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    Daddy Federer im siebten Himmel

    Roger Federer hatte schon lange niemandem mehr etwas zu beweisen, doch nach seinem siebten Wimbledon-Sieg flossen wieder die Tränen. Dieser Erfolg war Familiensache gewesen, und so übermannten den Schweizer die Emotionen.

    Da waren sie wieder, die Tränen. Nicht nur Andy Murray hatten sie übermannt, als er nach der so bitteren Niederlage seinen britischen Landsleuten erklären wollte, wie gerne er doch für sie den Titel geholt hätte. Auch Roger Federer weinte, und inzwischen tut er das nur noch nach Siegen, die etwas ganz Besonderes für ihn sind. Dieser siebte Triumph in Wimbledon war es auf so viele Weisen für den Schweizer, und die beiden wichtigsten Gründe saßen bei der Siegerehrung in bunten Sommerkleidchen und mit baumelnden Beinen auf dem Geländer seiner Box: seine fast dreijährigen Zwillingsmädchen Charlene und Myla.

    "Es war ein unglaublicher Moment für mich, dass die beiden dabei waren", sagte Federer später immer noch tief bewegt, "es war immer Mirkas Traum, dass sie zusehen, wenn ich spiele. Aber das geht noch nicht. Doch sie waren so herzig bei der Siegerehrung. Ich hoffte, diesen speziellen Moment mit meiner ganzen Familie teilen zu können."

    Die britischen Zuschauer hatten die beiden quirligen Mädchen bei aller Melancholie nach dem geplatzten Traum auch längst ins Herz geschlossen, die auf den Armen von Mama und Oma lieber ein wenig herumkaspern wollten. Wie viel die beiden Kleinen schon begreifen können, vermochte Federer selbst nicht zu sagen: "Sie wissen zumindest, dass ich ziemlich oft mit der Tennistasche aus dem Haus gehe".

    Dass Charlene und Myla ihren Daddy aber noch bewusst bei der Arbeit erleben sollen, treibt Federer auch mit bald 31 Jahren weiterhin an. Doch so brillant, wie dieser auf dem Rasen des Center Courts spielte, sind auch die letzten zweifelnden Stimmen erst einmal wieder verstummt, die stetig den Abgesang auf den nun 17-maligen Grand-Slam-Sieger probten. Federer trug seit einigen Tagen eine schwarze Weste unter seinem Shirt, um den leicht lädierten Rücken zu wärmen, und es wäre am Sonntag wohl niemand überrascht gewesen, wenn er es nach dem Sieg aufgerissen hätte und das rote Superman-Zeichen zum Vorschein gekommen wäre.

    "Es war ein magischer Moment, und ein solcher Sieg gibt mir extrem viel Motivation und Genugtuung", sagte Federer, "von mir aus könnte Olympia gleich morgen beginnen - aber das wäre ganz falsch, ich brauche erst Erholung."

    Viele unterschätzen den enormen Aufwand, den Federer seit Jahren täglich betreibt, denn sein anmutig-ästhetischer Stil auf dem Platz sieht eben nie nach harter Arbeit aus. Doch sein Erfolg nach der zweieinhalbjährigen Durststrecke bei den Grand Slams ist wohl gerade durch das inzwischen so wuselige Familienleben umso höher einzuschätzen. "Die Kinder verändern mein Leben massiv", erklärte Federer, "es ist wirklich nicht immer einfach. Ich spiele trotz ihnen mehr Tennis, das ist eigentlich nicht normal. Dazu braucht es ein starkes Umfeld und eine ganz starke Frau - die habe ich." Mirka hält ihm in der Familie den Rücken frei, so "kann ich alles geben und mir meine Träume erfüllen".

    Mehr erreicht, als möglich scheint

    Zwei der ganz großen haben sich in Wimbledon und mit der Rückkehr zur Nummer eins bereits erfüllt. In einer Woche, wenn Federer den Rekord von Pete Sampras mit 286 Wochen an der Spitze überflügelt hat, wird es der nächste sein. Und wenn er Anfang August seinen 31. Geburtstag feiert, dann liegt vielleicht sogar gold-glänzendes Edelmetall zur Krönung auf dem Gabentisch.

    Dann hätte der wohl beste Spieler aller Zeiten, der schon lange niemandem mehr etwas beweisen muss, mehr erreicht, als eigentlich möglich scheint. Doch Federer weiß, wofür er darum kämpft und vor allem vor wen. Auch wenn die beiden momentan ganz andere Dinge viel mehr interessieren: "Sie freuen sich jetzt auf eine Woche Ferien."

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