Es ist momentan das Unwort schlechthin an der Säbener Straße.
Keiner will sie, die böse Euphorie.
In der vergangenen Saison hat sie den FC Bayern alle Titel gekostet. Seitdem wird vor ihr gewarnt.
Und deshalb wurde mit Sportvorstand Matthias Sammer auch so etwas wie der natürliche Feind des Freudentaumels verpflichtet.
Sein Naturell, von jeher auf "Reibung" gepolt, kann in dieser Phase - vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (Dienstag, 20:00 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) - gar nicht anders, als auf die Missstände hinzuweisen.
Vier Siege aus vier Spielen und ein Torverhältnis von "plus 12 Toren" - das gelang dem Rekordmeister zuletzt 1972/73. Damals allerdings mit weniger erzielten Treffern (13:1, jetzt 14:2). Das Polster, das sich die Münchner geschaffen haben, soll jedoch nicht zu komfortabel werden.
"In solchen Phasen ist die Denkweise oft nicht mehr von hoher Sensibilität geprägt, man wird dann schnell freudetrunken und das ist gefährlich", warnt Sammer bei "fcbNews".
"Es kann nicht sein, dass wir gegen Valencia in der Schlussphase noch ein Tor kassieren! Es kann nicht sein, dass wir auf Schalke in der 92. Minute noch eine Chance von Huntelaar zulassen! Da sollte sich die Aufmerksamkeit und Gier, gar nichts mehr zulassen zu wollen, stärker ausprägen", fügt er an. Man müsse alles im Hinblick auf das verlorene Finale in der Champions League betrachten.
Druck auf das Führungstrio
Dabei nimmt der 45-Jährige vor allem das Führungstrio Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer in die Pflicht. "Sie müssen noch mehr den Ton vorgeben, noch mehr Stärke demonstrieren. In der Gruppendynamik können wir uns verbessern. Größere Dominanz, größere Wirkung muss sich darstellen", fordert er und bläut seinen Mannen ein: "Wir müssen unseren Weg konsequent weitergehen."
Mit einem Sieg gegen Wolfsburg soll der nächste Schritt gemacht werden. Der VfL ist im Gegensatz zu den Bayern mäßig in die Saison gestartet und rangiert mit fünf Punkten auf Platz zehn. Die Crew von Trainer Felix Magath hat ihre Form noch nicht gefunden.
Darum wissen die Münchner nicht, was exakt auf sie zukommt. "Es ist unangenehm, gegen sie zu spielen, weil man nicht weiß, wie sie aufgelegt sind. Wir müssen gewappnet sein", sagt Aushilfs-Linksverteidiger Holger Badstuber, der sich nach eigener Aussage langsam mit der ungeliebten Position anfreundet.
Er ist übrigens nicht der Meinung, dass man die Euphorie bremsen müsste, weil sie kaum vorhanden ist. "Wir haben aus dem letzten Jahr gelernt und gesehen wie es gehen kann. Deshalb ist die Euphorie grundsätzlich nicht so groß. Wir genießen die Momente und schauen von Spiel zu Spiel", erläuterte er das Prinzip.
Auch Rummenigge warnt
Das dürfte ganz im Sinne von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sein, der im Editorial des Stadionheftes zum Spiel gegen die "Wölfe" ebenfalls warnende Worte anschlug.
"Unser Start verlief sehr erfreulich. Ich darf trotzdem daran erinnern, dass wir letztes Jahr ebenfalls einen sehr vielversprechenden Auftakt hatten. Und der Dortmunder Vorstandsvorsitzende ließ sich zum Spruch hinreißen, dass der Meistertitel für Bayern München so sicher sei wie das Amen in der Kirche. Das Ende ist bekannt", mahnte er und schloss mit einem Aufruf an die Fans:
"Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Herbst - und bitte keine Euphorie."
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