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    Das lange Warten der Italiener

    Für diese kühne Aussage gibt es nur eine Begründung. Weil sie wieder an der Reihe sind. Zumindest wenn man der Statistik der letzten 40 Jahre glauben darf. Aber das ist auch schon fast das einzige, was den Italienern vor dem Rennen Hoffnung macht. Die großen Favoriten sind sie nicht.

    Denn seit 1970 hat es nie mehr als fünf aufeinanderfolgende Auflagen der "Classicissima" ohne italienischen Heimsieg gegeben.

    Aktuell steht es im Duell Heimsieger vs. Ausländer 50:51.

    Zuletzt ließ Filippo Pozzato die Tifosi 2006 in San Remo jubeln, als er als Joker für den damaligen Weltmeister Tom Boonen einsprang und die Top-Sprinter nach einem Angriff auf dem Poggio minimal auf Distanz halten konnte, allen voran den Sieger von 2005 Alessandro Petacchi, damals noch in Diensten des mittlerweile aufgelösten Team Milram.

    Beide sind auch diesmal wieder am Start und hoffen natürlich auf eine Wiederholung ihrer Coups. Pozzato allerdings brach sich zu Beginn der Saison das Schlüsselbein und kämpft noch um seine Top-Form. Petacchi wartet ebenso wie sein Landsmann noch auf den ersten Saisonsieg.

    Keine Dominanz trotz großer Namen

    Im Jahre 2002 erlöste Mario Cipollini mit einem Sprintsieg die Italiener. Er beendete damit die Vormachtstellung von Erik Zabel, der von 1997 bis 2001 viermal die Arme auf der Via Roma zum Jubeln hochreißen konnte. "Super-Mario" wurde im selben Jahr auch noch Weltmeister und Paolo Bettini verzückte die Fans 2003 beim italienischen Dreifachsieg endgültig - dem letzten vor dem angesprochenen Jahr 2006.

    In den 90er-Jahren konnte sich das Land mit der großen Radsporttradition gleich fünfmal über Siege freuen. So klangvolle Namen wie Gianni Bugno, Claudio Chiappucci und Maurizio Fondriest ließen keine Zweifel an der Klasse der Italiener bei Eintagesrennen. Es war somit auch das erfolgreichste Jahrzehnt im modernen Radsport zusammen mit den Seriensiegen von Fausto Coppi und Gino Bartali in der "Goldenen Ära", die von 1946 bis 1950 jede Ausgabe unter sich ausmachten.

    Große Durststrecke über 16 Jahre

    Auch wenn Felice Gimondi, Giuseppe Saronni und Francesco Moser für zahlreiche Erfolge im Radsport stehen: Mehr als einmal konnten sie jeweils den ersten großen Klassiker der Saison nicht gewinnen. Dadurch verkamen die Jahre 1970 bis 1990 zu einer mageren Periode, auch geschuldet durch die Dominanz von Eddy Merckx. Der "Kannibale" gewann das Rennen zwischen den Jahren 1966 und 1976 bis heute unerreichte siebenmal.

    Doch das ist nichts im Vergleich zu der Durststrecke Jahren von 1954 bis 1969. Endlos scheinende 16 Auflagen von Mailand-San Remo vergingen nach dem bisher letzten italienischen Doppelsieger Loretto Petrucci ohne einen einzigen Heimsieg. Bei acht dieser Auflagen schaffte es nicht mal ein Italiener aufs Podium. Erst Michele Dancelli konnte den Bann 1970 mit einer grandiosen 70-Kilometer-Soloflucht brechen.

    Aussichten auch diesmal nicht rosig

    Auf eine erfolgreiche Flucht müssen die Italiener auch am kommenden Samstag hoffen. Einen echten Top-Sprinter haben sie (noch) nicht. Alessandro Petacchi scheint über seinen Zenit hinaus. Daniele Bennati, Daniel Oss, Sascha Modolo, Francesco Chicchi und Ella Viviani sind alle gute Sprinter, aber ähnlich wie bei der WM letztes Jahr in Kopenhagen mag man ihnen den ganz großen Tiumph nicht zutrauen.

    Einzig der junge Seriensieger Andrea Guardini (Bild) lässt die Tifosi von einer ernsthaften Konkurrenz gegen Weltmeister Mark Cavendish träumen. Dieses Duell wird es dieses Jahr allerdings nicht geben, da Guardini nicht von seinem Team aufgestellt wurde.

    Auf Vincenzo Nibali ruhen die größten Hoffnungen. Der "Hai von Messina" zeigte sich im Oman und bei Tirreno-Adriatico in bestechender Form. Fraglich ist nur, ob er als Helfer für seinen slowakischen Teamkollegen Peter Sagan agieren muss. Ein ähnliches Schicksal könnte Alessandro Ballan, Weltmeister von 2008, bei BMC mit Philippe Gilbert blühen. Ein ganz besonderer Sieg könnte Giovanni Visconti im Trikot des italienischen Meisters gelingen.

    TV-Tipp:

    Eurosport präsentiert Ihnen den ersten ganz großen Klassiker der Saison: Bei Mailand San Remo geht es um einen der wichtigsten Siege des Jahres: Wir sind ab 15:45 am 17. März LIVE dabei – natürlich auch im Eurosport Player!

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