Sie wussten, bei wem sie sich bedanken mussten.
Thomas Müller gab am Rande des Banketts im Mannschaftshotel "Barriere" dem hauseigenen Bayern-Kanal gerade ein Interview, als Holger Badstuber, Bastian Schweinsteiger, Dante und Javi Martinez sich von hinten anschlichen und ihm vor laufender Kamera scherzhaft eine Stoffserviette auf den Kopf legten. Fußballer-Humor.
Dass es in der Nacht zum Mittwoch nach dem 1:0 (1:0)-Zittersieg beim OSC Lille überhaupt etwas zu feiern gab für den FC Bayern, lag hauptsächlich an Müllers Elfmeter-Treffer in der 20. Minute. Im schicken "Grand Stade Metropole" gab es dieses Mal keine FCB-Gala, kein Festival, keine schönen Kombinationen - aber am Ende immerhin drei Punkte für die Münchner.
Sie lieferten Hausmannskost ab, ehe sie und die geladenen Ehrengäste im Lounge-artig gestalteten Theatersaal des "Barriere" unter anderem Carpaccio vom Roastbeef und gebratene Medaillons vom Seeteufel genießen durften.
Mit sechs Zählern nach drei Partien steht der FCB - punktgleich mit BATE Borissow und dem FC Valencia auf Rang drei der Gruppe F.
"Dieses Spiel wird nicht in die Geschichte eingehen, aber es war ein wichtiges Spiel und ein wichtiger Sieg", fasste Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Geschehnisse in seiner Rede kompakt zusammen. "Das hat die Mannschaft gut gemacht, wir haben eine gute Ausgangslage und können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen", fügte er an.
Aggressives Pressing nervt Bayern
Alsbald verabschiedeten sich die Profis auf ihre Zimmer, lediglich Schweinsteiger blieb noch länger. Auch er wird erleichtert sein, dass die drei Punkte mit im Gepäck sind, wenn am Mittwochmorgen der Flieger zurück nach München abhebt.
Mit einem aggressiven Pressing, das 25 Meter vor dem eigenen Tor intensiv wurde, hatten die "Doggen" aus Lille den Bayern das Leben schwer gemacht. Sie mussten kämpfen, beißen und durchhalten, obwohl die Beine des einen oder anderen Spielers enorm schwer waren.
"Man hat gemerkt, dass wir nicht so spielfreudig, nicht so lauffreudig waren. Da muss man sich auch mal mit solch einer Leistung zufrieden geben. Wichtig ist, dass man solche Spiele gewinnt", konstatierte Trainer Jupp Heynckes, der später am Vorstandstisch neben Matthias Sammer saß.
"Wichtig, dass man gewinnt" - das war auch der Tenor der Aussagen sämtlicher Akteure. In Lille sind sie mit einem blauen Auge davon gekommen, doch eine Warnung sollte es ihnen dennoch sein.
Wäre in der Schlussphase durch einen blöden Zufall vielleicht doch noch der Ausgleich gefallen, wären den Bossen die Seeteufel-Medaillons nicht so gut bekommen. Die Leistungen vom dieses Mal erschreckend ungefährlichen Mario Mandzukic und vollkommen wirkungslosen Toni Kroos wären hinterfragt worden. Acht Torschüsse, wovon fünf außerhalb des Strafraums abgegeben wurden, waren insgesamt viel zu wenig für die Offensivmacht.
Kämpfer standen im Mittelpunkt
So standen die kämpferischen Darbietungen von Dante, der seine Mitspieler immer wieder mitriss, dem emsigen Philipp Lahm, Jerome Boateng und Schweinsteiger im Mittelpunkt - und nicht zuletzt Müllers Killerinstinkt.
Klassisch ausgeguckt hatte der 23-Jährige den Keeper Mickael Landreau und den Ball bei seiner Elfer-Pflichtspielpremiere eiskalt versenkt. Nach zuletzt viel Pech vom Punkt war die Erleichterung groß. "Ich bin zuletzt schnell in der Rangfolge aufgestiegen", sagte Müller, dem Schweinsteiger einen ganz speziellen Stil attestierte, lächelnd.
Worin dieser genau bestand, wollte letztlich trotz mehrmaliger Nachfragen niemand verraten, der Gegner könne sich ansonsten besser darauf einstellen. "Ich habe jetzt eine Quote von 100 Prozent - das ist doch speziell", merkte Müller noch an.
Er lachte zuletzt. Trotz Serviette auf dem Kopf.
TV-Tipp:
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