Herr Adler, vier Siege, vier Niederlagen, ein Torverhältnis von 11:11 - stimmt beim HSV vor dem Spiel gegen den FC Bayern die Balance?
René Adler: Da wäre es mir lieber, wenn die Balance nicht stimmen würde und wir ein paar Siege mehr auf dem Konto hätten. Ihre Ansicht weist aber darauf hin, dass wir nach schlechtem Saisonstart langsam zu Stabilität finden. Das ist aber ein harter Weg, auf dem wir auch Rückschläge wie das Spiel gegen Stuttgart verkraften müssen.
Seit knapp sechs Jahren (zuletzt am 25. November 2006) hat Bayern in der Liga in Hamburg nicht mehr gewonnen. Ein gutes Omen?
Adler: Leverkusen hatte ja auch ewig nicht in München gewonnen. Wir sollten uns also nicht nur auf die Statistik verlassen, sondern auch auf dem Platz am Samstag alles dafür tun, dass die Negativ-Serie der Bayern bei Spielen in Hamburg nicht reicht. Wir müssen im Vergleich zum Augsburg-Spiel am vergangenen Wochenende mehrere Schippen drauf legen. Dazu brauchen wir die Leidenschaft wie beim Heimsieg gegen Dortmund.
Ihr ehemaliger Verein Leverkusen hat am vergangenen Spieltag gezeigt, dass man die Bayern schlagen kann. Wo haben die Münchner Ihre Schwächen?
Adler: Sie haben ein blödes Eigentor geschossen... Ansonsten sind mir im Verlauf dieser Saison noch keine großen Schwächen aufgefallen. Die Meisterflatter werden sie am zehnten Spieltag wohl auch noch nicht bekommen. Aber wir werden ihnen den Sieg sicher nicht schenken. Es ist doch eine tolle Herausforderung, sie zu Hause schlagen zu wollen.
Ist der HSV gefestigt genug, um den Bayern gefährlich zu werden, reicht das "Bier-Doping" an der Hotelbar dieses Mal auch aus?
Adler: Ein Bier wird nicht reichen (lacht). Vielleicht brauchen wir ein zweites, um uns richtig einzuschwören. Ich bin mir sicher: Bringen wir am Samstag 100 Prozent auf den Platz, dann haben wir eine Chance.
Sie treffen dabei unter anderem auf Manuel Neuer, die ehemalige Nummer 2 hinter Ihnen im Tor der Nationalmannschaft. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung seit Sommer 2010?

Adler: Es ist nicht meine Aufgabe, Manuels Entwicklung zu beurteilen. Ich bin ja kein Trainer oder Sportdirektor. Manuel ist mein Kollege. Ich kann nur sagen, dass er eine tolle WM gespielt hat und aus meiner Sicht zur Weltklasse gehört.
Zuletzt hat sich Manuel Neuer in einem Interview über mangelnde Beschäftigung im Bayern-Gehäuse beklagt. Inwiefern können Sie das nachvollziehen?
Adler: Ich habe gar keine Klagen vernommen. Hat er das wirklich getan? Als Torwart zeichnet man sich natürlich gern aus und ist Teil des Spiels. Der van der Vaart wird ihm schon was auf seinen Kasten hauen, keine Sorge.
Verstehen Sie die Begegnung mit ihm auch als Duell im Hinblick auf den Konkurrenzkampf im DFB-Tor?
Adler: Sicher nicht. Es gibt keine richtungsweisenden Duelle zwischen Torhütern. Das ist vielleicht ein ganz nettes Thema für die Medien, mehr nicht. Der Bundestrainer wird schon seine Vorstellungen haben.
Inwiefern sind Sie bereits wieder der "alte" Adler oder fühlen Sie sich seit dieser Saison sogar wie neugeboren?
Adler: Es gibt weder einen alten noch einen neuen Adler. Es gibt einen Adler mit seiner Geschichte. Und einen Adler, der sich mit dem Jetzt beschäftigt. Ich fühle mich hier beim HSV rundum wohl. Es war der richtige Schritt für mich, zu diesem Verein zu gehen.
Wann wären Sie mit sich und dem HSV in dieser Saison zufrieden?
Adler: Zufrieden bin ich erst, wenn wir wieder dauerhaft international spielen. Wenn überhaupt. In dieser Saison ist das aber noch nicht die Zielsetzung. Erst geht es um Stabilität. Womit wir wieder am Anfang des Gesprächs wären.
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