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    Wimbledon - Becker: "Ich hatte Angst um Olympia"

    Drei Wimbledon-Siege und eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen - Boris Becker (44) ist der ideale Gesprächspartner in einem Jahr, wo im All England Club sowohl um den Grand-Slam-Titel als auch Olympisches Gold gekämpft wird. Im Interview der Woche spricht Becker über Erinnerungen und Favoriten.

    Das Interview führte Ashley House

    Herr Becker, haben Sie als dreifacher Wimbledon-Champion ein besondere Empfehlung, was man rund um den All England Club nicht verpassen darf?

    Boris Becker: Man sollte - vor allem, wenn man sich für die Geschichte des Tennis-Sports interessiert - unbedingt das Museum in Wimbledon besuchen! Dort findet man alles über unseren Sport heraus, ohne dass man Leuten wie mir zuhören muss (lacht).

    In Wimbledon steigen in diesem Jahr gleich zwei Topevents. Zunächst das eigentliche Turnier, danach im Juli und August die Tennis-Wettbewerbe der Olympischen Spiele von London. Wen haben Sie da bei den Männern besonders auf der Rechnung?

    Becker: Andy Murray muss man im Auge behalten. Aus meiner Sicht spielt er zurzeit sein bestes Tennis. Aber natürlich muss man die Sieger der vergangenen Jahre zu den Favoriten zählen. Roger Federer hat sechsmal in Wimbledon gewonnen, Rafael Nadal ist der amtierende Olympiasieger und Novak Djokovic die Nummer eins der Welt. Von daher sehe ich diese drei noch vor Murray. Aber diese Saison ist extrem lange und körperlich sehr anstrengend. Da kann niemand die gesamte Zeit oben stehen und ich denke, das könnte die Chance für Andy sein, seinen ersten Grand-Slam-Titel zu holen und vielleicht auch bei den Olympischen Spielen zu triumphieren.

    Wie lautet denn Ihr Tipp für das Olympische Finale?

    Becker: Na herzlichen Dank! Aber ok, ich tippe auf... Federer und Murray im Endspiel.

    Wem geben Sie bei den Frauen auf Rasen die besten Chancen?

    Becker: Wenn Serena Williams fit, in Form und motiviert ist, dann würde ich sie als Topfavoritin sehen. Doch da ist natürlich auch eine Petra Kvitova. Die Tschechin ist amtierende Wimbledon-Siegerin und ihr Spiel ist perfekt auf Rasen zugeschnitten. Sie ist groß, eine Linkshänderin, sie nimmt den Ball sehr früh. Wenn sie mit dem Druck der Titelverteidigung umgehen kann, ist sie für mich ebenfalls eine heiße Favoritin. Bei den Damen habe ich aber auch oft das Gefühl, dass die Tagesform entscheidet. Es gibt keine dominante Spielerin mehr, die alle Grand Slams gewinnt wie früher Martina Navratilova, Chris Evert und Steffi Graf. Daher ist das alles sehr offen. Wer es schafft, im Juni in Wimbledon in Topform zu sein, der hat auch im Juli bei den Olympischen Spielen gute Chancen.

    Sie selbst haben 1992 zusammen mit Michael Stich den Doppel-Wettbewerb bei den Olympischen Spielen in Barcelona gewonnen? Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

    Becker: Stimmt, ich habe damals zusammen mit meinem Mannschaftskameraden Michael Stich für Deutschland gespielt - obwohl er in Wimbledon mein Rivale war. Die eigentliche Story aber ist: Zwischen den Ballwechseln haben wir eigentlich gar nicht miteinander gesprochen, denn wir mochten uns nicht wirklich - aber wir haben trotzdem einen Weg gefunden, um zu gewinnen, und darum ging es ja.

    Wie hat dieser Weg ausgesehen?

    Becker: Wir waren ja während des Jahres Rivalen und hatten sehr unterschiedliche Charaktere. Außerdem mochte seine Freundin meine Freundin nicht, daher war das ein unmögliches Szenario. Also haben wir einen Pakt geschlossen: "Hey, wir müssen uns nicht mögen, aber wir sind Profis. Wir treffen uns eine halbe Stunde vor dem Match, wärmen uns etwas auf und geben dann unser Bestes - mit deiner Technik und meinem Stil haben wir eine Chance!" Nachdem wir dann einige Runden gewonnen hatten, stellte sich dieser Groove ein und wir fühlten uns richtig als ein Teil der Olympischen Spiele.

    Nimmt dieses Olympia-Turnier im Rückblick eine ähnlich hohe Stellung ein wie Wimbledon?

    Becker: Das war definitiv ein Highlight, und ich denke, das gilt für unserer beider Karrieren. In diesem Moment, in der Hitze des Gefechts, da sagt man sich: Toll, du hast gerade eine Olympische Medaille gewonnen! An welches Turnier erinnerst du dich 10, 15 oder 20 Jahre später? Da sind nicht viele! Natürlich werde ich mich immer an Wimbledon erinnern - aber die Olympische Goldmedaille ist einer meiner absoluten Höhepunkte.

    Barcelona 1992 waren Ihre ersten und einzigen Olympischen Spiele.

    Becker: Ich war in der Mannschaft 1984, 1988, 1992 und 1996. Das Problem war nur, dass ich oft verletzt war und nur 1992 teilnehmen konnte. Ich wollte aber immer dabei sein, schon wegen des Olympischen Gedankens. Genau darum ging es mir. Gut, ich bin Profi, aber ich wollte mein Land vertreten! Im Einzel bin ich aber schon in Runde drei gegen Fabrice Santoro ausgeschieden.

    Bedauern Sie es, dass Sie nicht an weiteren Olympischen Spielen teilgenommen haben?

    Becker: Nun, ich hatte wirklich Angst, dass ich auch 1992 nicht spielen könnte! Denn ich hatte irgendwie das Pech am Ärmel! 1984 habe ich mir den Knöchel gebrochen und lag im Krankenhaus. 1988 war die Verletzung eine ähnliche, nur am anderen Knöchel, da beginnt man schon zu überlegen, wie viele Möglichkeiten habe ich noch? Denn die Olympischen Spiele finden ja nur alle vier Jahre statt, daher will man wenigstens einmal teilnehmen! Und dann hatte ich das Glück, 1992 dabei zu sein, obwohl ich leicht verletzt war.

    In der Vergangenheit gab es Olympische Champions wie Marc Rosset oder Nicolás Massú. Das waren alles gute Spieler, aber keine wirklichen Topstars auf dem internationalen Parkett. Zuletzt aber hat Rafael Nadal Olympiagold geholt. Denken Sie, dass unter den Profis ein Umdenken stattgefunden und Olympia einen größeren Stellenwert bekommen hat?

    Becker: Ich finde, es war eine tolle Story, dass Nadal 2008 nicht nur zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen hat und die Nummer eins war - sondern, dass er auch all seine Energie in die Olympischen Spiele gesteckt und Gold geholt hat. Und ein noch besseres Beispiel ist Roger Federer, der relativ früh im Einzel ausgeschieden ist. Aber er blieb in Peking bei seinem Mannschaftskollegen und holte Gold im Doppel! Ein Mann, der ich weiß nicht wie viele Millionen Dollar auf der Bank hat, blieb noch eine weitere Woche dort, um im Doppel Gold zu holen. Ich denke das zeigt wunderbar, wie sehr sich die Einstellung hinsichtlich der Olympischen Spiele geändert hat!

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