Do 17.Jun. 13:32
Jetzt mal ehrlich: Man hat es "scho au" schwer als Bundestrainer. Da sitzen ständig 82 Millionen Konkurrenten vor den TV-Bildschirmen, wissen alles besser, können besser aufstellen, haben die passendere Taktik parat und sowieso einen generell todsicheren Plan, wer wann, wie und wo spielen sollte.Dabei können wir uns doch gar nicht beschweren! Klar, das Land der Dichter und Denker tut sich schwer damit, einfach alles so hinzunehmen, unhinterfragt abzunicken und zu akzeptieren, dass auch jemand anderes als man selbst Ahnung von seinem Job haben könnte. Schwierig, das.
Aber mal ehrlich: Könnten wir uns einen besseren Repräsentanten für den Bundestrainer-Job als Joachim Löw wünschen? Ich meine: Welcher andere Kandidat vereint denn Fachwissen, modische Stilsicherheit, sprachliche Eloquenz und medial geschultes Auftreten besser als unser Bundes-Jogi?
Auch bei der Optik gilt: Högschde Konzentration
Savoir vivre - das ist das Metier des sympathischen Gelegenheitsrauchers Löw. Vor jeder Pressekonferenz ein Tässchen Espresso: Das senkt die Gefahr, an Gicht zu erkranken und hebt die Konzentration - besonders wichtig bei den anstehenden Fangfragen der Journalisten.
In feinstem Zwirn sitzt er (oder steht er, vorzugsweise angelehnt an eine Bande oder die Überdachung der deutschen Auswechselbank) immer da, egal ob Violett das neue Schwarz oder Schwarz das neue Flieder ist. Top gestylt und gut frisiert - wie auf dem Fußball-Platz gilt eben auch vor dem Spiegel: Högschde Konzentration.
Kein Wunder, fand der Badener in einem großen Kosmetikartikel-Hersteller einen dankbaren Werbepartner: Wenn Jogi seine Taktik-Anweisungen auf den Gebrauch von Cremes, Wässerchen und Haarpflegeprodukte überträgt, kann man ihm das irgendwie einfach nicht übel nehmen. Stellen Sie sich einmal Louis van Gaal in derselben Szene vor, oder Werner Lorant...
Des Bundestrainers Leib- und Lungenmarke
Dabei macht der Bundestrainer aber auch nicht halt vor eigentlichen "no go's" der Fußball-Szene. Ein gepflegtes Zigarettchen darf es dann schon mal ab und zu sein, "Marlboro Lights" heißt die Leib- und Lungenmarke des ranghöchsten deutschen Fußballlehrers. Aber nicht in der Öffentlichkeit! Schließlich hat Löw einen Ruf zu verlieren. Rank und schlank kommt er daher, der Architekt hinter dem "Sommermärchen 2006" in Deutschland und der gelungenen EM zwei Jahre später - so sieht ein gesunder Körper außerhalb eines gesunden Geist aus.
Gut - die sprachlichen Barrieren treiben bisweilen einen Keil zwischen die Deutschland-Fans und den Bundestrainer. Zu Unrecht wird Löw oft unterstellt, er hege eine besondere Liebe zu Spielern aus dem Schwabenland, genauer gesagt: Stuttgart.
Das kann Samariter Löw nicht ahnen...
Dabei gibt es für den smarten Coach gar keinen landsmannschaftlichen Grund, schwäbische Kicker zu bevorzugen. Denn Löw hält mit Stolz die Fahne seiner Heimat Baden hoch - und das Verhältnis zwischen Badenern (oder Badensern wie ein Norddeutscher sagen würde) und Schwaben ist historisch bedingt ein etwas diffiziles.
Seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Freiburg geht sogar so weit, dass der 50-Jährige in einer Spendenaktion vor der WM dazu aufgerufen hat, die Freiburger mögen doch etwas für den Erhalt des stolzen Münsterturms der Universitätsstadt springen lassen. Okay, dass die Kurzwahlnummer, unter der die guten Seelen ihren Obolus per SMS entrichten können, identisch mit der Telefonnummer einer unbescholtenen Freiburger Familie ist, konnte Samariter Löw ja nicht ahnen...
