Die Anspannung von Sasa Obradovic ist in jeder Sekunde sichtbar. Wenn der neue Hoffnungsträger des achtfachen deutschen Basketball-Meisters ALBA Berlin an der Seitenlinie steht, dauert es nicht lange, bis der Trainer anfängt zu brüllen und wild gestikuliert. "Sasa hat schon als Spieler immer das Maximale aus sich herausgeholt, da er bereit ist, über diese berühmte Grenze zu gehen. Und genau das Gleiche macht er bei den Spielern", erklärt Sportdirektor Mithat Demirel die Arbeitsweise seines früheren Teamkollegens.
Spielmacher und Serienmeister
Als Spielmacher führte der Serbe die Berliner 1997 zur ersten von insgesamt sieben Meisterschaften hintereinander. Anschließend wechselte Obradovic zu Virtus Rom nach Italien. Nun ist er in die deutsche Hauptstadt zurückgekehrt, um den früheren Serienmeister nach den jüngsten Enttäuschungen wieder auf Erfolg zu trimmen. ALBA wartet seit vier Jahren auf einen Meistertitel.
"Ich will immer das Maximum für mein Team. Wenn Spieler nicht ihr Bestes geben, macht mich das nervös", sagt der Mann mit der Glatze vor dem wichtigen Euroleague-Heimspiel gegen die Franzosen von Elan Chalon. Geduld gehört nicht zu den Stärken des Serben. Allerdings braucht er dieser Tage nicht viel davon. Sein Team ist fast schon perfekt in die neue Saison gestartet. Und Obradovic hat großen Anteil daran.
ALBA landete zwei souveräne Siege in der Bundesliga gegen Quakenbrück und Hagen. Hinzu kam der verblüffende Erfolg in der Europaliga bei Montepaschi Siena, dazwischen lag der anspruchsvolle Auftritt bei der knappen Niederlage gegen die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki. "Wir spielen einen teamorientierten Basketball", erklärt Sportdirektor Mithat Demirel. Ein Grundpfeiler des Erfolges: die aggressive, intensive Verteidigung. Die Berliner ersticken das Spiel des Gegners, bevor es sich entfalten kann.
"Mit Leib und Seele"
Das mit sechs Neuzugängen runderneuerte Team hat die Philosophie ihres Trainers erstaunlich schnell verinnerlicht. "Unser Motto heißt: Mit Leib und Seele, Sasa verkörpert genau diesen Leitspruch", lobt Manager Marco Baldi seinen neuen Coach.
Dank Obradovic gibt es bislang einen neuen Teamgeist, jeder ordnet seinen persönlichen Erfolg dem der Mannschaft unter. Selbst ein Ausnahmekönner wie DaShaun Wood ist nur noch einer von vielen. In der Vorsaison genoss der US-Spielmacher unter Coach Gordon Herbert noch einen Sonderstatus.
Anders als früher gibt sich bei ALBA auch niemand mehr zu schnell zufrieden. Selbst ein 30-Punkte-Vorsprung gegen Hagen hielt die Berliner nicht ab, die Intensität bis zum Ende hochzuhalten. Dafür sorgt der grimmig wirkende Coach, der sein Team von außen antreibt. "Dieser Trainer lehnt sich erst zurück, wenn wir deutscher Meister sind - und vielleicht selbst dann nicht", sagte Center Yassin Idbihi.
TV-TIPP:
Was ist los in der Euroleague? Bringen Sie sich im wöchentlichen Magazin auf der Stand der Dinge in der Basketball-Königsklasse - immer dienstags um 16:30 Uhr auf Eurosport 2.

