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    Bundesliga: Schalkes gezähmter "Aggressive Leader"

    Jermaine Jones galt bisher als Inbegriff des rauen Rüpels und als resistent für gut gemeinte Ratschläge. Doch dank Trainer Huub Stevens gibt sich der Schalker nun geläutert - und ist wertvoller denn je geworden. Denn seine Aggressivität will der 30-Jährige nicht mehr für Fouls, sondern seine Führungsrolle nutzen. Im Derby gegen Dortmund kommt es am Samstag wohl zur Feuertaufe seines neuen Selbst.

    49 ist eine Zahl, auf die Jermaine Jones nicht stolz ist. Es ist die Anzahl seiner Gelben Karten, die er sich im Laufe von mittlerweile fast 13 Profijahren eingehandelt hat.

    Allein 14 waren es in der letzten Saison. "Da war auch manch dumme Verwarnung dabei, die sich hätte vermeiden lassen", gesteht Jones in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein, "deshalb versuche ich, meine Spielweise ein bisschen zu verändern."

    Doch nicht nur das, Jones strebt einen weit größeren Wandel an: Vor Saisonbeginn kündigte der 30-jährige Deutsch-Amerikaner an, dass er nicht nur sein Spiel, sondern auch sein Ich ändern wolle. Und die ersten Erfolge dieser kniffligen Metamorphose sind tatsächlich bereits sichtbar und hörbar.

    Anstatt vor dem Prestige-Kracher gegen den BVB (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) zusätzlich Öl ins Derby-Feuer zu gießen, meint Jones: "Es ist zwar ein Derby, hat aber auch nicht mehr die Brisanz der vergangenen Jahre. Bei den Fans wird das heißer gesehen, als bei uns Spielern."

    "Ich werde mir selbst treu bleiben"

    In der Liga war Jones bisher bekannt - oder eher berüchtigt - als einer, der auf dem Platz meist rücksichtslos zu Werke ging, ein rauer Kämpfer, der sich nichts gefallen lässt. Schon gar nicht, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Einer, der sich nicht anpassen mag, und der immer gerade heraus ist. Der schlimme Tritt gegen Marco Reus im Pokalspiel der Schalker gegen Gladbach war sicherlich der Tiefpunkt in den Entgleisungen des Raubeins. Heute tut ihm der Vorfall leid.

    Jones ist wie er ist, gnadenlos authentisch im guten wie schlechten Sinne, und an seiner Grundpersönlichkeit kann und will er auch nichts ändern. Doch er will seine energischen Eigenschaften etwas mäßigen und vor allem für seine neu definierte Führungsrolle in der Schalker Mannschaft nutzen.

    "Ich werde mir selbst treu bleiben", betonte Jones, "auf dem Platz mit einer gewissen Aggressivität voranzugehen ist wichtig, gerade für eine so junge Mannschaft wie unsere. Der Trainer hat mir gerade erst wieder gesagt, genau das gehöre zu meinen Stärken." Der Trainer, das ist Huub Stevens, und der hat großen Anteil an Jones' Läuterungsprozess. Sie mögen sich, und vielleicht liegt es daran, dass sich die beiden nicht ganz unähnlich sind. Als Stevens vor einem Jahr für Ralf Rangnick nach Gelsenkirchen zurückkehrte, da war Jones glücklich: "Jetzt scheint hier wieder die Sonne."

    Stevens, der Seelenverwandte

    Vergessen sind die trüben Tage unter Felix Magath, mit dem Machtmenschen konnte er nichts anfangen und der umgekehrt mit ihm auch nicht. Zudem war Jones oft verletzt. Er wurde en halbes Jahr zu den Blackburn Rovers geschickt, während seine Schalker Kollegen den Pokal gewannen. Das nimmt Jones Magath heute noch übel.

    Stevens dagegen nimmt ihn ernst, und er baut auf ihn. Junge, noch unerfahrene Akteure wie Julian Draxler oder Lewis Holtby soll Jones führen, und gerade dann vorweggehen, wenn es auf dem Platz besonders hitzig wird. Das Derby gegen Dortmund dürfte daher so etwas wie die Feuertaufe seines neuen Selbst werden. Denn beim alten, unbeherrschten Jones wären im Druck des Hexenkessels schon mal die Sicherungen durchgebrannt, der neue soll jedoch cool bleiben und den Jungen Sicherheit geben.

    Seine sachlich faire Bewertung des großen Rivalen scheint das zu belegen: "Die letzten zwei Jahre haben für Dortmund gesprochen. Da haben sie einmal die Meisterschaft geholt und einmal sogar das Double. Das sollte man anerkennen. Man sollte Respekt haben, aber keine Angst."

    Jones scheint endlich angekommen bei sich, und er kann sich sogar vorstellen, seinen noch zwei Jahre laufenden Vertrag bei den "Königsblauen" noch einmal zu verlängern. Schalke ist für ihn das Nonplusultra. Käme es zu keiner Einigung, würde er "definitiv nicht in Deutschland" weiterspielen. Er hat bei den Königsblauen Blut geleckt, und dass ist wohl zum ersten Mal in seiner Karriere nicht als Drohung, sondern vielmehr als Versprechen zu verstehen.

    Video: Jones vor dem Derby

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