Nächstes Jahr läuft Labbadias Vertrag aus, und noch ziert man sich, die mitunter wilde Ehe über den Juni 2013 hinaus zu legitimieren.
"Beide Seiten zeigen, dass sie Interesse haben", sagte Labbadia nach dem lockeren 3:0 (3:0)-Pokalsieg gegen den Zweitligisten FC St. Pauli. Doch die Sache ist kompliziert. Um das Beziehungsgeflecht zwischen Klub und Trainer zu erklären, hielt Labbadia deshalb eine amouröse Grundsatzrede.
Wenn einer wenig in eine Partnerschaft investiere, sei er nicht so enttäuscht, wenn die Beziehung zerbreche, hob er an. "Wenn einer aber total verliebt ist, ist er verletzbar", philosophierte Labbadia weiter. Und: "Es gibt ja nicht nur Liebe auf den ersten Blick. Es ist sogar intensiver, wenn etwas zusammenwächst."
Labbadia als Experte für Romanzen?
Die Beziehung zwischen dem VfB und Labbadia war wohl eher keine Liebe auf den ersten Blick. Am Mittwochabend klang es so, als wolle Labbadia vom VfB stärker umworben werden. Die zehn Punkte aus den letzten vier Ligaspielen und der Einzug ins Pokal-Achtelfinale sollten den Trainer für den VfB deutlich attraktiver gemacht haben.
"Ich habe viel Zuneigung und Gefühle für den Verein entwickelt, weil die letzten 23 Monate unheimlich intensiv waren", sagte Labbadia, der den VfB nach seinem Amtsantritt im Dezember 2010 aus dem Tabellenkeller der Bundesliga bis in die Europa League geführt hatte. Gleichzeitig ließ der frühere Stürmer aber auch erkennen, dass die teils heftige Kritik an seiner Person nach dem schwachen Saisonstart Spuren hinterlassen hat.
"Ich war verwundert, wie schnell der Kredit verloren gegangen ist", sagte Labbadia: "Ich hätte aus allen Bereichen erwartet, dass man mehr Vertrauen hat." Damit durfte sich nicht nur das schwierige Umfeld beim VfB, sondern auch die Vereinsführung angesprochen fühlen.
VfB-Sparkurs ein Liebes-Killer?
Labbadia wollte am Mittwoch nicht näher auf seine Bedingungen für eine Vertragsverlängerung eingehen. Vieles dürfte davon abhängen, was der VfB angesichts des strikten Sparkurses willens und in der Lage ist, in Sachen Transfers zu bewerkstelligen.
"Wir müssen jeden Tag voll am Anschlag arbeiten", sagte Labbadia. Gegen St. Pauli sei er nach Toren von Ibrahima Traoré (21.), Vedad Ibisevic (22.) und Tamas Hajnal (41.) das erste Mal in seiner Amtszeit in der Halbzeitpause eines Spiels entspannt gewesen: "Da dachte ich: Schön, super."
Die Frage ist, wie lange die momentanen Glücksgefühle auf beiden Seiten andauern. Die Stimmung in Stuttgart gilt nicht unbedingt als stabil. Möglicherweise droht der erste Rückschlag nach nunmehr fünf Pflichtspielen ohne Niederlage gleich am Samstag bei Doublegewinner Borussia Dortmund (ab 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de). "Dortmund hat brutale Qualitäten. Wir brauchen einen Sahnetag, um gegen diese bärenstarke Mannschaft mitzuhalten", sagte Labbadia.
Der BVB wirbt übrigens gerne mit dem Slogan: "Echte Liebe." Vielleicht wäre das auch etwas für den VfB.
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