James Bond benötigt Dr. No, Rocky Appolo Creed, Superman seinen Lex Luther, und was wäre Batman ohne den Joker, oder eben Stone Cold Steve Austin ohne The Rock? Erst der richtige Gegenspieler macht aus einem Helden den Superhelden.
Genau dieses Zusammenspiel hat die WWE in den vergangenen Monaten zwischen CM Punk und Daniel Bryan aufgebaut. Vor allem Daniel Bryan verzeichnete nach seinem Titelverlust bei WrestleMania XVIII einen steilen Karriereschub beim Branchenprimus. Sein frenetisches "YES!, YES! YES!" vor Betreten des Rings hat inzwischen eine unbeschreibliche Eigendynamik entwickelt.
Bereits vor der Veranstaltung versammeln sich Fans auf den Parkplätzen und skandieren lauthals seinen Ausruf. Selbst das Aushängeschild der Liga John Cena wurde während seiner Interviews mit einem einfachen "YES!" aus dem Konzept gebracht.
Diese Entwicklung beweist wiederum eindrucksvoll, dass Kleinigkeiten über den Sprung in die Belle Etage des Sports- Entertainment ausmachen können. Bereits bei seiner Auskunft im Frühjahr 2010 als Mitglied der Gruppierung "Nexus" bestanden keinerlei Zweifel am Riesenpotenzial des ehemaligen "American Dragon". Jedoch entspricht Daniel Bryan nicht dem typischen WWE Superstar mit überdimensionierter, körperlicher Statur.
Darüber hinaus stand seine WWE-Karriere bereits vor dem Aus, bevor sie richtig durchstarten konnte. Im Rahmen einer Attacke der Nexus-Mitglieder während einer Live-RAW-Show würgte Daniel Bryan den Ringsprecher Justin Roberts mit dessen Krawatte. "Es war ein großer Moment im WWE Programm. Danach hat das Unternehmen mich gefeuert. Es wurde damals bereits im Internet berichtet, dass mein Verhalten nicht in die kinderfreundliche Ausrichtung des Unternehmens passte", offenbarte Daniel Bryan.
Es war bereits das zweite Mal, dass Bryan die WWE verlassen musste. 2002 trat er sporadisch in der Show "Velocity" auf. Dabei absolvierte er eines der berühmtesten Matches in der Geschichte dieser Show gegen einen jungen John Cena.
2010 wurde Bryan jedoch schnell nach seiner Entlassung wieder eingestellt. "Die WWE entschuldigte sich bei mir und meinte, dass sie sich mit den Wünschen der Sponsoren befassen mussten. Aber nachdem ich weg war, waren die Fans – das WWE Universum - klasse. In den Hallen wurde mein Name gerufen. Bei einem Main Event zwischen John Cena und Randy Orton riefen die Fans nach mir", erzählte Bryan kurz nach seiner Wiedereinstellung.
Nach seiner Rückkehr im Sommer 2010 schien dem einstigen "Best in the World" in der WWE der ganz große Durchbruch versagt. Selbst der Gewinn des Welt-Schwergewichts-Titels änderte diesen Status nicht, erst die rekordverdächtige Niederlage bei WrestleMania gegen Sheamus verlieh Bryan den notwendigen Anschub.
Trotz einiger Hindernisse führte Daniel Bryans Weg geradlinig an die Spitze der WWE. Sein Gegenüber bei "Over The Limit"- CM Punk - kann dies sicherlich nicht für sich behaupten, selbst wenn er sich persönlich als "geradlinigen Superstar" bezeichnet. Sein Debüt 2006 verdankt er einem seiner großer Fürsprecher Paul Heyman. Nach dessen Abdankung Ende desselben Jahres stand jedoch Punk alleine auf weiter Flur.
CM Punk widersprach dem typischen Erscheinungsbild eines WWE Superstars. Weder eine beeindruckende körperliche Statur noch das notwendige Charisma wurden ihm attestiert. So wurde es ihm gar untersagt zu seinen Interviews in Straßenkleidung zu erscheinen. "Tatsächlich darf ich keine Interviews in meinen Straßenklamotten im Fernsehen halten. Vince McMahon (der Vorstandvorsitzende der WWE, d. Red.) sagt, ich sehe nicht aus wie CM Punk, wenn ich meine Ringkleidung nicht trage", verriet Punk im Jahr 2008.
Drei Mal gewann er den Welt-Schwergewichts-Titel und zwei Mal die WWE Championship in seiner Karriere. Dennoch stand CM Punk vor Ablauf seines Vertrags im vergangenen Sommer vor dem unspektakulärem Ende seiner WWE-Karriere. Erst zu dieser Zeit besann sich der Straight Edge Superstar auf seine Stärken und einer Geschichte, die ihn bereits Jahre zuvor in einer ähnlichen Situation im Sommer 2005 in der kleineren Promotion Ring of Honor zur Kultfigur der dortigen Fans aufsteigen ließ.
Der Aufstieg zur modernen WWE Pop-Ikone nahm seinen Lauf. Punks ehemaliger Mentor Paul Heyman fasste es folgendermaßen zusammen. "CM Punk ist die Stimme der Stummen, er ist die Stimme der heutigen Generation. CM Punk ist cool, dennoch ist er ein Mann mit Prinzipien. Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche identifizieren sich mit ihm."
In seinem letzten Match als WWE-Angestellter besiegte Punk den WWE Champion John Cena und verließ samt Titelgürtel die Liga. Seine Fans verfolgten via Social Media die ungewöhnliche Präsentation des Champion-Gürtels im Stadion der Chicago Cups oder als Souvenir vor seinem Kühlschrank. Längst ist CM Punk zum Statussymbol einer neuen Generation Wrestling-Fans aufgestiegen.
Im Hintergrund hat Vince McMahon unlängst das Vermarktungspotenzial von CM Punk erkannt und dessen Arbeitspapiere für mehrere Jahre verlängert. Demgegenüber steht nun Daniel Bryan an der Spitze der WWE. Beide Männer standen sich bereits in der Vergangenheit gegenüber und konnten eine gemeinsame Chemie im Ring entwickeln. Ähnlich wie es Austin und The Rock vor ihrem großen Durchbruch im Jahr 1998 machen konnten.
John Cena mag derzeit das Aushängeschild der WWE sein, aber Punk und Bryan stehen gemeinsam vor der einmaligen Gelegenheit das Unternehmen langfristig ins Blickfeld des medialen Interesses zu befördern. Vielleicht verbinden den Außenseiter der Gesellschaft und den Langweiler aus den kleinen Wrestlingligen die ideale Formel, um das Massenpublikum zu begeistern.
