Mit einem Plakat mit der Aufschrift "Mehr als eine Interimslösung" begrüßten die Anhänger des VfL den erneuten Aushilfscoach Köstner bei dessen erstem Auftritt in Düsseldorf - und das Ergebnis der Partie dürfte diese Forderung nochmals unterstrichen haben.
Nach vier Spielen ohne eigenes Tor platzte bei den "Wölfen" in der zweiten Halbzeit endlich der Knoten. Bas Dost (50., 64.), Ivica Olic (53.) und der zuletzt unter Magath auf die Bank versetzte Diego (78./Elfmeter) sorgten gemeinsam mit Düsseldorfs Jens Langeneke (71./Elfmeter) für einen fulminanten 4:1-Erfolg der VW-Schützlinge.
Doch so toll sich die offensichtlichen Zahlen auch lesen, auf dem Rasen war längst nicht alles gut. Es gab, genau wie zuvor unter Magath, viele Abstimmungsschwierigkeiten - kein Wunder, denn Köstner veränderte die Startelf auf ganzen sechs Positionen. Magath war fehlende Konstanz in der Spielerwahl zuletzt oft vorgeworfen worden.
Sportlich hat sich wenig getan
Die Abwehr der "Wölfe" wurde von stark defensiv ausgerichteten Düsseldorfern kaum gefordert, konnte etwaige Verbesserungen also kaum beweisen. Sportlich, und das kann man Köstner nach zwei Tagen im Amt auch kaum vorwerfen, hat sich gar nicht so viel getan in Wolfsburg.
Der Sieg in Düsseldorf hatte offensichtlich also noch nicht allzu viel mit einer neuen Taktik oder ähnlichem zu tun. Viel mehr profitierte die Mannschaft von Schwächen in der Abwehr des Düsseldorfer Gegners und vor allem von großer Befreiung. Der Auftritt des VfL zeigte in beeindruckender Manier, wie wichtig der Kopf und die Spielfreude beim Fußball sind - gerade, wenn sensible Brasilianer wie Diego die tragende Rolle in einem Team spielen.
"Nach einer Serie von vier Niederlagen strotzt eine Mannschaft nicht vor Selbstbewusstsein. Aber wir haben uns gesteigert und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht", bilanzierte Köstner. Und mit den Toren zum richtigen Zeitpunkt kam dann eben auch etwas Selbstbewusstsein zurück. Nach dem 2:0 sei "von vielen eine riesige Last gefallen".
Diego findet klare Worte
Diego war es schließlich, der klarstellte, dass dafür vor allem auch der Trainerwechsel wichtig war. "Das war ein Neustart für uns", erklärte er nach dem ersehnten Sieg. "Es hat heute unglaublich viel Spaß gemacht. Wir haben 90 Minuten zusammengehalten, jeder hat gekämpft." Einstellung und Geist seien völlig anders gewesen als unter "dem früheren Trainer", so Diego. Und: "Wir hatten keine Angst, Fehler zu machen - das war wunderbar!"
Köstner hat nun die Chance, dafür zu sorgen, dass man bald auch am Spiel der Mannschaft und nicht nur an deren Körpersprache merkt, dass er dem Team helfen kann. Nachdem er ihr die Angst nahm, muss er es jetzt schaffen, Abläufe zu festigen, seine Elf zu formieren und damit Sicherheit zu erzeugen.
Die Spieler jedenfalls sind überzeugt, dass Köstner das kann. "Lorenz ist sehr intelligent und respektvoll", lobte Diego seinen neuen Chef, und Marcel Schäfer bekräftigte: "Wir haben heute gesehen, wozu wir fähig sind - als eine Einheit mit Lorenz-Günther Köstner. Er hat auch das letzte Mal einen sehr guten Job gemacht."
Köstner könnte länger bleiben
Der Interimscoach, der nicht vergaß, höflich auf die Verdienste von Magath zu verweisen, kann sich durchaus vorstellen, länger im Amt zu bleiben. "Was soll's? Lügen darf man nicht. Selbstverständlich ist es das Größte, in der Bundesliga zu trainieren", sagte Köstner auf Nachfrage.
Unwahrscheinlich ist ein längerer Verbleib auf der Trainerbank nicht. Schon als Köstner Ende Januar 2010 Armin Veh ablöste, blieb er bis zum Saisonende Rudelführer der "Wölfe". Eilig haben es die Verantwortlichen von VW jedenfalls erst einmal nicht. Für sie hat die Suche nach einem neuen Sportdirektor Priotität. Und dafür will man sich, wenn nötig, bis zur Winterpause Zeit lassen.
Das Vertrauen in Köstner ist also nicht nur bei Spielern und Fans da - nach dem Sieg mehr denn je. Auch, wenn er eigentlich noch gar nicht viel getan hat.
TV-Tipp:
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