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    Adrion: "Wir sind die Weltspitze"

    Im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de spricht U-21-Nationaltrainer Rainer Adrion über den Stand der deutschen Nachwuchsarbeit, das ausländische Interesse am "deutschen System" und die Bedeutung der U21 für einen Spieler. Zudem benennt er die Säulen seiner Mannschaft.

    Herr Adrion, hat Deutschland momentan die besten Talente der Welt?

    Rainer Adrion: Die Qualität des deutschen Nachwuchses ist sehr gut. Und in der Weltspitze sind wir tatsächlich federführend, was die Ausbildung der Trainer und Nachwuchsleistungszentren angeht. Da ist in den letzten Jahren einiges entstanden. Was wir aus dem Nachwuchs in die A-Nationalmannschaft gebracht haben, ist vorbildlich.

    Orientieren sich andere Nationen wie Frankreich oder England mittlerweile an uns?

    Adrion: Es waren schon einige Nationen bei uns und haben sich nach unserem System erkundigt. Gleichzeitig schauen wir aber auch über die Grenzen hinaus, vor allem nach Spanien, die eine ganz besonders konsequente Nachwuchsförderung betreiben. Aber mit dem, was wir in den letzten Jahren geschaffen haben, sind wir in der Welt schon ganz weit vorne. Wenn man die Nationalmannschaft sieht, wie sie in Südafrika und jetzt phasenweise bei der EURO aufgetreten ist, ist auffällig, dass die jungen Spieler noch sehr viel Entwicklungspotenzial haben. Da haben wir schon sehr viel richtig gemacht.

    Trotzdem hat die U 21 letztes Jahr die Qualifikation für Olympia verpasst. Wie passt das zusammen?

    Adrion: Wir haben die Gründe aufgearbeitet. Einer der Gründe war, dass fünf Stammspieler dieses Jahrgangs schon in der A-Nationalmannschaft waren. Die aktuelle Mannschaft hat sich dagegen bislang sehr gut präsentiert. Acht Spiele, acht Siege - und die letzten zwei Spiele gegen Weißrussland und Bosnien-Herzegowina wollen wir auch noch gewinnen. Dann sind wir für die Playoffs im Oktober gewappnet. Ich bin mir sicher, dass wir dort mit allen Teams mithalten können.

    Ist das Spiel gegen Argentinien schon ein Gradmesser?

    Adrion: In diesem Spiel werde ich noch einige Leute testen. Oliver Sorg, Stefan Thesker, Karim Bellarabi und Sebastian Polter sind erstmals dabei. Im September in den Quali-Spielen möchte ich dann nämlich definitiv mit der Mannschaft spielen, die im Oktober auch in die Playoffs geht.

    Wodurch zeichnet sich eine starke Jugendarbeit aus?

    Adrion: Dazu gehört zunächst eine solide Ausbildung in den Vereinen, die internationale Weiterführung in den U-Mannschaften und ein innovativer Nationaltrainer wie Joachim Löw, der bei der EURO 2012 die jüngste Nationalmannschaft geführt hat. Entscheidend ist, dass die Trainer gut zusammenarbeiten in den Schnittstellen der einzelnen Mannschaften. Ziel muss es sein, die Spieler maximal zu fordern. Bei uns ist die Durchlässigkeit bis zur A-Nationalmannschaft vorhanden. Wir haben einiges bewegt. So sind ein Fundament und eine Hierarchie entstanden, die jetzt insgesamt stabil genug sind.

    Auf welche Säulen bauen Sie Ihre Mannschaft?

    Adrion: Im Tor haben wir mit Oliver Baumann, Kevin Trapp, Marc-André ter Stegen und Bernd Leno eine große Auswahl und einen großen Konkurrenzkampf. In der Innenverteidigung ist sicherlich Jan Kirchhoff ein Führungsspieler, daneben agiert Lasse Sobiech. Im zentralen Bereich haben wir mit Lewis Holtby, Sebastian Rudy und Ilkay Gündogan einige Spieler, die auch schon im Verein tragende Figuren sind. Vorne hat Alexander Esswein alle Spiele mitgemacht. Lediglich in der Zentrale haben wir durch die Verletzungen von Pierre-Michel Lasogga und Peniel Mlapa eine kleine Lücke, die es zu stopfen gilt.

    Wie wichtig ist die Stufe "U 21" beim Werdegang eines Spielers?

    Adrion: Es ist ein wichtiges Bindeglied, eine Vorstufe zur A-Nationalmannschaft. Auch jetzt haben wir aus dem Jahrgang 1990 mit André Schürrle, Mario Götze und Toni Kroos schon drei Spieler oben - auch Ilkay Gündogan ist in der Spur und war bei der EM im Kader des A-Teams. Wir bereiten die Leute in Abstimmung mit dem Bundestrainer vor.

    Wie läuft die Zusammenarbeit mit Löw konkret ab?

    Adrion: Wir haben eine von Matthias Sammer entwickelte, durchgängige Spielphilosophie beim DFB, danach gibt es regelmäßige Absprachen. Glücklicherweise hat Jogi Löw den Mut, auf gute Leistungen junger Spieler zu reagieren und die dann auch einzubauen, wie beispielsweise Neuer, Khedira, Boateng, Hummels. Die Zusammenarbeit ist hervorragend.

    Ist Robin Dutt ein gleichwertiger Ersatz für Sammer?

    Adrion: Matthias Sammer hat auf jeden Fall einige Dinge auf den Weg gebracht. Diese Lücke wurde relativ schnell geschlossen und ich bin davon überzeugt, dass Robin Dutt noch an ein paar Stellschrauben drehen kann, innovative Ideen einbringt und den Weg weiterführt. Ich kenne Robin Dutt schon etwas länger. Er wird nun erstmal eine intensive Bestandsaufnahme machen und dann entscheiden, wo er eigene Akzente setzt.

    Sie legen neben der Arbeit an Taktik und Spielformen auch viel Wert auf "Menschlichkeit". Warum?

    Adrion: Man braucht einen vernünftigen Umgang mit den Spielern, zumal wir sie bei der Nationalmannschaft nicht das ganze Jahr über bei uns haben. Aber - wie so oft, wenn es um Sport und Siege geht - braucht man genauso eine gewisse Konsequenz, um die Leistung einzufordern. Es ist ein ganz wichtiger Punkt für mich, dass der Spieler in der Lage ist, sowohl Ziele im Verein zu erreichen als sich auch mit unseren Zielen in der U 21 zu identifizieren. Das heißt jetzt: Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 in Israel.

    VIDEO - Vorschau Deutschland - Argentinien

    TV-Tipp:

    Die U 21 zaubert jetzt bei Eurosport! Begleiten Sie das deutsche Elite-Nachwuchsteam von Trainer Rainer Adrion auf dem Weg zur Europameisterschaft nach Israel. Das Freundschaftsspiel gegen Argentinien in Offenbach: Dienstag, 14. August,  20:15 Uhr.

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