Nach 24,1 Kilometern mit dem berüchtigten Anstieg zum Cauberg sicherte sich die 36-Jährige ihre insgesamt siebte WM-Medaille. Nach dem Straßenrennen am Samstag will Arndt ihre internationale Karriere beenden.
Ina-Yoko Teutenberg als Sechste und Trixi Worrack auf Platz acht sorgten für ein hervorragendes Ergebnis für den Bund Deutscher Radfahrer. Am Mittwoch (ab 15:00 im Liveticker) will auch Tony Martin bei den Herren seinen Zeitfahrerfolg aus dem Vorjahr wiederholen.
Arndt kämpfte im Ziel gegen die Freudentränen und war schlichtweg sprachlos. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", stammelte die Leipzigerin nach ihrem famosen Zeitfahrsieg. Das dritte WM-Gold auf der Straße und zugleich die Titelverteidigung versüßten ihr den nahenden Abschied, die beeindruckenden 33 Sekunden Vorsprung schien sie zunächst kaum zu glauben.
"Ich wusste im Ziel nicht, ob ich gewonnen habe", erzählte die 36-Jährige nach ihrem vorletzten Karriererennen: "Ich bin so stolz".
"Bald ein anderer Mensch"
Um 16:12 Uhr war Judith Arndt in Eijsden zum Zeitfahr-Abschied von der Rampe gerollt. 32:26 Minuten später war sie im Ziel und wurde von ihrer glückstrahlenden australischen Freundin Anna Wilson umarmt. Hinterher wurde Arndt gefragt, was sie zu ihrer Partnerin im Moment des Erfolgs gesagt habe. "Mit einem Puls von 180 kann man nicht viel reden", meinte Arndt. "Aber ich bin ihr sehr dankbar."
"Ich einer Woche bin ich ein anderer Mensch. Ich will kein Drama machen - es wird kein Abschiedsrennen geben", sagte die Olympiazweite im Zeitfahren, die im kommenden Jahr in Melbourne mit einem Soziologie- und Kulturwissenschafts-Studium beginnen will: "Mir geht langsam die Puste aus", flachste sie.
"Ich hatte keine Lust mehr auf diesen Druck. Ich wollte mich nicht mehr jeden Tag quälen", nannte die Straßen-Weltmeisterin von 2004 die Gründe für ihren Rückzug.
Ohne Kristin Armstrong (USA), die nach ihrem Olympiasieg in London zurückgetreten war, war der Weg für Arndt auf dem schweren WM-Kurs frei. Die Leipzigerin, die im deutschen Frauen-Radsport nach ihrem Rückzug eine große Lücke hinterlassen wird, war in allen Zwischenzeiten vorne. Sie ließ sich auch nicht vom unangenehmen 1,2 Kilometer langen Schlussanstieg auf den Cauberg schocken, der ihr "eigentlich nicht so liegt", wie sie sagte.
Dass es für Gold reichen würde, wusste sie zu dem Zeitpunkt aber nicht, weil sie ohne Funk fuhr. "Ein Zuschauer rief mir zu, dass ich mit einer halben Minute führe", berichtete sie.
Ob das stimmte, wusste sie freilich nicht. "Es war ein sehr schnelles Rennen. Wir hatten Rückenwind und ich war ruckzuck in Valkenburg", erzählte Arndt. Am Samstag will sie im Straßenrennen mit ihren Teamkolleginnen noch einmal angreifen. "Aber wir sind nicht die Topfavoriten. Eigentlich ist Marianne Vos unschlagbar", sagte Arndt. Die Niederländerin hatte in London Olympia-Gold gewonnen.
Kupfernagel startet nicht
Neben ihren vielen sportlichen Erfolgen bleibt beim Namen Arndt vor allem ihr umstrittener Auftritt bei den Olympischen Spielen 2004 haften. Als sie in Athen im Straßenrennen als Olympiazweite über den Zielstrich gerollt war, hatte sie den deutschen Funktionären aus Verärgerung den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Die Verbands-Offiziellen hatten damals deren frühere Lebenspartnerin Petra Roßner nicht nominiert und damit nach Arndts Ansicht eine sichere Medaille verschenkt.
Hanka Kupfernagels angekündigte Initiative, nach ihrer guten Vorstellung im Teamzeitfahren noch ins dreiköpfige Aufgebot des Bundes Deutscher Radfahrer für das Einzelzeitfahren rutschen zu wollen, lief ins Leere. Ina-Yoko Teutenberg, die zugunsten Kupfernagels auf ihr Startrecht hätte verzichten müssen, belegte Rang sechs. Zum WM-Auftakt hatte die Düsseldorferin mit ihrem Team Lululemon Gold geholt. Trixi Worrack (Cottbus) wurde Achte.
Die deutschen Juniorinnen sind im Zeitfahren bei der Medaillenvergabe leer ausgegangen. Corinna Lechner aus Puch fuhr über 15,6 Kilometer auf Rang acht. Anna Knauer (Hildesheim) wurde 24. Den Titel holte sich die Britin Elinor Barker in 22:26 Minuten vor Cecile Uttrup Ludwig (Dänemark) und der Niederländerin Demi de Jong.
Video: Das Finale des EZF
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