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    Bruchlandung! Barcelona am Boden

    Für katalanische Ansprüche ist das Debakel perfekt: Clásico-Pleite, Meisterschaft futsch - und jetzt auch noch das sang- und klanglose Aus im Halbfinale der Champions League gegen Chelsea London. Der FC Barcelona durchlebt möglicherweise Tage wegweisenden Frusts aus dem man seine Lehren zieht.

    Von Michael Wollny

    Die reflexartigen Reaktionen waren absehbar: Von Ungerechtigkeit ist zu lesen und zu hören, wenige Stunden nach Abpfiff in Camp Nou, vom Sieg hässlicher Effektivität über brillante Ästhetik.

    Aber man darf das Schicksal des FC Barcelona auch anders deuten: Ballbesitz gewinnt keine Spiele, das tun auch weiterhin nur Tore.

    "So ist der Fußball", stellte Fernando Torres richtig fest. "Nicht immer gewinnt der Favorit oder die bessere Mannschaft." Und der Torschütze zum 2:2 ergänzte beinahe entschuldigend: "Wir mussten so spielen, weil wir sonst keine Chance gehabt hätten."

    Nüchtern betrachtet, war der FC Chelsea in der Addition somit beim Toreschießen einfach besser als Barcelona, das einmal mehr sagenhafte 73 Prozent Ballbesitz nicht in Erfolg umwandeln konnte. Narkotisierendes Ballgeschiebe, das urplötzlich in einem Augenblick einzigartiger Genialität offensiv explodiert - das zeichnet den FC Barcelona eigentlich aus.

    Barcelona kann nicht anders

    Doch schon an der Stamford Bridge zeigten die Explosionen keine Wirkung. Barca versiebte im Hinspiel eine Handvoll bester Chancen und legte damit erst den Grundstein für das eigene Scheitern. In Camp Nou schien es, als ob sich das Team von Pep Guardiola auf die selbsterfüllende Prophezeiung verlassen würde, dass der FC Barcelona die "Blues" nach allen Regeln katalanischer Fußball-Kunst spektakulär zurechtstutzen würde.

    Die Führungstreffer von Sergio Busquets und Andres Iniesta schienen den erwarteten Lauf der Dinge anzukündigen. Dass Chelsea andere Pläne verfolgte, unterstrich Ramirez mit seinem fantastischen Anschlusstreffer zum 1:2 mit dem Pausenpfiff. Der Knackpunkt des Spiels. Barca stand unter Druck, benötigte ein weiteres Tor.

    Doch exakt dafür mangelte es den Gastgebern an effektiver Konsequenz und taktischer Flexibilität: "Wir hätten hier noch mehr Tore erzielen können und hatten auch einen Strafstoß", stellte Guardiola fest. "Aber es hat nicht gereicht." Und das, obwohl Chelsea nach John Terrys sinnfreier Aktion gegen Alexis Sánchez beinahe eine Stunde lang in Unterzahl auf dem Platz stand - vielleicht aber auch gerade deshalb.

    Barca fehlt das Werkzeug

    Denn mit der Roten Karte verstärkten die "Blues" ihr Bollwerk vor Torhüter Petr Cech zusätzlich. "Im zweiten Durchgang war nicht die Taktik entscheidend", erklärte Chelseas Coach Roberto Di Matteo, "sondern Leidenschaft, Stolz und das Verlangen, das Endspiel zu erreichen." Dieses Verlangen verspürten zweifellos auch die Hausherren. Aber der FC Barcelona setzte weiter Handmeißel an, wo Schlagbohrer nötig gewesen wären. Schweres Gerät findet sich eben selten im Werkzeugkasten filigraner Künstler.

    Und so versuchte es Barca über Iniesta, Xavi, Cesc Fabregas und natürlich den tragischen Lionel Messi weiter mit verzweifelten Passkombinationen. Die Gastgeber suchten im Londoner Bein-Wall vor und im Strafraum nach Lücken, die es nicht gab, anstatt es auch aus der Distanz zu probieren und gegebenenfalls nachrückend einen zweiten Ball zu verwerten. Guardiolas Team war im eigenen System gefangen.

    Barcelona fehlte die nötige Erfahrung im Umgang mit der Brechstange, weshalb sich im Spiel zusehend hektische Hilflosigkeit breitmachte. "Wir müssen nun genau untersuchen, wie man solche Mannschaften knackt", sprach Guardiola später offen die eigene Schwäche an.

    Messi: Tragische Figur

    Messis Genialität konnte den Mangel an Durchschlagskraft nicht kompensieren, da Messi kaum genialen Momente hatte. Sein verschossener Elfmeter in der 49. Minute spiegelte die ganze Tragik der katalanischen Bruchlandung, die Fernando Torres mit einem einsamen Konter in der Nachspielzeit endgültig besiegelte.

    Der FC Barcelona scheiterte mit spielerischer Inflexibilität an sich selbst. Barca gehört zweifellos zu den Besten der Besten, wurde nun aber vom FC Chelsea gnadenlos geerdet. Es spricht für Pep Guardiola, dass er auf dem Boden der Tatsachen eine eigene Schwäche entdeckt: Nicht jeder Sieg muss glänzen.

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