Aber zurück zur sprachlichen Kompetenz. Dass Löw fälschlicherweise die Mundart des Schwäbischen unterstellt wird, zeugt schlicht von der Unkenntnis eines Großteils der Bundesbürger, die wiederum auf das Fehlen einer eigenen Mundart zurückzuführen ist. Da fällt es schon mal schwer, Unterschiede auszumachen. Um es klar zu stellen: Ich als Schwabe weiß, wovon ich spreche.
Kein Bundestrainer, sondern Kreisliga-Coach
Wenn Löw sein beherztes "scho au" einfügt, um zum einen ein wenig Zeit zu gewinnen, zum anderen vorsichtshalber ein wenig Brisanz aus dem nun Folgenden zu nehmen, macht sich im Zuhörer das wohlige Gefühl breit, nicht den Bundestrainer, sondern einen Amateur-Fußballlehrer aus der Kreisliga vor sich sitzen zu haben.
Positiv gemeint, denn Löw wirkt in seiner Mundart so nah und echt wie kaum einer seiner Vorgänger. Und das hört sich dann so an: "Sag mer mal, der Lukas isch scho au an Spieler, der wo...sag mer mal, in die Tiefe gehen kann."
Parlieren, aber nicht so gerne etwas sagen
Ja, Sie haben Recht: Viele Worte, wenig Aussage. Auch das kann er eben, der Bundes-Jogi. Diplomatie ist seine Stärke (Einspruch: Torsten Frings und Kevin Kuranyi), das "Sich-nicht-festlegen" seine Paradedisziplin. Auch in der Politik wäre der modebewusste Fußball-Connaisseur bestens aufgehoben. Löw parliert gerne über Taktik, Personalien und Strategien - sagt aber nicht so gerne etwas darüber. Kein Wunder, haben wir die Australier so überrollt! Denn der Feind hört ja ständig mit.
Deswegen hält sich der Bundestrainer auch vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Serbien erst einmal bedeckt, lässt lieber seinen Assistenten Hansi Flick vor. Aber der weiß ganz genau, was sein Chef von ihm erwartet. "Ich denke nicht, dass es große Änderungen geben wird", verrät Flick hinsichtlich der möglichen Startelf der Deutschen. Immerhin! Das lässt genug Spielraum für Spekulationen und die serbischen Spione weiter in Unwissenheit. Ein Teufelskerl, dieser Löw!
Zumal der Co-Trainer des DFB-Teams ja nur "denkt", aber nicht weiß. Während Flick also vor der versammelten deutschen Presse spricht und die Journalisten mit halbgaren Aussagen "anfüttert", sitzt das Mastermind des deutschen Fußballs derweil im Mannschaftshotel, nippt vielleicht an einer Tasse Espresso, qualmt möglicherweise ein Zigarettchen - und hat bestimmt schon einen todsicheren Plan im Kopf.
Damit es gegen Serbien, "sag mer mal, scho au klappt".
Es grüßt herzlichst aus Südafrika, Ihr Stefan Zürn
hehe, netter blog herr zürn. süffisant und mit einem augenzwinkern geschrieben. einer ihrer besseren beiträge. ich bleibe dabei und werde sie weiter empfehlen. wie sieht es denn mit dem morgigen d-spiel aus. sind sie da vor ort und was machen sie da eigentlich? denn das spiel ansehen und bloggen kann man ja auch gemütlich daheim vor der glotze.
Witziger Blog! Schöne Grüße nach SA. Sie sind morgen schon auf dem Spiel, oder? Was ist denn momentan ihr Vor-Ort-Eindruck von Jogis Mannen?
Schließe mich meinen Vorrschreibern an: Launiges...pass auf: "Gschichtle"...
Passen Sie auf sich auf, Herr Zürn. VG Jaques
Yo, nette Hintergrundstory. Schätze "scho au" dass es gegen Serbien klappt! 3:1!
Bundes-Jogi als moderner Egon Olsen. Herrlicher Blog!
egal wie die wm ausgeht...
jogi verdient ewigen dank weil er die 2 unsäglichen versager frings und kuranyi rausgeworfen hat.
Nett geschriebener Blog.
@alle: Danke für das positive Feedback! Tut richtig gut, mal nicht nur beleidigt oder im besten Fall harsch kritisiert zu werden! 
