"Ich weiß, dass der Zeitpunkt kommt, wo ich wieder nach innen rücke. Ich fühle mich innen am wohlsten. Langfristig will ich dort wieder agieren. Da kann ich mich besser einbringen und mehr fürs Spiel leisten.“
Keine Frage, Badstuber ist ein exzellenter Innenverteidiger. Einer, der immer noch milde belächelt und viel zu gerne unterschätzt wird. Ein Innenverteidiger moderner Prägung, ganz im Gegensatz zu Per Mertesacker beispielsweise. Denn der Verteidiger Badstuber verteidigt nicht nur auf verlässlich hohem Niveau, kann nicht nur gegnerische Angriffe zerstören, sondern die eigenen auch aufbauen.
Dabei begnügt er sich längst nicht immer nur mit dem Sicherheitspass zu den Ballverteilern auf der Doppelsechs, sondern bedient nicht selten mit präzisen Diagonal-Bällen über das halbe Feld die offensiven Flügel, oder spielt scharfe Bälle punktgenau in die Spitze, überfallartig, wenige Zentimeter über der Grasnarbe, über 30 Meter und unerreichbar für die gegnerischen Mittelfeldspieler.
Aus den Fehlern gelernt
Im Zentrum, da fühlt er sich am wohlsten, denn "dort kann ich mich besser einbringen, kann das Spiel führen und von hinten eröffnen." Sein Problem: er kann das auch von außen, über die linke Seite. Dort wo es nach den Ausfällen von Diego Contento und David Alaba an Alternativen mangelt, nachdem Philipp Lahm die Seiten gewechselt hat und Rafinha partout seine verlorene Bundesligatauglichkeit nicht wiederfinden mag.
Badstuber ist mit seiner Flexibilität somit Bayerns unersetzlicher "Außenseiter". Das war nicht immer so. Unvergessen das packende Viertelfinal-Rückspiel 2010 gegen Manchester United in der Champions League, als ihn Valencia und Nani auf der linken Abwehrseite vollkommen überforderten.
Oder der unglückliche Auftritt wenig später in Südafrika beim 0:1 gegen Serbien. Beide Male ging es letztlich gut aus. Und Badstuber arbeitete seine Defizite als linkes Kettenglied auf: "Ich bin auf dieser Position viel reifer geworden. Ich weiß, worauf es ankommt und kann mehr mit Auge spielen", meint er nun zwei Jahre später. "Die Mannschaft muss das Gefühl haben, dass hinten links nichts anbrennt." Das hat sie.
Eine Option für Jogi Löw
Dabei verfügt der 1,90-Meter-Schlaks nicht gerade über das quirlige Gardemaß für diese Position, doch er kompensiert die mangelnde Dynamik mit Übersicht, Spielintelligenz, Laufbereitschaft und verbissener Zweikampfstärke. Es sind aber vor allem seine offensiven Qualitäten, die ihn gegen naturgemäß defensiv ausgerichtete Gegner zusammen mit Franck Ribéry auf der linken Außenbahn so wertvoll machen.
Jupp Heynckes legt großen Wert auf diesen Mut zum Steilgehen, Hinterlaufen und Flanken. Denn nur so bekommt die offensive Flügelzange im 4-2-3-1 den entscheidenden Biss. Lahm und Badstuber werden dabei im Idealfall von einem der Sechser abgesichert. Speziell Javier Martinez und Luis Gustavo gelang das zuletzt recht gut, während Bastian Schweinsteiger als zentraler Weichensteller hinter der Zehn die Mitte hielt.
Auch dem Bundestrainer dürfte Badstubers neue polyvalente Qualität nicht entgangen sein, nachdem Dortmunds Marcel Schmelzer auf international höchstem Niveau regelmäßig folgenschwer an seine Grenzen stößt.
Wie bei den Bayern mit Dante und Jerome Boateng, so ist auch im DFB-Team das Abwehrzentrum mit Mats Hummels und Boateng ausreichend gut besetzt, um das Experiment erneut zu wagen. Löw könnte nach dem gescheiterten Versuch bei der WM 2010 also noch mal über einen Versuch mit dem "linken" Badstuber nachdenken.
TV-Tipp:
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