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    Brink und Reckermann: "Lauter Bekloppte"

    Julius Brink und Jonas Reckermann basteln in London am großen Traum. Das deutsche Beachvolleyball-Topduo peilt die erste Olympia-Medaille an. Eurosport-Reporter Tobias Laure hat die beiden Europameister auf der Horse Guards Parade getroffen - und im Interview der Woche erstaunliche Details erfahren.

    Geht es nach Jonas Reckermann und Julius Brink, dann darf das ruhig so weitergehen. Nach den ersten beiden Partien stellten sich die Top-Beacher jeweils gut gelaunt in Flip Flops, wahlweise auch gleich barfuß, den Fragen der Journalisten.

    Mit den Siegen im Rücken wurde das Gespräch zum launigen Plausch. Doch wer den beiden Weltmeistern von 2009 zuhört, merkt schnell, dass es hinter den Kulissen höchst professionell zugeht.

    Die Bedingungen in London sind perfekt. Die Arena ist voll, das Wetter bislang sommerlich. Besser geht's nicht, oder?

    Jonas Reckermann: Ja, das ist schon super, genau das richtige Beach-Wetter. Wenn du dann hochschaust auf die Tribünen, und die sind schon morgens um 9:00 Uhr voll, dann ist das natürlich fantastisch.

    Julius Brink: Für mich gilt: Ich habe noch nie zuvor in so einem sensationellen Stadion gespielt und auch noch nie ein besseres gesehen. Es passt alles. Die traumhafte Lage, die Atmosphäre, die Fans. Da zahlt mancher 95 Pfund (~123 Euro, A.d.R.), um uns spielen zu sehen. Das muss man sich mal vor Augen halten. Bei einem Champions-League-Spiel kann ich mir das noch vorstellen, aber bei uns? Es ist wirklich schade, dass diese Arena nach den Spielen wieder abgebaut wird. Vielleicht löst der Olympische Wettbewerb ja so einen Schub aus, dass London über ein dauerhaftes Turnier nachdenkt.

    Wie schätzen Sie das Niveau des Olympia-Turniers ein?

    Brink: Es ist niedriger als auf der World Tour. Das ist allgemein so ein Phänomen, dass in den Teamsportarten bei den Spielen nicht das allerhöchste Niveau erreicht wird. Ich denke, das liegt an den vielen speziellen Einflüssen und Gegebenheiten, die Olympia mit sich bringt. Das führt zu einer höheren Leistungsdichte, es gibt mehr Außenseiter-Siege.

    Beachvolleyball ist ein sehr emotionaler Sport. Das ist auch bei Ihnen zu erkennen, unter anderem bei lebhaften Diskussionen mit den Unparteiischen.

    Reckermann: Stimmt, es gab es ein wenig Redebedarf. Insgesamt aber bin ich mit den Leistungen der Unparteiischen zufrieden. Da waren im ersten Spiel diese zwei Minuten, wo der Schiedsrichter mit Fehlern für Unruhe gesorgt hat. Aber so was passiert, das ist kein großes Ding.

    Und wer ist innerhalb Ihres Zweier-Teams der emotionalere Mann?

    Brink: Das bin dann schon ich. Aber ich kann den Jonas natürlich auch nicht einfach anschreien. Ich denke, wir haben da eine gute Balance gefunden.

    Treten Sie denn auch außerhalb des Platzes als Duo auf, oder geht da jeder seinen eigene Wege?

    Brink: Es ist nicht so, dass wir ständig nur zusammen unterwegs sind. Hier in London haben wir beispielsweise beide ein eigenes Hotelzimmer in der Nähe der Anlage. Wenn der Trubel zu groß wird, dann gehe ich da rein und mache die Türe hinter mir zu.

    Sie wohnen nicht im Olympischen Dorf?

    Brink: Doch. Nur haben wir uns eben zusätzlich diesen Fluchtraum mit den Zimmern verschafft. Im Athleten-Dorf wohnen wir ja in einer WG mit acht Personen. Und das sind lauter Bekloppte - das dürfen sie ruhig so schreiben.

    Wie bitte?

    Brink: Es ist ja positiv gemeint. Wir sind alles Beachvolleyballer in der WG, und manchmal sind wir schon komisch (lacht). Im ernst: Jonas und ich haben unterschiedliche Gewohnheiten. Der eine geht lieber spät ins Bett, der andere steht dafür früher auf. Von daher ist diese Doppel-Lösung zwischen Dorf und Hotel ideal.

    Es ist für Sie beide die zweite Olympia-Teilnahme. Was ist anders geworden?

    Brink: Also ich bin hier in London wesentlich relaxter, habe mich von dieser entspannten Atmosphäre anstecken lassen. Vor vier Jahren in Peking war das noch nicht so. Da habe ich mir etwa selbst verboten, andere Sportwettbewerbe zu besuchen.

    Pflegen Sie Rituale, bevor ein Match beginnt?

    Brink: Puuh, in dieser Hinsicht sind wir unspektakulär. Es gibt aber feste Abläufe. 75 Minuten vor einer Partie treffen wir uns mit dem Trainer. Jonas geht immer vor dieser Besprechung zum Physiotherapeuten, ich danach. Ich weiß aber nicht, ob das schon als Ritual gilt.

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