Wenn selbst der meist so gestrenge und überkritische Günter Netzer in höchsten Tönen von einem Spieler spricht, dann muss es wirklich ein ganz besonderer sein. "Mir imponiert dieser Junge", sagte Netzer am Wochenende über Marco Reus, und das klang schon fast wie ein Ritterschlag. Aber auch ohne Expertenzertifikat hat wohl inzwischen jeder gemerkt, was der blonde Wirbelwind für ein Fußball-Juwel ist: Sechs Treffer hat Reus bereits in den ersten sechs Partien für Borussia Dortmund erzielt, gegen Irland kamen noch zwei im Nationaldress hinzu - Fußballdeutschland liegt dem quirligen Offensivdribbler zu Füßen.
Und bisher dachten die Westfalen, die Reus im Sommer für 17 Millionen Euro verpflichteten, er werde seinen bis 2017 geschlossenen Vertrag auch erfüllen. Oder zumindest nicht schon nach einer Saison wieder weiterziehen. Genau das ist aber laut der Münchner "tz" gut möglich, denn Reus soll eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag haben. Die soll es dem 23-Jährigen nach Angaben der Zeitung möglich machen, Dortmund nach einer Saison für eine festgeschriebene Ablösesumme von ca. 35 Millionen Euro zu verlassen.
Holen sich die Bayern Reus nun doch?
Damit wäre das Wettbieten um den deutschen Shootingstar neu eröffnet, und es könnte zum Beispiel Real Madrid doch noch zuschlagen - die Spanier wollten Reus schon im Sommer verpflichten. Es könnte aber auch die Chance für den FC Bayern sein, einen kleinen Fauxpas zu korrigieren. Denn Präsident Uli Hoeneß habe damals zur "tz" über den Transfer gesagt haben: "Wir waren interessiert, haben aber nicht alles versucht. Außerdem: Wo soll er denn bei uns spielen?"
Offenbar traute man Reus nicht genug Qualität zu, um Größen wie Robben und Ribéry zu verdrängen. Nach dem furiosen Start in die Saison könnten die Bayern diese Einschätzung revidieren und sich Reus für 35 Millionen Euro im Nachfassen schnappen. Bleibt jedoch die Frage, ob Reus das auch will. Schließlich ist der Ex-Gladbacher mit der Familie in Dortmund verwurzelt. Doch grundlos lässt sich niemand eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben - auch Marco Reus möchte sich alle Optionen offen halten.
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