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    Europa League - Gladbach im freien Fall

    Sie waren die beste Kontermannschaft der Liga, nun sind die Gladbacher wieder so hilflos wie vor anderthalb Jahren, als Lucien Favre zur Rettung eilte. Doch der Erfolgstrainer ist genauso ratlos. Auflösungserscheinungen bei den "Fohlen", und das vor dem entscheidenden Spiel gegen Olympique Marseille in der Europa League. Am Donnerstag geht es um alles oder nichts - und die Prognose ist düster.

    Lucien Favre hat sich als Schweizer aus dem französischsprachigen Raum seinen Akzent auch nach fünf Jahren im Bundesligageschäft bewahrt. Verstanden hatten ihn seine Spieler dennoch immer, bis jetzt. Denn nach der 0:4-Klatsche seiner Gladbacher gegen Bremen sammelte Favre seine frustrierten Akteure persönlich in der Mixed-Zone sofort ein - es folgte eine Kabinenpredigt, die sich gewaschen hatte.

    "Druck, Druck, Druck"

    Das tut er selten, aber es war an der Zeit für überdeutliche Worte. "Anscheinend ist es bei uns so, dass wir Druck, Druck, Druck brauchen – Feuer, Feuer, Feuer. Der ein oder andere hat es anscheinend noch immer nicht verstanden", sagte Abwehrspieler Martin Stranzl. Es ist ein Kommunikationsproblem der besonderen Art bei den "Fohlen", denn es haben wohl tatsächlich noch nicht alle Gladbacher mitgekriegt, dass sie sich fast willenlos dem Abwärtssog ausliefern.

    Sportdirektor Max Eberl sprach nach der Niederlage am Sonntag von "Kopflosigkeit" und "Sorglosigkeit" und prangerte an, es fehle an Kompaktheit und Defensivgeist. Bei Standardsituationen breche gar "Panik" aus. Es war die zweite Auswärtsklatsche innerhalb von nur drei Wochen nach dem 0:5 in Dortmund: 16 Gegentore in acht Ligapartien, zudem noch acht Treffer auf internationaler Bühne sind alarmierend. Doch die Erklärungsversuche wirken so schwach wie die Auftritte. "Ich habe das Gefühl, wir wollen manchmal zu viel. Und dann vergessen wir, zu verteidigen", meinte Favre sichtlich ratlos.

    Und so langsam erinnern die Gladbacher wieder an jenes desolate und völlig verunsicherte Team von vor anderthalb Jahren, als Favre zur Rettung herbeieilte. Als der Trainer bei der "Schießbude der Liga" die Abwehr stabilisierte und aus ihr die beste Kontermannschaft der Liga machte. Von Tabellenkeller in die Europa League - Favres Kunststück brachte ihm in Gladbach den Heldenstatus ein. Doch in diesen Wochen hat sein Denkmal tiefe Risse bekommen.

    De Jong und Xhaka schlagen nicht ein

    Der Neuaufbau der Mannschaft macht ihm offenbar größere Probleme als erwartet. "Er beginnt ja nicht bei null, sondern auf ordentlichem Bundesliganiveau", betonte Eberl in der "Sportbild", "wir sind nicht beim FC Bayern, der niemals eklatante Abgänge zu verkraften haben wird." Auch Dortmund sehe doch alles als Herausforderung, das erwartet Eberl auch von Favre. Mit Marco Reus, Roman Neustädter und Dante hat man quasi das Herzstück der Erfolgstruppe verloren, allerdings auch 30 Millionen Euro für den nächsten, großen Schritt nach vorne investiert. Doch bisher schlugen die teuren Nachfolger nicht ein, im Gegenteil.

    Für das einst berüchtigte, schnelle Umschaltspiel ist Luuk de Jong zu langsam, und Granit Xhaka läuft im offensiven Mittelfeld orientierungslos herum. Als Favre dann auf ein 4-2-2-2-System umstellte, klappte es mit keiner Stürmerkombination. Nun stellte der Trainer auf ein Spiel mit hängender Spitze um, doch auch das funktioniert nicht. "Nach vorn läuft es nicht, hinten sind wir zu anfällig", fasste Kapitän Filip Daems die Gladbacher Misere zusammen. Katastrophale Stellungsfehler, Fehlpässe über Fehlpässe, keine Automatismen mehr, kein Zusammenhalt, kollektive Hilflosigkeit - Auflösungserscheinungen bei den "Fohlen" 2012 und keine Lösung in Sicht.

    Am Donnerstagabend kommt mit Olympique Marseille der Tabellenzweite der französischen Ligue 1 nach Gladbach. Eberl fordert, man müsse "alles in die Waagschale werfen, um das Spiel positiv zu gestalten" Er kann nur hoffen, dass dieses Mal die Worte verstanden wurden. Eine weitere Kabinenpredigt Favres ist jedoch derzeit wahrscheinlicher.

    TV-Tipp:

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