WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Champions League - Alles in allem ein großer Mist

    Luuk de Jong war die Zuverlässigkeit in Person – vor allem, als es darum ging, die Niederlage gegen Dynamo Kiew auf den Punkt zu bringen. Der Neuzugang aus Enschede benötigte dafür in erster Linie ein Wort, mit dem er dann auch sehr konsequent jeden seiner vielen Sätze versah: "Shit."

    So sei es "really shit" gewesen, wie wenig Chancen die Borussia gegen das Team aus der Ukraine herausgespielt habe. "The most shit" war für den 21-jährigen Niederländer, wie er und die Kollegen ihre Gäste mit drei Toren "beschenkt" hatten. Und dass er, der Stürmer, gegen Kiew nur ins eigene Tor traf? "Of course", bekannte de Jong da, "that’s shit."

    Einige Schräubchen locker

    Alles in allem also ein großer Mist – der Abend, der die Niederrheinischen gut 34 Jahre nach dem letzten Auftritt im europäischen Landesmeister-Wettbewerb ein Stück in dessen Nachfolgeveranstaltung Champions League bringen sollte. Von diesem Plan hat sich das Überraschungsteam der Vorsaison nun im Schnelldurchlauf verabschiedet – nachdem Kiew die Elf von Lucien Favre in kühler Präzision fußballerisch seziert hatte.

    Selbst die prächtige Stimmung im Borussia-Park und die eigene gute Startphase, gekrönt mit den feinen Führungstreffer durch Alexander Ring nach 13 Minuten, brachte die Hausherren nicht in die Erfolgsspur. Im Gegenteil: Erst ein von Kapitän Filip Daems abgefälschter Fernschuss, dann ein dilettantischer Ballverlust von Granit Xhaka und de Jong, zwei von Borussias Neuzugängen – und schon stand’s zur Pause 1:2.

    De Jongs Eigentor neun Minuten vor Schluss bestätigte allein die Erkenntnis, dass bei den Überfliegern der letzten Saison noch einige Schräubchen locker sind. Die Achse mit Dante, Neustädter und Reus hat die Ligakonkurrenz ihnen weggekauft. Gladbach wehrte sich mit einer Großinvestition von über 30 Millionen Euro – doch nun steht Trainer Favre mit einem großen Schraubenschlüssel da und muss mit kostspieligen Profis wie de Jong, Xhaka oder Álvaro Domínguez ein neues Borussia Mönchengladbach zusammenbasteln.

    Favre: "Ich hasse das"

    Keine einfache Aufgabe – zumal der Monsieur aus der Schweiz beim Kiew-Spiel regelrecht erschrocken einen Kardinalfehler bei der Personalplanung ausgemacht hat. "Unsere Stürmer sind ein wenig ähnlich", erkannte Favre bei der Begutachtung seines Angriffsduos Igor de Camargo und Luuk de Jong gerade, und den nach 69 Minuten eingewechselten Mike Hanke schloss er in diese These in einem leisen Nebensatz gleich mit ein. Wobei Favre sein frisch erprobtes 4-4-2-System beim Ligastart am Samstag gegen Hoffenheim nicht ohne weiteres opfern wird, sondern vielmehr betont: "Unser Angriff ist nicht die einzige Frage."

    Speziell die miserable Kooperation zwischen Xhaka und de Jong vor dem zweiten Gegentor ging dem 54-jährigen Übungsleiter furchtbar auf die Nerven. "Das 1:2 war total unnötig. Da hat uns die Geduld gefehlt, ein 1:1 zur Halbzeit wäre ganz anders gewesen", lautete die scharfe Kritik des Schweizers, der angesichts der aktuellen Schieflage in seiner Mannschaft fürs Erste keinen Gedanken an das fast aussichtslose Rückspiel in Kiew am kommenden Mittwoch verschwenden wollte. "Unser nächstes Spiel gegen Hoffenheim ist wichtig", blickte er stattdessen sorgenvoll auf die bevorstehenden Tage.

    Drei Gegentreffer in einem Spiel hatte es unter seiner Leitung in eineinhalb Jahren schließlich noch nie gegeben. "Das ist selten bei mir, und ich hasse das", gestand Favre und betonte: "Vor allem die Art und Weise, wie die Tore gefallen sind – da gibt es viel zu tun."

    Entsprechend gering ist nach dem "schrecklichen Abend" (de Jong) im Playoff-Hinspiel die Hoffnung auf das Erreichen der Gruppenphase in der Champions League. "Ich bin Optimist, aber jetzt wird es sehr schwer", akzeptiert Angreifer Hanke die momentanen Grenzen der Gladbacher. Wie auch Innenverteidiger Martin Stranzl, der meinte: "Wenn wir es nicht schaffen, dann haben wir ja noch den, ich sag‘ mal, anderen Europapokal. Und den braucht die Mannschaft." Den anderen Europapokal – auch Europa League genannt.

    VIDEO - BVB und Bayern auf Titeljagd

    TV-Tipp:

    Die FIFA U20 Frauen-Weltmeisterschaft in Japan - unter anderem mit Deutschland, Brasilien, Italien: Vom 19. August bis zum 8. September zeigen Eurosport und Eurosport 2 alle Partien live!

    Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen

    Meistgelesene Artikel

    Aktuelle Nachrichten

    Champions League