Das Anforderungsprofil auf der Doppelsechs ist recht umfangreich und nicht leicht zu erfüllen. In gewisser Weise muss dieser Spielertypus von allem etwas in sich vereinen. Vor allem aber erfordert die Position im zentral-defensiven Halbfeld eine Menge Spielintelligenz.
Intelligentes Zweikampfverhalten, kluges Antizipieren von Spielsituationen, die Koordination der Umschaltphase zwischen Offensive und Defensive und damit die Basis für einen erfolgreichen Spielaufbau. Im absoluten Idealfall verträgt sich das alles auch noch mit einem gewissen Maß an situativer Abschlussstärke.
Bastian Schweinsteiger hat dieses Ideal im DFB-Team schon verkörpert. Er tut es immer noch, falls er an seinem Leistungslimit spielt. Doch das ist in der laufenden Saison auch aufgrund von Verletzungen viel zu selten der Fall gewesen. Sami Khedira konnte sich dagegen in Reals Erfolgssaison auf hohem Niveau stabilisieren. Allerdings fehlt dem 25-Jährigen Schweinsteigers Qualität im Passspiel.
Die Bender-Zwillinge, speziell Sven vom Double-Sieger aus Dortmund, erfüllen auf der Doppelsechs vor allem die defensiven Schlüsselqualifikationen als taktisch kluge Balleroberer. Das Spiel zu tragen, es zu gestalten, diese Qualitäten müssen sich bei beiden aber erst noch heraus entwickeln. Bei der Borussia übernahmen diese Aufgabe ohnehin eher Sebastian Kehl oder Shinji Kagawa.
Auch Benders Dortmunder Kollege Ilkay Gündogan steht im vorläufigen Kader des DFB-Teams. Seine Stärken kommen im defensiven Halbfeld eher bei einer offensiveren Ausrichtung zum Tragen. Für diesen Fall wäre allerdings auch Toni Kroos stets eine Option. Aber die Benders geben sich kämpferisch: "Wir versuchen uns anzubieten, um beide zur EM zu fahren."
Dieser Fall ist mit Blick auf die Konkurrenz aber doch eher unwahrscheinlich. Im Kampf um ein EM-Ticket wirft Sven eine bärenstarke Saison mit Double-Gewinn in die Waagschale, Lars kann mit taktischer Flexibilität kontern, was letztlich den Ausschlag für den Leverkusener geben und somit zum "Bender-Riss" führen könnte - der eine zu Hause, der andere bei der EM. Löw sieht Lars schließlich als optionalen Rechtsverteidiger.
Der Bayer-Bender ist klug genug zu betonen, dass er diese "Idee schon interessant" findet und sich auf dieser Position auch "voll reinhauen" würde. Das werden in Tourrettes beide Bender tun. "Wenn man schon hier ist, dann will man auch dabei bleiben", meint Sven. Falls das Zwillingspaar letztlich doch getrennt werden würde, sei das aber kein Problem. "Wir empfinden da keinen Neid", meint Lars. "Wenn nur einer mitfährt, dann werden wir uns gegenseitig unterstützen."
Oder zusammen gemeinsam vor dem Fernseher mitfiebern. Denn "es kann ja auch sein, dass wir beide nicht dabei sind."
Das wäre in der Tat dann doppeltes Pech.
