Franck Ribéry gefiel es in Düsseldorf besonders gut. Seine Mitspieler, Trainer Jupp Heynckes und die Münchner Klubbosse waren längst vor den Menschenauflauf am Mannschaftsbus getreten, da hielt der uneingeschränkte Passkönig des Nachmittags - 110 Ballkontakte, drei Torvorlagen - noch Hof bei den französischen Medien.
Der Auftritt bei seinen Landsleuten in Lille, am Dienstag in der Champions League, war da natürlich ein beherrschendes Thema. Aber Monsieur Ribéry hatte nach dem prallen 5:0-Erfolg bei Aufsteiger Düsseldorf auch einiges zur bayerischen Gegenwart und Vergangenheit in der Liga zu erzählen.
Vollgas bis zum Schluss
Etwa über einen Beschluss in der Münchner Kabine, als die Heynckes-Elf die bemitleidenswerte Fortuna bereits 45 Minuten am Nasenring durch die Arena geführt hatte und 2:0 führte. "Wir haben uns bei Halbzeit vorgenommen, konzentriert auf mehr Tore zu spielen", berichtete Ribéry, der vor der Pause bereits den ersten Treffer durch Mario Mandzukic mundgerecht aufgelegt hatte und nach dem Wechsel auch noch die Tore Nummer drei (Thomas Müller) und fünf (Rafinha) vorbereitete.
Beim 2:0 durch Luiz Gustavo und Müllers zweitem Treffer war der 29-jährige Nordfranzose ausnahmsweise nicht beteiligt – ein Sonderlob seines Kapitäns war ihm trotzdem sicher.
"Wenn ich sehe, wie Franck auch defensiv arbeitet - das ist überragend", betonte Philipp Lahm, der Ribéry und all die anderen, die Fortuna Düsseldorf kaum die Luft zum atmen gelassen hatten, gleich aufforderte: "So muss es weitergehen, von Spiel zu Spiel. Und dann ist es auch schwer, uns zu stoppen." Wobei die bienenfleißigen, unnachgiebigen Münchner bei allem Eifer nicht vergaßen, ihre tadelnswerte letzte Saison als vereinseigenes rotes Tuch aufzuspannen. Bis auf acht Zähler waren sie Dortmund damals zu Spitzenzeiten enteilt - und am Ende doch nur Vizemeister, mit acht Punkten Rückstand auf den BVB.
"Viel Scheiße gebaut"
"Da haben wir mit gutem Vorsprung viel Scheiße gebaut", murmelte Ribéry nachdenklich, am aktuellen Stand der Dinge bei den Bajuwaren hat er dagegen nichts auszusetzen: "In Düsseldorf haben wir 90 Minuten gut gespielt. Wir sind stark, wir sind fit und wir haben eine gute Bank."
Und mit den nun acht Siegen in den ersten acht Runden zudem eine neue Bestmarke in Vereinsbesitz, für die sich Karl-Heinz Rummenigge auch nicht schämen wollte. "Ich freue mich über jeden Rekord - auch wenn unser Trainer vorher gesagt hat, das interessiere ihn nicht", vermeldete der Vorstandschef spitzbübisch - ehe er einerseits stolz erwähnte: "Der Beiname von Bayern München ist ja Rekordmeister." Aber andererseits auch artig sagte: "Auf dem Flug zurück nach München wird es keinen Champagner geben. Und wir zeigen auch keine Schadenfreude Richtung Dortmund."
Scharte von Borissov auswetzen
Schon gar nicht Jupp Heynckes. Fünf Punkte Vorsprung auf Frankfurt, sieben auf Schalke, zwölf auf den BVB, dazu das gewaltige Torverhältnis von 26:2. Schön und gut, dem Bayern-Trainer gefiel neben zwischenmenschlichen Details ("Beim Tor von Rafinha haben ihn alle gefeiert – das spiegelt das Innenleben der Mannschaft wider") aber vor allem das große Ganze. "Der Sieg heute war überragend", meinte Heynckes, hob speziell die resolute Defensivarbeit hervor und lobte seine Musterschüler: "Das war unser bislang bestes Spiel in dieser Saison."
Einen generellen Fortschritt hat dabei Bastian Schweinsteiger ausgemacht. "Wir haben versucht, die Defensivarbeit schon vorne beginnen zu lassen", erklärte der Nationalspieler. "Und das ist der Unterschied zur vergangenen Saison." Das war auch der große Unterschied zum historisch peinlichen 4:4 gegen Schweden vier Tage zuvor, an dem mehr als die halbe Bayern-Mannschaft beteiligt war.
Dieses Trauma haben sie fürs Erste überwunden - und mit dem frischen Selbstbewusstsein von Düsseldorf im Rücken wollen sie im Grand Stade Lille Métropole nun die Scharte vom 1:3 bei BATE Borissov vor drei Wochen auswetzen.
"Wir sind da ein bisschen in Zugzwang, und so muss die Mannschaft auch auftreten", findet Kapitän Lahm. Während Vorlagenkönig Ribéry genüsslich festhielt: "Jetzt haben wir die richtige Stimmung, um uns vor dem Spiel in Lille gut zu regenerieren."

TV-Tipp:
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