Auf Kaiserschmarrn und Süßigkeiten musste sie lange verzichten. Bis zum Wiegen am Dienstag achtete Ringerin Alexandra Engelhardt auf jedes Gramm. Diese eiserne Disziplin ist nicht einfach, "doch für Olympia lohnt es sich auf vieles zu verzichten - das ist das Größte für jeden Sportler", sagte die gebürtige Münchnerin.
Gewicht machen ist Kopfsache
Das mit dem Gewicht ist so eine Sache. "Das Limit bis 48 Kilogramm ist nicht meine Gewichtsklasse, ich bin in der Kategorie bis 51 zu Hause, doch die ist nicht olympisch. Da bin ich eine Gewichtsklasse nach unten gewechselt und muss daher mein Gewicht um bis zu acht Kilogramm reduzieren", erklärte die mehrfache Europameisterin. Doch "Gewicht machen ist Kopfsache, ich denke, dass ich das gut im Griff habe."
Die 29 Jahre alte Sportsoldatin ist Deutschlands einzige Hoffnung bei den Frauen-Wettbewerben, die erst seit 2004 mit vier Gewichtsklassen olympisch sind. Und sie ist die einzige Starterin im vierköpfigen Aufgebot des Deutschen Ringer-Bundes, die bereits über Olympia-Erfahrung verfügt. 2008 in Peking belegte sie Platz 14. "Olympia hat eigene Gesetze, es sind 19 Teilnehmerinnen in meiner Gewichtsklasse. Doch ich fahre nicht als Tourist dorthin, also eine Medaille ist das Ziel", sagte Engelhardt. "Klar ist man auch aufgeregt, doch ich bin erfahren genug, um das ganze Drumherum auszublenden."
Zu Hause in der Mutterrolle
Und sie hat neues Selbstbewusstsein. Eine schwere Schulterblessur hatte sie zurückgeworfen, sie musste mehrfach operiert werden. Bei der EM 2011 in Dortmund schied sie mit großen Titelhoffnungen aufgrund der Verletzung aus dem Titelrennen aus. "Doch nun bin ich zurück und stärker als zuvor", behauptete sie. Ihr Motto lautet: "Wenn die Anderen glauben, man ist am Ende, dann muss man erst richtig anfangen." Und so geht sie auf die Matte. Mit dieser Einstellung holte sie auch das Olympia-Ticket, gleich im ersten Turnier in Sofia, wo sie den Finaleinzug schaffte. In London kann sie bei ihrem Auftaktkampf am Mittwoch auf ihre komplette Familie zählen. Auch der siebenjährige Sohn Felix kann schon alles miterleben. Die kleine Familie komplettiert Ehemann Peter, selbst Ringer. Er sei der große Rückhalt, betonte Engelhardt. "Er unterstützt mich nach Kräften, auf ihn kann ich mich tausendprozentig verlassen", sagte sie und verriet: "Zu Hause schlüpfe ich dann wieder in die Mutterrolle, bin dann einfach Mama und nicht die Ringerin."
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