@hermanndunk: Jep, morgen früh um halb sechs klingelt der Wecker, dann holt mich Andrew, ein netter Rentner aus Johannesburg, ab und bringt mich zum Flughafen. Um 10:10 Uhr Landung in Port Elizabeth, ab zum Stadion, Ticket abholen, an den Arbeitsplatz im Medien-Center. Dann geht's zum Spiel, danach in die PK, in die Mixed Zone, dann wird geschrieben - bis ca. 18:00 Uhr, dann muss ich wieder zum Flughafen, Abflug 19:50 zurück Richtung Johannesburg, Ankunft 21:20 Uhr. Schließlich zurück ins "Catwalk", weiterschreiben, an die Eurosport-Redaktion senden - Ende des Arbeitstages, voraussichtlich gegen 00:30-1:00 Uhr 
@gertraud.gymnastik: Naja, schwierig zu sagen. Ich habe den Eindruck, dass die Spieler momentan so zwischen totalem Selbstvertrauen und Vorsicht schwanken - einerseits haben sie eine enorm breite Brust, andererseits wollen sie nicht den Eindruck vermitteln, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber klar ist: Die Jungs wissen, was sie können und dass der Gegner - wie ich bereits in meinem Artikel geschrieben habe - extrem großen Respekt hat.
@jaquesgelee: Danke für Ihre Wünsche - bisher bin ich in noch keine brenzlige Situation gekommen. Aber wer weiß....ich bin ja auch gerade mal seit 8 Tagen hier!
Hoffen wir das Beste! 
Sportliche Grüße aus Pretoria,
Stefan Zürn
Also Badenser benutzt ma auch hier bei uns im Schwabenländle 
@homerjay58: Völlig richtig, wie konnte ich das nur vergessen! 
Sportliche Grüße aus Pretoria,
Stefan Zürn
Wirklich sehr schön und witzig geschriebener Artikel.
Ich kann ihnen da nur zustimmen, eigentlich können wir uns über herr Löw wirklich nicht beklagen.
So mach eine Entscheidung kann man zwar im vorraus Kritisieren aber bisher geben ihm die Erfolge recht.
Wäre schön wenn es diesmal zum ganz großen Wurf reicht
.
Wäre schön wenn Sie zwischenzeitlich noch den ein oder anderen Artikel in diese Richtung schreiben. Von der Qualität her wesentlich niveauvoller als manch anderer Blog im bereich Radsport ;)
Grüße aus Nrw
Haha. Expertenblock. Das ich nicht lache. Haha.
Jetzt moa ehrlich: des is scho au'n ganz bleeder Blog, b'sonders guat gelungner Enthühlungsjoanalismus.
Netter Artikel, gut geschrieben 
Donnerwetter, da ist man mal zwei Tage abwesend und da tobt es im Kommentarwald....
Alle Kommentare, die weit oben zu lesen sind, erscheinen mir wie Fakes. Irgendsoeine Fangemeinde von Herrn Zürn, hilflose Interlektuelle oder Sozialomas. Vielleicht ja auch nur ein- und dieselbe Person, die sich unter verschiedenen Namen mehrmals einloggt. Das wäre Hernn Zürn nicht zuzutrauen. Aber vielleicht jemandem in seinem Umfeld.
Zum Artikel selbst: Ist ja eine Lachnummer. Kein schriftstellerisches Talent. Harmloser gehts ja nicht. Derlei Anekdoten sind mit dem Charme eines ZDF-Reporters geschrieben, dessen Publikum aus Personen jenseits der 70 besteht. Keine Ecken und Kanten im Artikel festzustellen. Der Autor, Herr Zürn, versucht es wieder einmal, allen Recht machen zu wollen. Keine Angriffe auf Löws negative Seiten. Friede, Freude, Eierkuchen. Herr Zürn, wenn ich mal sterbe (hoffentlich nicht zu bald), wünsche ich mir, dass Sie meinen Nachruf schreiben. Da komme ich bestimmt besser weg als bei jedem anderen Autor. Doch: Sie erkennen nicht, dass brav sein auch fehelndes Selbstbewusstsein darstellen kann.
ich tippe ja dass es heute gegen serbien nix wird mit schland. erwartungsdruck ist zu hoch. alle träumen schon wieder vom titel nach zwei guten spielen (bosnien und australien). die mannschaft ist sicher gut und ihr gehört die zukunft aber bei dieser wm kommt noch ein böses erwachen.
