Der Spanier und der Deutsche - beide sind zweimalige Formel-1-Weltmeister - vereinigten bei einer Abstimmung unter zehn Experten genau gleich viele Stimmen auf sich und rangieren in der Umfrage-Tabelle vor Lewis Hamilton (McLaren), Nico Rosberg (Mercedes) und Romain Grosjean (Lotus).
Am Ende der Top 10 fanden sich große Namen wie Mark Webber (Red Bull), Kimi Räikkönen (Lotus) und Michael Schumacher (Mercedes).
Jung, clever, erfolgreich
Und wie genau kam diese Reihenfolge zustande? Die Befragten wissen ihre Entscheidung natürlich zu begründen. Zum Beispiel Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, für den Vettel derzeit der beste Fahrer ist, und zwar "aufgrund seiner beiden Titel, seiner Jugend, seiner Cleverness, seiner Übersicht, seiner Zielstrebigkeit und seiner Professionalität", meint Tost. Dahinter folgen bei ihm Alonso und Hamilton.
"Alonso ist im Gesamtpaket sicher einer der besten Fahrer, aber Vettel ist für mich eine Nuance vor ihm, weil er in jüngeren Jahren schon auf dem gleichen Niveau ist wie der erfahrene Alonso", sagt Tost und merkt an: "Hamilton dagegen hat nicht dieselbe Disziplin wie Vettel und Alonso. Von den fahrerischen Fähigkeiten ist er aber auf derselben Stufe." Eddie Jordan stimmt in allen Punkten zu.
"Alonso jammert nie"
"Wenn ich immer noch Teamchef wäre, würde ich Vettel einstellen", erklärt der TV-Experte, hält aber auch auf Alonso und Hamilton große Stücke. "Alle drei sind für mich echte Champions und können den Job mit dem gleichen Ergebnis erledigen", sagt Jordan. Sein TV-Kollege Christian Danner, selbst ehemaliger Formel-1-Pilot, widerspricht seinen Vorrednern jedoch und setzt Alonso an die Spitze.
"Weil Fernando aus einem technisch katastrophalen Saisonbeginn zwei Siege und viele Punkte mit nach Hause genommen und nie die Geduld verloren hat", sagt Danner zur Begründung. "Er ist immer am Ball ist und immer superschnell. Der jammert nie rum, kneift die Arschbacken zusammen und erledigt seinen Job." Aus diesem Grund nur Platz zwei für Vettel - und ein überraschender Dritter.
Nämlich Grosjean. "Er ist de facto ein Neuling", meint Danner. "Und wenn ein Neuling sich mit so einer Abgebrühtheit gegen einen Kimi Räikkönen durchsetzt, ist das schon eine Offenbarung." Für die Spitze im Fahrer-Ranking reicht es aber (noch) nicht. Auch nicht bei 'Motorsport-Total.com'-Experte und 'Sky'-Co-Kommentator Marc Surer, bei dem ebenfalls Alonso auf der Pole-Position steht.
"Er schafft es immer, das Maximum aus dem Auto rauszuholen", sagt Surer. "Vettel auf Platz zwei ist extrem gereift, hat aber immer noch Einbrüche, die größer sind, als es nötig wäre. Grundsätzlich ist er nahe dran, Nummer eins zu werden. Meine Nummer drei, Lewis Hamilton, ist der schnellste Mann der Formel 1, der sich nach der Krise im letzten Jahr wieder gefestigt hat und erstaunlich überlegt fährt."
Rosberg wird unterschätzt
Und dahinter folgt einer, der laut Surer grundsätzlich unterschätzt wird: Rosberg. "Er ist konstant schnell und steht in der Öffentlichkeit völlig unbegründet immer noch im Schatten von Michael Schumacher. Bei den Teams wird er viel höher eingeschätzt als in der Öffentlichkeit. Nach seinem Sieg ist er endgültig vorne angekommen. Er weiß, wenn das Auto passt, kann auch er siegen."
Der ehemalige Formel-1-Pilot Jacques Laffite pflichtet seinem früheren Fahrerkollegen in diesem Punkt bei und setzt Rosberg hinter Vettel auf Platz zwei seiner Reihenfolge. Rosberg sei "intelligent, schnell und schneller als sein starker Teamkollege", meint der Franzose. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone schließt sich zumindest beim ersten Platz an: Für ihn ist Vettel derzeit die Nummer eins.
"Vettel ist der Beste", meint Ecclestone und erläutert seine Sicht der Dinge: "Er hat den absoluten Siegeswillen und einfach mehr Talent als alle anderen. Alonso hat zusammen mit Ferrari das Auto wieder siegfähig gemacht. Auch das ist die Aufgabe eines Weltklasse-Pilote", sagt der Brite und fügt hinzu: "Hamilton und Räikkönen haben den absoluten Speed, aber auch Nico Hülkenberg."
"Michael hat nichts verlernt"
Und was ist mit "Schumi", der in seiner "ersten Karriere" und vor allem während seiner Ferrari-Zeit regelmäßig als Bester seiner Zunft bezeichnet wurde? Der frühere Formel-1-Pilot Alex Wurz bricht eine Lanze für seinen ehemaligen Kontrahenten und sagt: "Michael hat's nicht verlernt und weiß genau, wie man diese Autos bewegt. Der haut sie teilweise quer in die Kurven, was sensationell ist."
"Da sieht man, warum er früher so dominant war", meint Wurz. Mit aktuell tonangebenden Fahrern wie Alonso, Vettel und Hamilton kann Schumacher - zumindest laut dem Ranking von 'Sport Bild' und 'Auto Bild motorsport' - aber nicht mehr mithalten. Und die nächsten potenziellen "besten Piloten" stehen schon in den Startlöchern: Neben Grosjean und Hülkenberg werden auch andere genannt.
Zum Beispiel Sergio Perez (Sauber), der in diesem Jahr bereits mit zwei Podestplätzen begeisterte und schon seit geraumer Zeit in ein Ferrari-Cockpit geschrieben wird. Laut Formel-1-Experte Jordan sollte man Perez und Grosjean im Auge behalten. "In ihnen sehe ich die beiden Nachwuchsfahrer, die das größte Entwicklungspotenzial haben." Auf die nächste Bestenliste darf man also gespannt sein.
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