam."

    Die Wechsel waren spielentscheidend

    Doch wer Alternativen in der Hinterhand hat wie Martinez, Mandzukic, Shaqiri, van Buyten, Rafinha und Timoschtschuk, der braucht sich nicht lange zu sorgen. Und als Trainer Jupp Heynckes nach einer Stunde für Pizarro und Kroos Shaqiri und Mandzukic und später für Schweinsteiger noch Martinez brachte, bekam die Partie eine neue Dynamik. "Unsere Qualität von der Bank sieht man einfach", meinte Lahm, "wir haben Spieler, die reinkommen und sofort Impulse geben. Das war spielentscheidend."

    Vor allem das kompakte Kraftpaket Shaqiri wirbelte durch die Bremer Hintermannschaft und scheiterte selbst nur knapp vor dem Tor. Dafür schlenzte erst Luis Gustavo, und dann verwandelte Mandzukic einen Konter eiskalt - schon sah binnen zwei Minuten alles wie ein souveräner Bayern-Sieg aus.

    Aber der überragende Tabellenführer hatte ein paar Schwächen offenbart, und eine gefestigtere Mannschaft als die Werderaner hätte diese sicher besser ausgenutzt. "Die werden auch noch ihre Spiele verlieren", war sich Allofs daher sicher und Sportdirektor Matthias Sammer sah den Auftritt seiner Bayern sogar noch kritischer: "Wir müssen langsam aufwachen. Wir haben heute sehr viele Fehler gemacht, das ist zu wenig."

    VIDEO - Reus exklusiv: "Wir haben keine Fehler gemacht"

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