Endlich mal eine Story zum schmunzeln, einmal nicht diese bitter ensten Fachanalysen.
Prädikat uninteressant. Mann, Mann, Mann. Hohl, was hier so manche "Journalisten" an Blogs veröffentlichen.
@herwig.istfa: dein kommentar zeugt aber auch nicht gerade von intellektueller wucht.
Endlich. Auf diesen Enthüllungs-Reißer haben wir alle gewartet. Ist mir völlig unerklärlich, dass hier einige User von einem "netten" Artikel sprechen. Mein Fazit: farblos und nicht up to date.
Gleich ist Anstoß. Ich drücke Deutschland die Daumen.
Stefan: Kannst dir deinen schwäbischen Humor sparen. Kommt beim Rest der Republik nicht an.
@karlheinz44 Wie willst du denn das beurteilen können? Ich habe nur meine Meinung kundgetan. Das ist legitim. Ansonsten kennst du mich ja gar nicht. Und ich bleibe dabei: Artikel lohnt den Klick nicht. Bin ja wohl auch nicht der einzige hier, der so denkt. Lies mal die Comments.
Armin: Es werden Fußballspiele gewonnen aber auch verloren. Die Frage nach dem warum und wieso steht dann hinterher immer offen.Die Schlauen wissen aber alles immer besser-besonders hinterher und nach dem Spiel.Die Trainer nennen sich Fußballpädagoge ; also muß man die Handlungen und das Führen von besonders jungen Menschen mit pädagogischen Maßnahmen begleiten. Denke ich daran, wie mit Kevin Kuranyi umgegangen wurde und ein junger Spieler , durch eine Fehlhandlung nie- mehr in der Nationalelf unter dem Bundestrainer spielen darf ,weiß ich nicht , wo ich diese Handlungen einordnen soll. Das Vertrauen und das fördern von Leistungen erhalte ich, wenn man den jungen Leuten , besonders in schwierigen Situationen hilft und als Freund zu Seite steht. So zum Peispiel in dem heutigen Spiel. Der Schieri war überaus dünnhäutig und alle Spieler mit gelb waren gelbrot gefährtet. Ein Fußballpädagoge hätte u.a. durch Spieleraustausch seine Jungens schützen können. Der Spieler Klose mußte von der Trainerbank Hilfe bekommen. Das Herumtoben von der Außenlinie her ist keine wirkliche Hilfe. Es ließen sich an dießer Stelle noch enige wetere Kommentare aufführen.AF.
@herwig.istfa: kannst du auch gerne weiterhin tun. ich habe eben meine meinung zu deinem kommentar gesagt. und die meinungen über die qualität sind hier ja wohl sehr geteilt, was auch in ordnung ist. solltest vielleicht mal selbst einen blick auf die kommentare werfen. abgesehen davon kann bei 24 k. wohl kaum von repräsentiv gesprochen werden. mir gefällt's was der zürn schreibt, auch ich bleibe dabei. 
Ach karlheinz44, wir sind sicherlich ganz unterschiedliche Typen. Ich finde den Stil von Stefan zu milchbubihaft. Schon bevor er einen Satz anfängt, kenne ich die harmlose Pointe. Ja, anfangs schmunzelt man sicherlich. Doch nach 20 sek. Dauerschmunzeln versteifen sich meine Gesichtszüge und ich frage mich innerlich, war das schon alles?
Ghana gut! Ghana vor Deutschland! Deutschland no-good! Deutschland hinter Ghana! Deutschland schwach wie Ballack! Ghana stark wie Boateng! Peng ist Ballack weg! Peng ist Deutschland weg! Afrika gut! Afrika stark! Ghana schlägt Deutschland wie Frau! 1 zu 0 aber mit viel Schmerzen! Deutschland viel weinen! Ah weah! Tut wehhhhhhhhhhhhh!
Hey jolie_16_53, kauf dich mal ne Tuete deutsch, hat mich auch gehelft...
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