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    Blondel exklusiv: "Maximal Bronze für Deutschland"

    Alain Blondel hat die Zehnkampf-Geschichte mitgeprägt, war Teil einer großen Generation mit Daley Thompson, Jürgen Hingsen oder Christian Schenk. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport-Reporter Tobias Laure spricht der Europameister von 1994 über deutsche Chancen und die 9000-Punkte-Marke.

    Alain Blondel lässt seinen Blick durch das Olympiastadion von London schweifen. Zweimal war er selbst bei den Spielen dabei, 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona.

    Vor 17 Jahren beendete der 49-Jährige, der auf eine Bestleistung von 8453 Punkten gekommen war, seine Karriere. Heute blickt der Franzose als Beobachter und Experte auf den Zehnkampf.

    Herr Blondel, aus deutscher Sicht lautet die wichtigste Frage beim Zehnkampf: Holt Pascal Behrenbruch eine Medaille?

    Alain Blondel: Ich denke, er ist gut in Form und in der Lage, einen guten Wettkampf zu liefern. An Ashton Eaton und Trey Hardee wird er aber meiner Meinung nach nicht vorbeikommen...

    ...bleibt noch Bronze.

    Blondel: Ja, das traue ich Pascal zu. Ich weiß, Deutschland schielt auf die Silbermedaille. Aber ich denke, Hardee ist in blendender Verfassung. Daher sehe ich den Amerikaner noch vor Behrenbruch.

    Pascal Behrenbruch hatte vor kurzem mit Doping-Verdächtigungen in Richtung der osteuropäischen Zehnkämpfer für einen Skandal gesorgt.

    Blondel: Ich kann verstehen, dass sie von mir als ehemaligem Zehnkämpfer einen Kommentar dazu haben möchten. Ich bitte sie nur um ebenso viel Verständnis, dass ich dazu nichts sagen werde. Das ist die Angelegenheit von Pascal Behrenbruch.

    Dann lassen Sie uns über die magische 9000-Punkte-Marke sprechen. Es werden wohl weniger Punkte reichen, um Olympiasieger zu werden.

    Blondel: Ich denke schon, obwohl auch ich nicht hellsehen kann (lacht). Nur, kein Starter wird diese Marke anstreben, auch Ashton Eaton nicht. Bei den Olympischen Spielen geht es darum, mindestens einen Punkt mehr als die Konkurrenten aufs Konto zu bringen. Wenn die Bedingungen aber an beiden Wettkampftagen passen, dann sind 9000 Punkte möglich.

    Das dürfte aber nur für Eaton gelten.

    Blondel: Ja. Wenn einer diesen Ashton Eaton schlagen kann, dann ist er es selbst. Und dafür müsste er schon zwei Disziplinen richtig in den Sand setzen.

    Eaton hat im Juni den Weltrekord von Roman Sebrle auf 9.039 Punkte gesteigert. Dabei ist er gerade einmal 24 Jahre alt. Was ist von Eaton noch zu erwarten?

    Blondel: Er hat mehr als diese 9039 Punkte im Köcher. Wenn er sein Gefühl für die technischen Disziplinen weiterentwickelt und läuferisch dran bleibt, kann er noch einiges drauflegen. Ich habe darüber erst gestern mit Daley Thompson spekuliert. 9.200 Punkte halte ich für möglich. Für Ashton wird alles davon abhängen, wie sein Körper die Belastungen aushält.

    Wie steht es mit der mentalen Komponente im Zehnkampf? Man muss ja über zwei Tage fokussiert bleiben und dabei auch Rückschläge wegstecken.

    Blondel: Es wird sehr viel mit Mentaltrainern gearbeitet. Ich selbst habe das aber immer abgelehnt und mich mental in Eigenregie gemanagt. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Höhen und Tiefen während der beiden Tage auszubalancieren. Und eines musst du dir immer klar machen, ob es nun gut oder schlecht läuft: Abgerechnet wird nach den 1500 Metern. Bis dahin musst du alles rausholen.

    Die schärfsten Rivalen ihrer Karriere waren unter anderem die Deutschen Jürgen Hingsen (siehe Foto unten), Christian Schenk und Torsten Voss. Treffen Sie die einstigen Konkurrenten heute noch?

    Blondel: Wir haben das nicht irgendwie organisiert und haben generell eher wenig Kontakt, aber wenn wir uns dann sehen, ist das immer eine tolle Sache.

    Herr Blondel, ich bedanke mich für das Gespräch.

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