Es war ungemütlich in der Allianz Arena. Die Temperaturen waren nah am Gefrierpunkt, Schnee rieselte reichlich aus dem Münchner Abendhimmel.
Zudem hatte der FC Bayern gegen Bayer Leverkusen kurz vor Schluss den Treffer zum 1:2 kassiert - frostige Blicke bei den Spielern auf dem Rasen und den Bossen auf der Tribüne.
Doch Arjen Robben wirkte zufrieden.
Allein lief er zu den Fans, bedankte sich bei ihnen und klatschte in die Hände, die er in schwarze Handschuhe gesteckt hatte. Erstmals nach fünf Wochen Verletzungspause war er für rund eine halbe Stunde wieder zum Einsatz gekommen. Zuletzt hatten ihn Oberschenkelprobleme geplagt, die vom Rücken ausgestrahlt sein sollen.
"Einerseits war ich enttäuscht, dass wir verloren haben. Andererseits war ich froh, wieder da zu sein. Dass ich die halbe Stunde ohne Probleme gespielt habe, war für mich ganz wichtig", erzählt er danach. Er sagt es am Tag danach sachlich, ohne Anhebung der Stimme, ohne Mimik. Robben ist mittlerweile ein Experte für Gefühlsschwankungen.
Unglaubliche Verletzungs-Historie
Der 28-Jährige gehört zu den besten Fußballern der Welt, vor seinem linken Fuß zittert jede gegnerische Mannschaft. Ebenso unglaublich ist die Historie seiner Verletzungen.

Robben befand sich beim FC Chelsea, Real Madrid und seit Sommer 2009 beim FC Bayern nicht nur im Konkurrenzkampf, sondern auch permanent im Kampf mit sich selbst - mit seinem Körper. Als Zusatz zu seinem Namen erscheint bei "Google" als Top-Begriff "injury" - Verletzung.
Wie lange hangelt er sich noch von Comeback zu Comeback? Vor kurzem hieß es, selbst ein Karriereende wird nicht mehr ausgeschlossen. "Vertrauen Sie Ihrem Körper noch?", fragt eurosport.yahoo.de ihn deshalb in einer Presserunde an der Säbener Straße.
Robbens Antwort: "Es klingt ein bisschen blöd, aber viele Physiotherapeuten und Ärzte sagen mir immer wieder: 'Du hast so einen unglaublich guten Körper.' Und das fühle ich auch, wenn ich fit bin. Dann weiß ich, was ich kann. Dann habe ich so viel Kraft und so viel Power! Grundsätzlich vertraue ich meinem Körper, aber es passiert dann eben manchmal etwas - oder eben häufig."
"Es ist schwer zu akzeptieren"
Der Flügelflitzer ist ein akribischer Arbeiter, war als Kind in der Schule oder beim Fußball in der Jugend stets der Beste. Ein Begnadeter. Seine Anfälligkeit für muskuläre Probleme ist ihm nach wie vor ein Rätsel. "Vielleicht haben mein Vater und meine Mutter etwas falsch gemacht", sagt er mit einem Augenzwinkern und fügt dann nachdenklich an: "Es ist schwer zu akzeptieren."
Unter anderem sein Trainer Jupp Heynckes empfiehlt ihm, nicht immer "100 Prozent" zu geben. "Ihn muss man eher bremsen", sagt er oft. Für Robben ist das allerdings keine Lösung.
"Vielleicht muss ich vernünftiger sein und tatsächlich mal mit 70, 80 Prozent trainieren. Aber ich bin ein Typ, der, wenn er auf dem Platz steht, immer 100 Prozent gibt. Egal, ob beim Training oder Spiel. Das ist schwierig zu ändern", stellt er auf Nachfrage von eurosport.yahoo.de klar.
Noch hat er große Ziele, er erledigt seinen Job mit Leidenschaft. Der Fußball macht ihm Freude. In den letzten zwei Jahren hat dieses Gefühl jedoch gelitten. Und deshalb dachte er tatsächlich zwischenzeitlich daran, wie es ohne das Profigeschäft wäre.
Der Kampf geht weiter
"Ich hatte viele, auch ganz schwierige Verletzungen, da geht mal durch den Kopf: Ich nehme meine Schuhe und ihr könnt mich alle, wie sagt man das jetzt nett? Ich wollte sagen: am Arsch lecken!", sagt er und ergänzt: "Davor kannte ich solche Gedanken nicht, aber in den letzten zwei Jahren habe ich zu meiner Frau öfter gesagt: es wäre mal schön, nur mit meinen Freunden in Holland zu spielen, ganz ohne Druck. Und wenn was passiert, scheißegal. Am Ende werde ich natürlich nicht zurücktreten, aber wenn ich sage, dass mir das durch den Kopf geht, dann ist das nur ehrlich."
Seine Sorgenfalten um die Augen und auf der Stirn sind bei diesen Sätzen noch ein bisschen tiefer. Frisch und jugendlich wirkt er nicht mehr.
Doch momentan genießt er den Augenblick und beweist (Galgen-)Humor: "Manchmal fehle ich die Hälfte der Spiele. Vielleicht kann ich bis 40, 45 durchgehen."
Sein Geist hat den Kampf mit dem Körper immer angenommen. Ob er letztlich siegt, kann nicht mal Robben selbst vorhersagen.
VIDEO: Fußball kurios: Keeper versenkt Freistoß
TV-Tipp:
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