Als Ibrahim Afellay acht Jahre alt war, da spielte er in den Niederlanden beim USV Elinkwijk. Sein Trainer stellte ihn erstmal ins Tor, dann wurde aber mal ein Mitspieler krank und schon spielte Afellay in der Verteidigung.
Der nächste und übernächste Mitspieler fiel aus, schnell hatte Afellay auf jeder Position gespielt und jedes Mal waren seine Trainer von ihm begeistert. Auch sein heutiger, der Schalker Coach Huub Stevens, ist es: "Ibrahim hat besondere Qualitäten und kann auf mehreren Positionen spielen." Doch trotz seiner multivariablen Einsatzmöglichkeiten scheint für Afellay auch bei den "Königsblauen" kein rechter Platz zu sein.
"Bester Spieler der niederländischen Liga"
Und die Zeit arbeitet gegen den mittlerweile 26-Jährigen, denn als Talent geht er schon nicht mehr durch und droht ein ewiges oder gar gescheitertes zu werden. Vielleicht ist Schalke Afellays letzte Chance, um zu beweisen, dass er wirklich zu den Größten der Branche zählt. Bisher blieb er den Beweis schuldig.
Dabei hatte sich vor zwei Jahren noch halb Europa um den Niederländer mit marokkanischen Wurzeln gerissen. Spanische und englische Klubs waren hinter ihm her, aber auch die Bayern, der HSV oder Dortmund hätten Afellay gerne verpflichtet. Der hatte mehr als 14 Jahre dem PSV Eindhoven angehört und war vier Mal dort Meister geworden. Sein damaliger Trainer Fred Rutten hält ihn für den "besten Spieler der niederländischen Liga". Er sei ein technisch guter Spieler, sagte Rutten, der sehr kreativ und dribbelstark ist und als Spielertyp gut in der Bundesliga zurechtkommen werde.
Vom Kreuzbandriss zurückgeworfen
Zumindest bisher lag Rutten mit dieser Einschätzung falsch. Denn Afellay brachte es nur auf 261 Minuten Spielzeit in der Liga und einen Kurzeinsatz in der Champions League. Kein Tor, keine Vorlage. Und gezaubert, wie man es als Leihgabe des FC Barcelona bei Schalke von ihm erwartet hätte, tut Afellay auch nicht. Die Spanier hatten sich den offensiven Mittelfeldmann 2010 für ein Schnäppchen vor der Konkurrenz gesichert, doch nicht viel Freude an Afellay gehabt.
Im September 2011 zog er sich einen Kreuzbandriss zu, fiel sechs Monate aus. Auf nur 33 Einsätze brachte er es bei Barca, bei der harten Konkurrenz war er schnell außen vor. Der neue Trainer plante nicht mit ihm. Dennoch beläuft sich Afellays festgeschriebene Ablösesumme weiterhin auf sagenhafte 100 Millionen Euro. Schon aus diesem Grund entschied sich Schalke für die einjährige Ausleihe und teilt sich die Gehaltszahlung mit Barcelona, aber auch, um zu sehen, ob Afellay sein Geld tatsächlich wert ist.
Stevens setzt auf Afellay
"Als er sich verletzte, schnappte sich Pedro seinen Platz im Team", erklärt Cristian Maxedo von Eurosport Spanien. "Er war eigentlich ein sehr heißer Transfer von Barca, ganz Europa war ja hinter ihm her. In den spanischen Presse wurde sein Engagement in Barcelona dann auch als gescheitert bezeichnet. Aber ich finde, dass er in kleineren Team wie Malaga oder Valencia, die ihn ja auch haben wollten, durchaus noch mal durchgestartet wäre. Vielleicht gelingt ihm das ja nun auf Schalke...".
Stevens vertraut weiter auf seinen Landsmann, und das, seit er in der Saison 2008/2009 in Eindhoven mit ihm arbeitete. Und noch verteidigt er Afellays Anlaufschwierigkeiten: "Ein neuer Spieler braucht Zeit, um sich zu integrieren. Beim einen geht's schneller, beim anderen langsamer."
Als Afellay Anfang September nach Gelsenkirchen kam, da feierten die Medien die Schalker für den cleveren Transfercoup. Nur einen Monat später ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen, der große Coup wirkt wie ein Flop. Doch Afellay hatte bei seiner Vorstellung erklärt, er wolle kämpfen. Er hat am Mittwochabend vielleicht die Chance dazu, auf der großen Bühne der Champions League gegen Montpellier, wenn auch wohl wieder nur als Einwechselspieler (ab 20:45 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de). Es wäre an der Zeit, dass der Knoten endlich platzt.
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