Eigentlich war alles wie immer.
Dortmund kämpfte, Dortmund spielte, Dortmund vergab Chancen. Und da in Europas Königsklasse die Gegner eben durchaus talentierte Mannschaften sind, spielte dieser gepflegt mit und war bei Kontern gefährlich.
Dass die Schwarz-gelben nach 90 aufregenden Minuten dann aber nicht - wie gewohnt - das Spielfeld mit gesenktem Kopf verließen, ließ so manchen Beobachter staunend zurück.
Von Erfahrung war vor dem Spiel die Rede gewesen. Vor allem der Mangel an dieser stand im Mittelpunkt.
Als Mats Hummels nach gut einer Stunde den Ball aus elf Metern ohne Umwege in die Arme des gegnerischen Torwarts schob, konnte man den Eindruck gewinnen, sie fehle dem hochtalentierten Team noch immer. Die folgenden 30 Minuten ließen zumindest das Gegenteil vermuten.
Mit 14:0 zum 1:0
"Es war ein unglaubliches Spiel, ein intensives Spiel, genau das Spiel, das wir wollten", analysierte Trainer Jürgen Klopp. "Wir entwickeln uns weiter."
Als hätte der Fehlschuss des Anführers Hummels einen Knoten gelöst, besann sich die Borussia in der letzten halben Stunde auf ihre ureigenen Stärken. Mit blitzschnellem Umschaltspiel über die Außen und hartnäckigem Zweikampfverhalten wurden die Gäste unter Druck gesetzt. Das Torschussverhältnis in diesem Zeitraum betrug 14:0.
Dass erst der letzte die fällige Erlösung brachte, passte ins Bild.
"Lewi hat uns den Abend gerettet"
"Mein Dank geht an Lewi", sagte Hummels später. "Er hat uns den Abend gerettet." Und den ganzen Verein vermutlich vor einer altbekannten Diskussion bewahrt.
"Hätten wir das späte Tor nicht gemacht, wäre der Tenor ein ganz anderer", wusste auch Klopp, dem nicht entgangen war, dass seine Mannschaft in der ersten Stunde altbekannte Verhaltensmuster gezeigt hatte.
Passabel in der Vorwärtsbewegung, hier und da zu verschnörkelt im Spielaufbau. Ins Auge aber sprangen die erneut gehäuften Unkonzentriertheiten in der Defensive, die die Niederländer zum Führungstor hätten nutzen müssen.
Alles wie vor Jahresfrist also, als der Meister in einer machbaren Gruppen mit Pauken und Trompeten ausgeschieden war. "Dortmund kann kein Europa", war der landesweite Tenor.
"Wollen in Manchester was holen"
Dank dem Geniestreich des polnischen Torjägers bleibt ein ausgedehnter Vergleich der gestrigen Performance mit dem Pleitenjahr nun aber aus. Ob die 2012er-Ausgabe des BVB aber tatsächlich eine Stufe höher agiert als die des Vorjahres, muss sie erst noch beweisen.
In den kommenden Spielen gegen den englischen und spanischen Meister zeigt sich, aus welchem Holz der deutsche Champion geschnitzt ist. Das Heimspiel gegen Ajax Amsterdam war bei nüchterner Betrachtung das einzige der Gruppenphase, bei dem ein Sieg vorausgesetzt werden konnte.
"Der Sieg war wichtig, die Ausgangsposition ist jetzt besser", so Hummels. "Aber jetzt wollen wir in Manchester etwas holen."
Dass Dortmund dort - vom ganz großen Druck befreit - mit drei Punkten anreist, kann nur förderlich sein.
Video: Mats Hummels im Interview
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