"Ich bin wirklich glücklich, dass ich es endlich geschafft habe, Novak zu schlagen. Bisher habe ich immer Sätze gewonnen gegen ihn, am Ende aber das Spiel verloren", erklärte Tipsarevic.
Es war für beide ein ganz besonderes Match: Djokovic und Tipsarevic stammen beide aus Belgrad, sind sehr gut befreundet, wollen nach dem Turnier gemeinsam auf die Malediven und feierten 2010 mit dem Davis-Cup-Team den ersten Titelgewinn für Serbien.
Die Partie in der mit 17.500 Zuschauern ausverkauften O2-Arena begann ausgeglichen, doch ab dem vierten Spiel bekam Djokovic ein deutliches Übergewicht. Der vierfache Grand-Slam-Turniersieger nutzte seine erste Breakchance und zog im Anschluss auf 4:1 davon.
Djokovic machte in dieser Phase aus 20 Ballwechseln 15 Punkte und sorgte für klare Verhältnisse. Tipsarevic konnte beim Stand von 2:5 zwar zwei Satzbälle abwehren, doch bei eigenem Aufschlag machte Djokovic mit einem krachenden Vorhand-Winner die Satzführung perfekt.
Tipsarevic blieb dennoch gefährlich und stellte die Nummer eins vor gewaltige Probleme. Im sechsten Spiel schlug der 27-Jährige bei seiner ersten Breakchance zu, setzte sich auf 4:2 ab.
Djokovic gelang das Re-Break, doch direkt danach musste er sein Aufschlagspiel wieder abgeben. Ein zweites Mal ließ sich Tipsarevic seinen Break-Vorteil nicht mehr nehmen - der Weltranglisten-Neunte servierte den Satz souverän mit 6:3 nach Hause.
Doch es kam noch schlimmer für den unbestritten besten Spieler dieser Saison. Djokovic musste im ersten Spiel des Entscheidungssatzes das Break hinnehmen.
Tipsarevic spielte nun sein bestes Tennis, überlistete den Superstar mit einem Passierball zur 2:0-Führung. Der Außenseiter hielt sowohl das Niveau als auch den Vorsprung und feierte nach dem Break zum 6:3 den ersten Sieg im vierten Vergleich mit Djokovic.

"Janko hat verdient gewonnen. Er war in der zweiten Hälfte des Matches der bessere Spieler", lobte Djokovic seinen Kumpel. Es sei nie einfach, gegen jemanden anzutreten, denn man so gut kenne. Nichtsdestotrotz "willst du immer siegen, egal wer da auf der anderen Seite steht. Und das habe ich heute versucht. Nur, es sollte nicht sein", so Djokovic.
Für den Branchenprimus bestand zwar noch die Möglichkeit, trotz der Niederlage ins Halbfinale vorzustoßen. Dazu hätte David Ferrer im Abendspiel Tomas Berdych schlagen müssen - doch der setzte sich mit 3:6, 7:5 und 6:1 gegen den Spanier durch und schaffte damit sogar noch den Gruppensieg.
In den Halbfinals kommt es damit zu den Partien zwischen Titelverteidiger Roger Federer und Ferrer
Djokovic zog trotz des Ausscheidens zum Saisonabschluss ein positive Bilanz, und dazu hat der alles überragende Spieler dieser Saison auch allen Grund. "Ich hatte ein unglaubliches Jahr. Das kann durch nichts ruiniert werden. Ich werde es immer als das beste meines Lebens in Erinnerung behalten."
Für Djokovic und Tipsarevic geht es nun zum Entspannen auf die Malediven - und theoretisch könnten die beiden ja nun sogar einen Tag früher aufbrechen...
