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    Affäre Armstrong: Riesige Enthüllungen?

    Doping-Jäger Travis Tygart hat angekündigt, dass die von seiner USADA gesammelten Informationen in der Doping-Affäre um Lance Armstrong wohl bis Jahresende publik werden dürften. Was die Öffentlichkeit dann erfahre, sei mindestens 30 Mal mehr, als bisher aus Büchern und Ermittlungen bekannt ist.

    In einem zweiseitigen Interview mit der französischen Sportzeitung L'Equipe und deren Doping-Spezialist Damien Ressiot liefert der Chef der USADA aus dem Sitz der Agentur in Colorado Springs viele Einblicke in das Verfahren gegen den Texaner.

    Armstrongs sei "ein trauriges Schicksal", so der US-Amerikaner, aber er werde eben wie "jeder andere Bürger" behandelt. Auch wenn es ihm kein Vergnügen bereite, "Träume und Legenden zu zerstören", so stehe doch die Aufgabe der Agentur über allem, nämlich "die sauberen Sportler zu vertreten", so Tygart.

    Das habe auch unangenehme Folgen, gesteht der 41-Jährige: Schon in er BALCO-Affäre habe es Morddrohungen gegeben, dies habe sich nun wiederholt. Entsprechend gesichert ist sein Büro und weitere zentrale Räumlichkeiten des Komplexes.

    Armstrong unter Eid?

    Der Skandal um Armstrong und weitere Mitglieder seiner Rennställe dürfte sich noch zuspitzen, wenn es im weiteren Jahresverlauf zum nächsten Schritt des Verfahrens kommt. Denn während Armstrong selbst die Strafe der USADA akeptiert hat, legte sein Mentor Johan Bruyneel Widerspruch ein.

    "Ich weiß nicht, was Bruyneel sich davon erhofft, er hat alles zu verlieren", sagte der USADA-Chef. "Armstrong könnte als Zeuge in diesem Fall gehört werden." Tygart betonte, dass der Texaner dann unter Eid aussagen müsste, wie andere Zeugen auch. "Im Fall eines Meineids wird es ernst für ihn", fügte er an.

    Zudem unterstrich er noch einmal, dass die Affäre weit über den Fall Armstrong hinausgehe - daher auch die Anklagen gegen Betreuer und Ärzte. Dabei ist sich Tygart bewusst, dass etwa die von der USADA ausgesprochene lebenslange Sperre gegen den Mediziner Michele Ferrari "Werbung" für den Italiener sei. Doch sei Profis verboten, mit solchen gesperrten Personen zu arbeiten, warnte der dreifache Familienvater.

    Strafen auch für Kronzeugen

    Auf eine Kooperation mit Drogenfahnder Jeff Novitzky - mit dem Trygart inzwischen eine Freundschaft verbindet - konnte die USADA im Fall Armstrong aus rechtlichen Gründen nicht bauen. "Wir mussten bei Null anfangen", sagte Trygart. Novitzkys zwei Jahre andauernden Ermittlungen hatten nicht zu einem Verfahren gegen Armstrong geführt und waren im Februar eingestellt worden. Ein Vorgang, den Trygart als mysteriös bezeichnete.

    Der USADA blieb also nichts anderes übrig, als die von Novitzky gesammelten Beweise erneut zusammenzutragen. "Die Zeugen haben alles wiederholt, was sie den Ermittlern gesagt hatten. Viele haben gestanden, was sie allerdings nicht von einer moderaten Strafe schützen wird", sagte Trygart, der eine große, perfekt organisierte Verschwörung beim ehemaligen US Postal-Rennstall und dessen Nachfolgern sieht.

    Dies rechtfertigte auch das Urteil der USADA, das sich über die achtjährige Verjährungsfrist für Dopingvergehen hinwegsetzt: "Die Frist ist ein Recht für die Verteidigung. Wenn wir aber beweisen können, dass ein Athlet, der betrogen hat, Zeugen beeinflussen kann, Beweise vertuscht oder unter Eid gelogen hat, dann gilt dieses Recht nicht", so Tygart. Er betonte, dass die USADA bereits in anderen Fällen Sanktionen für über zehn Jahre zurückliegende Taten ausgesprochen habe.

    Armstrong selbst, so schließt Tygart, habe er noch nie getroffen. Es habe zwei sehr förmliche Telefongespräche gegeben. dabei habe er Armstrong das Angebot gemacht, im Falle einer Zusammenarbeit einige Tour-Titel behalten zu können. Doch statt dessen habe Armstrong schon am folgenden Tag vor Gericht gegen das Verfahren geklagt - und verloren.

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