Nicht umsonst gelten Trainer und Co-Trainer meist als untrennbares Paar. Nürnbergs Dirk Bremser zum Beispiel folgte Dieter Hecking seit 2001 von Lübeck über Aachen und Hannover bis nach Nürnberg.
Selbst wenn ein Trainer entlassen wird und der Co zunächst als Interimslösung übernimmt: Spätestens am Ende der Saison oder wenn der eigentliche Cheftrainer einen neuen Posten hat, folgt der Ur-Co seinem Leitwolf meistens - Bremser spielte dieses Szenario gleich mehrmals durch.
Ähnlich treu ist auch Erdinc Sözer. Er wurde in Darmstadt zu Bruno Labbadias Co-Trainer und wechselte mit ihm nach Fürth, Hamburg, Leverkusen sowie schließlich nach Stuttgart.
Nach außen kann das leicht den Eindruck erzeugen, der Co-Trainer sei unterwürfig und stets nur der Handlanger seines Chefs. Fast immer ist er aber viel mehr als das, und es gilt sogar meist das Gegenteil: Ohne ihren Assistenten könnten wohl viele Chefs gar nicht arbeiten.
Assistenten leiten das Training
Wie groß das Vertrauen eines Cheftrainers in seinen Co ist, das bewies während der Länderspielpause Armin Veh. Der 51-jährige Eintracht-Coach nutzte die bundesligafreie Zeit für einen Kurzurlaub in der Heimat und ließ Reiner Geyer solange alleine die Einheiten leiten. Den lernte Veh schon zu Stuttgarter Zeiten kennen und holte ihn 2010 nach Hamburg, um ihn anschließend nach Frankfurt mitzunehmen. Dass Geyer etwas von seinem Job versteht, bewies er übrigens bereits 1994: Damals war er verantwortlich, als Vestenbergsgreuth den FC Bayern mit 1:0 aus dem Pokal kegelte.
Ein Extrembeispiel in Sachen Umfeld-Mitnahme stellt Klopp dar. Mit ihm wechselte beinahe sein gesamtes Trainergespann von Mainz nach Dortmund. Dazu gehörte natürlich auch Zeljko Buvac, mit dem Klopp seit 2001 zusammenarbeitet, und über den der Meister-Trainer sagt: "Zeljko ist fleischgewordener Fußballsachverstand und Meister aller Trainingsformen."
Meister aller Trainingsformen, das muss man heute sein, wenn man Co-Trainer in der Bundesliga werden will. Denn nicht selten sind es die Assistenten, die das Training strukturieren und leiten. In Stuttgart beispielsweise gebe Labbadia die Linie vor, die Sözer auf dem Trainingsplatz umsetzt und an der er im Hintergrund eng beteiligt ist, zitierte die "Stuttgarter Zeitung" Sözer zu Beginn von dessen Amtszeit im "Ländle".
HSV wollte den Co vor dem Chef
Ähnlich sieht es auch in Hamburg aus. "Patrick wird das Trainingsmanagement übernehmen", sagte etwa HSV-Trainer Thorsten Fink, als er an die Elbe kam, über seinen Assistenten Patrick Rahmen - er selbst wolle "beobachten und korrigierend eingreifen".
Fink brachte Rahmen vom FC Basel mit, wo der 43-jährige Schweizer für die U21 verantwortlich war. Und das Interessanteste an der Personalie: Den Schweizer wollte der HSV bereits ein Jahr zuvor verpflichten, als man an Fink noch gar nicht dachte. "Ich sollte hier im Nachwuchsbereich arbeiten", bestätigt Rahmen. Geklappt hat der Transfer damals jedoch nicht.

Wie wichtig die Co-Trainer geworden sind, das zeigt sich auch an ihrer Ausbildung sehr deutlich. Oft haben sie selbst die höchste deutsche Ausbildungsstufe der Trainer erreicht und den Fußballlehrer-Schein erstanden, den jeder Cheftrainer der deutschen Profi-Ligen besitzen muss.
Die Musterschüler der Liga
Und nicht wenige Co-Trainer schafften das sogar mit erstklassigem Abschluss - teilweise sogar besser als ihre heutigen Chefs. Paradebeispiel ist da der erst 32-Jährige Jan-Moritz Lichte von Bayer Leverkusen (im Bild in der Mitte). Der Lockenkopf war im Jahr 2011 Jahrgangsbester und setzte seiner erstklassigen Ausbildung - sein Studium der Sportwissenschaften schloss er mit einem 1,0-Diplom ab - so die Krone auf. An der Hennes-Weisweiler-Akademie lernte er auch seinen heutigen Chef Sascha Lewandowski kennen, der denselben Lehrgang besuchte und Lichte ein Jahr später zu Bayer lotste.
Als "Wunderkind" der Branche gilt jedoch noch ein anderer: Nestor El Maestro. Der heute 29-Jährige übernahm bereits vor elf Jahren das Techniktraining in der Jugendabteilung von West Ham United, wurde dann zum Techniktrainer der Profis von Juventus Turin und hat diese Rolle nun unter Mirko Slomka bei Hannover 96 inne.
Seinen Nachnamen hat "El Maestro" übrigens mit 18 selbst ändern lassen - vorher hieß er schlicht Jevtic. Auch das bekräftigt die Annahme: Co-Trainer zu sein bedeutet nicht, schüchtern im Schatten zu stehen und Befehle auszuführen. Die Co-Trainer werden wichtiger und mächtiger.
TV-Tipp: Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet wöchentlich über die aktuellen Qualifikationsspiele in Europa und Asien für die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

