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    Urteil: Mehrjährige Haftstrafe für Breno

    Der ehemalige Bayern-Profi Breno ist wegen schwerer Brandstiftung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München sah es als erwiesen an, dass der 22 Jahre alte Brasilianer im vergangenen Jahr vorsätzlich seine Villa in Grünwald in Brand gesteckt hat.

    Fast unmerklich und ungläubig schüttelt Breno Vinicius Borges den Kopf. Gerade hat Richterin Rosi Datzmann am Landgericht München ihr Urteil gefällt und damit wohl das Ende seiner Karriere besiegelt. Für drei Jahre und neun Monate muss der ehemalige Bayern-Profi wegen schwerer Brandstiftung ins Gefängnis, nach zweieinhalb davon wird er voraussichtlich in seine Heimat abgeschoben.

    Aus der Traum vom möglichen neuen Vertrag mit Lazio Rom und einer beruflichen Zukunft an der Seite seines ehemaligen Mannschaftskollegen Miroslav Klose. Mit 22 Jahren liegt die Karriere von Breno, der einst als Ausnahme-Talent gefeiert wurde, ebenso in Trümmern wie seine Traumvilla in Grünwald. Am Ende des letzten Verhandlungstages wird er festgenommen.

    "Ich möchte mich entschuldigen"

    "Ich möchte mich für diese Nacht entschuldigen", sagte er noch kurz vor der Urteilsverkündung. Es war das erste Mal seit Beginn des Verfahrens, dass er sich konkret zu den Vorwürfen äußerte. Beim FC Bayern wolle er sich entschuldigen und auch bei dem Besitzer des Hauses, "der sein Eigentum verloren hat". Er entschuldigte sich bei seiner Familie und seinen Kindern, "für die ich kein gutes Vorbild war". "Ich bin ein Mensch, der an Gott glaubt und ich danke ihm, dass er meine Familie geschützt hat."

    Ein ganz klares Geständnis ist das nicht, doch das Gericht hat keinen Zweifel daran, dass der Brasilianer in der Nacht auf den 20. September 2011 betrunken Feuer in seiner gemieteten Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald gelegt hat - aus Frust über seine private und vor allem berufliche Situation. Er hatte gerade erfahren, dass er wahrscheinlich noch einmal am Knie operiert werden musste und wieder nicht Fuß fassen konnte beim FC Bayern, der den Abwehrspieler als 18-Jährigen für die stolze Ablösesumme von zwölf Millionen Euro aus Sao Paulo an die Isar geholt hatte.

    Seine Geschichte gleicht einer klassischen Tragödie. Anwalt Werner Leitner zog vor Gericht außerdem den Vergleich mit Mogli, dem Dschungelkind, oder Kaspar Hauser. Auch Breno sei in einer ihm fremden Welt einfach nicht zurecht gekommen. Nach vier Jahren in Deutschland spricht er die Sprache nicht, im Prozess blickte der junge Mann - ein Mann wie ein Baum - immer wieder Hilfe suchend zu seinem Anwalt und seiner Dolmetscherin.

    Mediziner und Bekannte zeichneten im Prozess das Bild eines entwurzelten, einsamen und intellektuell überforderten jungen Familienvaters, der nicht in der Lage war, auf sich selbst aufzupassen, und mit Depressionen und einem handfesten Alkohol- und möglicherweise auch Tablettenproblem zu kämpfen hatte. Seine Aussage, er habe Tabletten aus dem Medizinschrank des FC Bayern mitgehen lassen, führten zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bei seinem Ex-Verein - wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

    "Nichts außer Familie und Fußball"

    Zuletzt bescheinigte der Aachener Psychiater Henning Saß Breno eine "noch nicht sehr gut gefestigte, unreife Persönlichkeit". Der Grund: Er hat nie etwas anderes gelernt, als Fußball zu spielen. Die Schule verließ er ohne Abschluss. "Er hat nichts außer Familie und Fußball", sagte sein Anwalt. Die Haftstrafe bedeute für ihn 2die Amputation eines seiner Standbeine". "Geben sie Breno eine Chance", bat Anwalt Leitner, der einen Freispruch oder - alternativ - eine milde Bewährungsstrafe gefordert hatte. Staatsanwalt Nikolaus Lanz forderte in seinem Plädoyer fünf Jahre und sechs Monate Haft.

    In der Familie, auch das wurde im Prozess klar, hatte wohl Brenos deutlich ältere Frau Renata das Sagen - und sein ehemaliger Manager, der vor der Hochzeit eine Beziehung zu ihr hatte. Breno sei "der Schwächste in dieser eigenartigen Dreier-Konstellation2 gewesen, sagte Gutachter Saß.

    "Sehr schwere Schlud"

    In der Nacht auf den 20. September dann wurde ihm wohl alles - beruflich und privat - zuviel. Alle Dämme brachen. "Er wurde ein Anderer an diesem Tag", sagte seine Frau einer Vertrauten laut Telefonprotokoll. Und: "Satan hatte schon von seinem Körper Besitz ergriffen." Vor Gericht erschien sich nicht - auch nicht zur Urteilsverkündung. In den ersten Prozesstagen saß Ex-Bayern-Profi Giovane Elber mit im Gerichtssaal, um Breno zu unterstützen. Er warf damals auch dem FC Bayern vor, sich nicht genügend um die Integration junger Spieler zu bemühen. "Der Junge ist hier ja ganz allein." Beim überraschend schnellen Urteil am Mittwoch war selbst Elber nicht mehr da.

    Die Fallhöhe sei natürlich ungeheuer groß, sagte Richterin Datzmann in der Urteilsbegründung. Aber deshalb verdiene Breno noch keine Sonderbehandlung. "Der Angeklagte hat mit dieser Tat eine sehr schwere Schuld auf sich geladen", sagte sie. Und: "Da gibt es Leute mit sehr viel schwierigeren Situationen, mit weniger Geld und weitaus weniger öffentlicher Aufmerksamkeit."

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