In Herning, Fano und Cervere ließ der Brite seinen Gegnern keine Chance.
Es ist daher wohl keine gewagte These, zu behaupten, dass lediglich das riskante Manöver von Roberto Ferrari in Horsens, der Sturz von Filippo Pozzato in Frosinone und ein Steuerfehler seiner eigenen Anfahrer in Montecatini Terme weitere Siege verhinderten.
Den Mythos vom "Fluch des Regenbogentrikots" zu verwenden, wäre kitschig. Und doch waren es jene Momente, die für die weitere Rundfahrt von Cavendish prägend waren.
Von nun an musste er an jedem Zwischensprint mühselig um Punkte für "Rot" kämpfen. Wie erfolgreich er das tat, zeigt die Gesamtwertung der Zwischensprints, in der der Brite Rang zwei belegte, obwohl er nie in einer Ausreißergruppe fuhr.
Doch die Punktejagd kostete Kraft, und auch die Berge setzten dem 27-Jährigen zu - mehr als zum Beispiel dem Italiener Andrea Guardini, dem es als einzigem gelang, Cavendish im Zielsprint um einen Etappensieg Mann gegen Mann zu schlagen.
Dass sich der italienische Nachwuchsmann in den Bergen an Autos festhielt und daher letztlich disqualifiziert wurde, das ärgerte Cavendish zwar, seine Niederlage aber wollte er damit nicht erklären.
"Es ärgert mich, geschlagen zu werden, obwohl mein Team den Sprint so gut vorbereitet hat", twitterte er nach Rang zwei in Vedelago. "Ich war einfach zu faul und bin 50 Meter zu spät in den Sprint gestartet. Guardini war schnell - Glückwunsch!"
Das einstige "enfant terrible" des Radsports ist reifer geworden und meckert weniger. Und, das rechnen ihm die Fans am höchsten an, er hat keine Allüren. Während viele andere Sprinter wie einst Mario Cipollini vor den Bergen flüchteten, blieb Cavendish im Rennen und kämpfte hartnäckig um seine geringe Chance in der Punktewertung.
Dass gegen Joaquim Rodriguez am Ende lediglich ein Zähler zum Erfolg fehlte, ist angesichts der Probleme von Horsens, Frosinone und Montecatini Terme umso bitterer. Es dürfte die Cavendish-Anhänger ärgern, dass es bei Berg- und Flachetappen des Giro gleich viele Punkte zu gewinnen gibt - ganz anders, als bei der sprinterfreundlicheren Tour de France.
Der Weltmeister aber war dennoch voll des Lobes über die Italien-Rundfahrt und ihren neuen Chef Michele Aquarone - trotz der unendlichen Quälereien der Schlusstage in den Dolomiten. "Er hat einen großartigen Job gemacht", bilanzierte Cavendish in Mailand.
"Drei anspruchsvolle, emotionale Wochen liegen hinter uns." Wieder kritisierte der Brite nur sich selbst: "Es ist eine Schande, dass wir Rot nicht holen konnten."
Doch Cavendish lässt sich von den Tiefschlägen aus Italien nicht unterkriegen. Das Regenbogentrikot des Weltmeisters tragen zu dürfen, ist für ihn eine große Ehre und Motivation - darin zu gewinnen, eine noch viel größere. Von einem Fluch will er nichts wissen.
Sich dahinter zu verstecken würde zum selbstbewussten "Cav" nicht passen. Er will sich nur schnell erholen, denn bei der Tour und zu Hause in England bei den Olympischen Spielen gilt es, die nächsten Sprints zu dominieren.
Dennoch wird ihm die Niederlage gegen Guardini möglicherweise zu denken gegeben haben. Denn auch die Berge in Frankreich sind schwer, und die Erholungspause zwischen Tour und Olympia wird kurz sein.
