Feelfootball blog

Jörg Hausmann

...und noch mehr Mitleid mit Herrn Slomka

Di 15.Apr. 11:05

Mirko Slomka

Servus, liebe Fußballfreunde,

"Nein", werden Sie gleich denken, "nicht noch einer, der dem angeblich so armen Herrn Slomka ein paar Zeilen des Mitleids hinterhersendet." Oh doch, noch einer...

Denn es geht nicht anders, geht nicht anders bei der Draufsicht - zugegebenermaßen von weit außerhalb - auf die Verhältnisse "auf Schalke". Gerne hätte ich ein Gegengewicht geschaffen zu all den Kommentaren und Einschätzungen der vergangenen beiden Tage, zu den minütlich in den entsprechenden Foren einlaufenden Beiträgen von Menschen, die sich so sehr für den Fußball interessieren, die Bundesliga und auch Schalke, dass sie sich zur Veröffentlichung einer eigenen Meinung gemüßigt fühlen. Zu Recht. Denn, ganz ehrlich: Das Gebaren der so genannten Schalker Führung schreit danach, kopfschüttelnd betrachtet zu werden.

Betrachtet im Licht der Ergebnisse, die dem Neu-Arbeitslosen Mirko Slomka vorzuwerfen sind. Ehe wir jedoch eine eigene Beurteilung des dritten Platzes in der Bundesliga versuchen, ehe wir uns anmaßen, den Einzug unter die besten Acht der Champions League einzuordnen, lassen wir den königsblauen Boss selbst sprechen, via "kicker": "Wir haben...unsere Zielsetzung übertroffen." Und: "Schalke ist in den Kreis der besten Klubs Europas vorgestoßen." Gesagt hat dies Josef Schnusenberg nach dem unnötigen 0:1 von Barcelona. 72 Stunden später - nach dem 1:5 von Bremen - war der sportlich Verantwortliche für die übertroffene Zielsetzung, Slomka, entlassen. Sinn ergibt das - vordergründig - keinen. Auf der Suche nach dem Hintergrund stoßen wir zunächst auf eine - überwunden geglaubte - Gelsenkirchener Vergangenheit, geschmückt mit Skandalen und Beinahe-Pleiten vom Allerfeinsten. Im Westen also nichts Neues, passt diese Freisetzung eines Übungsleiters ohne Rückhalt doch bestens ins Familienstammbuch der Knappen. Peter Neururer - arbeitslos wie jetzt Slomka, 1990 bei S04 ähnlich abserviert wie der 40-Jährige, den er aus gemeinsamen Tagen in Hannover kennt - nannte es spontan einen Rückfall in alte Zeiten. So alt aber sind diese Zeiten noch nicht.

Schon Slomkas Vorgänger und Ex-Freund Ralf Rangnick, der mit No-Name Hoffenheim sich anschickt, als Bundesligacoach zu reüssieren, durfte sich am 10. Dezember 2005 die Huldigungen der Fans und einen 1:0-Sieg über Mainz abholen, um dann entlassen zu werden. Auch Rangnick, damals Vierter, fehlte die entsprechende Lobby im Management.

Seinerzeit war es Rudi Assauer, heute ist es dessen Zögling Andreas Müller. Das Muster blieb gleich: Schalke übersieht gerne, wo es hergekommen ist, von ganz unten, Anfang/Mitte der 90er Jahre. Es übersieht die Erfolge, die mit weit billigerem Material errungen wurden (UEFA Cup, zwei DFB-Pokale, Meisterschaft der Herzen). Es übersieht, wo es hingekommen ist, in den Schlagschatten des FC Bayern, inmitten der Besten Europas, letzter deutscher Vertreter in der Champions League. Es übersieht aber vor allem, dass es nicht mehr besser gehen wird.

Langfristig ist und bleibt der FC Bayern in der Liga der nur punktuell zu überwindende Orientierungspunkt aller. Vor dem 1:5 in Bremen - das Slomkas Entfernung auslöste, aber nicht entschied - führte Schalke das Feld hinter dem Rekord- und designierten Meister an. Was soll das Duo Mike Büskens/Youri Mulder besser machen als Slomka? Seine kopflos wirkende Ablösung kann nur auf persönlichen Eitelkeiten beruhen, deutet auf Interna hin, auf ein abermals vergiftetes Klima, verbrauchte Chemie zwischen Coach und Spielern. Anhand von Fakten ist das neuerliche Bravourstück "auf Schalke" leider nicht zu erklären.

  • Bemerkung1 - 5 von 5
  1. in der Tat ... finde es auch nicht optimal das Slomka gehen musste. Aber manchmal wird einfach ein Wechsel benötigt um wieder etwas frische zu bringen.

    schreibmoVon schreibmo, am Mi 16.Apr. 11:37

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  2. Sie sprechen mir aus der Seele Herr Hausmann. Ihr Blog ist ausgesprochen gut! Kleine Anmerkung: In Ihrer Biografie hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen: Online-Journalismum steht dort.
    Mit besten Grüßen OV

    oskar.valentinVon oskar.valentin, am Mi 16.Apr. 18:14

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  3. Tja, nur sind damit die vier Treffer von Kevin K. hinreichend zu erklären? Wenn man die Mechanismen in dem Geschäft nicht so interpretiert, dass eine Trainerentlassung (zumindest in der oberen Tabellenregion) grundsätzlich mit einer umgreifenden Unzufriedenheit der Vereinsführung mit dem Trainer einhergeht, sondern als kurzfristige Maßnahme - sozusagen auf dem Weg zur Ziellinie -,. die einen gewünschten Effekt bringen soll, haben Andreas Müller alles richtig gemacht...

    monkishbuddhaVon monkishbuddha, am Do 17.Apr. 15:26

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  4. goooooooo feelfootball

    bernVon bern, am Do 16.Okt. 12:00

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  5. ...und noch mehr Mitleid mit Herrn Slomka

    bernVon bern, am Do 16.Okt. 13:44

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