Der Innenverteidiger gilt als das Enfant Terrible des österreichischen Fußballs und machte seinem Ruf am Rande des Testspiels gegen die Türkei (2:0) einmal mehr alle Ehre.
Nachdem ihm Nationaltrainer Marcel Koller mitgeteilt habe, dass er auf andere Spieler setzen werde und Scharner das Team nur "pushen und führen" sollte, packte der 32-Jährige seine Koffer und verließ das ÖFB-Team.
"Koller ist ein Schnitzel"
"Diese Rolle kann ich nicht akzeptieren und dafür kann ich mich auch nicht zur Verfügung stellen", sagte der HSV-Verteidiger. "Das kommt der Funktion eines Trainers gleich", ergänzte Scharner, der auch aus seiner Meinung von Koller kein Geheimnis macht.
"Mit Koller kommen wir nie zur WM. Er ist wie ein Schnitzel weich geklopft worden. Jetzt müssen sie ihn nur noch panieren. Dann ist er ein richtiger Österreicher", sagte er in einem Interview mit dem Sportmagazin "News".
Mit 15 nimmt er Mentaltraining
Was auf den ersten Blick wie ein handfester Skandal wirkt, wird in Österreich nur wenige Experten überraschen. Denn Scharner, der das Fußballspielen auch schon mal als "Gang an die Front" bezeichnet, ist für sein extrovertiertes Dasein und sein lockeres Mundwerk bekannt und berüchtigt.
Bereits im Alter von zwölf Jahren teilte Scharner seiner Mutter mit, sie möge in Zukunft bitte fettfreier kochen, schließlich wolle er Fußballprofi werden. Mit 15 engagierte er einen Mentaltrainer, vier Jahre später wechselte er in die norwegische Liga zu Brann Bergen, um sich für sein anvisiertes Ziel Premier League in Position zu bringen.
"Er ist ein Spinner"
Nach zwei Jahren in Skandinavien verwirklichte Scharner seinen Traum und unterzeichnete einen Vertrag bei Wigan Athletic. Dort avancierte der beinharte Defensivkünstler, der sich mit Meditationsübungen und klassischer Mozart-Musik auf Spiele einstimmt, schnell zum Publikumsliebling.
Auch bei seiner zweiten Station auf der Insel hat Scharner einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Er ist ein Spinner", sagte sein damaliger Teamkollege James Morrison, als der Österreicher zu West Bromwich Albion wechselte.
Frankfurt zögert, HSV schlägt zu
Als die "Baggies" Scharners Vertrag gegen den Willen der Fans nicht verlängerten, wurde die Bundesliga auf den Sonderling aufmerksam. Bei Eintracht Frankfurt absolvierte er ein Probetraining, die Hessen entschieden sich aber letztendlich gegen einen Transfer.
Der Hamburger SV bewies mehr Mut zum Risiko und verpflichtete den 32-Jährigen in der vergangenen Woche. "Wir haben genau den richtigen Mann gefunden, einen lautstarken Organisator, topfit, kopfball- und zweikampfstark. Paul bringt genau die Erfahrung mit, die wir noch brauchen", urteilte Trainer Thorsten Fink im "Hamburger Abendblatt" und gab einen Einblick in die ungewöhnlichen Vertragsverhandlungen.
Ungewöhnliche Vertragsverhandlung
"Plötzlich kramte Paul einen Zettel mit zehn Fragen hervor und befragte mich. Das ist recht ungewöhnlich, aber ich habe breitwillig seinen Fragebogen mit ihm abgearbeitet. Nach kurzer Überlegungszeit sagte er zu", verriet Fink der "Bild".
Der Coach der Hanseaten darf sich auf einen Spieler freuen, der 207 Premier-League-Spiele und 101 Partien in der österreichischen Bundesliga auf dem Buckel hat.
Eklat mit Löw
Dass es nicht 102 Spiele in seinem Heimatland wurden, hängt mit einer Anekdote aus dem Jahre 2003 zusammen. Scharner verweigerte dem damaligen Austria-Wien-Trainer Joachim Löw die Einwechslung, weil dieser ihn im rechten Mittelfeld statt in der Defensive einsetzen wollte.
Dies blieb bei Weitem nicht der einzige Skandal, mit dem der Niederösterreicher in seiner Heimat aufhorchen ließ.
"Arnautovic hat Stroh im Hirn"
Nach einem Länderspiel 2006 gab Scharner seinen Rücktritt aus dem ÖFB-Team bekannt: "Und zwar für immer." Als Grund nannte er die "unprofessionellen Strukturen" beim österreichischen Verband.
Seinem Landsmann Marko Arnautovic warf er 2011 in einem Interview mit der Kronenzeitung vor, dass er "nur Stroh im Hirn habe" und wenige Wochen später bot er sich als Spielertrainer für die Nationalmannschaft an.
Der jüngste Eklat dürfte also nur wenige Landsleute in Österreich überraschen, bleibt abzuwarten, wann und womit Scharner in Deutschland für Aufsehen sorgt.
VIDEO - Pleite für Deutschland
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