Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Danke, Rudi!

Di 30.Dez. 13:56

Servus, liebe Fußballfreunde,

leider ist der letzte Blog dieses Jahres ein trauriger: Rudi Michel ist tot. Rudi, wer? Den Jüngeren unter Euch sei diese Nachfrage erlaubt. Gleichzeitig ist jeder zu bedauern, der mit einer der größten deutschen Sportkommentatorenstimmen nichts anzufangen weiß. 1982 übertrug Michel sein letztes von fünf WM-Endspielen. Zu einer Zeit, als sich Reporter noch als Begleiter des Geschehens betrachteten und nicht als dessen Mittelpunkt.

Michel, der stolze 87 Jahre alt wurde, gehörte zu einer - tatsächlich - aussterbenden Spezies, die den Sport noch vom Ort des Geschehens möglichst anschaulich und doch in der gebotenen Zurückhaltung überbracht hat an jedweden Ort, an dem der Konsument lauschte.

Das Fernsehen war gerade erst im Entstehen, als Michel 1954 bereits aus Bern die Jahrhundertsensation des ersten deutschen WM-Gewinns schilderte - im Schatten des großen Herbert Zimmermann selbstverständlich.

Denke ich an Michel, der 1982 das erste WM-Endspiel meiner persönlichen Erinnerung kommentierte (ein völlig verdientes 1:3 gegen Italien), denke ich auch an Harry Valerien, Ernst Huberty, Adolf Furler, Rolf Kramer, Heribert Faßbender und Oskar Wark, und auch an Arnim Basche, Manfred Vorderwülbecke, Dieter Adler, Karl-Heinz Vest, Fritz Klein, Wilfried Luchtenberg, Eberhard Figgemeier und Fritz von Thurn und Taxis - und natürlich Eberhard Stanjek. Der ebenfalls längst verstorbene, langjährige Sportchef des Bayerischen Rundfunks meisterte anno 1982 den deutsch-österreichischen Nichtangriffspakt in Gijon bravourös, indem er zu dem sportlichen Nichts irgendwann nichts mehr sagte...

Wie gut täte dies heute, da einer all das erklärt, was sowieso jeder sieht (Erich Laaser, beispielsweise), ein anderer vor allem den Glanz des Kaisers und seinen eigenen nutzt, um sich darin zu sonnen (Marcel Reif, beispiellos), und ungezählte ambitionierte Kollegen vor allem dadurch Profil zu gewinnen versuchen, indem sie sich Wochenende für Wochenende in möglichst innovativer Verbalakrobatik ergehen, die auf dem Fußballplatz nichs zu suchen hat (diverse "Premiere"-Kommentatoren; schonmal Markus Lindemann zugehört?).

Fazit: Michel und Zeitgenossen brauchten nichts über die dritte Ehefrau der Stars und deren spieltäglichen Stuhlgang zu erzählen und sich minutenlang in verwirrenden taktischen Erklärungsversuchen zu verlieren, um den Seher und Hörer zu fesseln. Sie bestachen durch die Schlichtheit ihrer Reportage, die sich immer auf dem Rasen und entlang des Spielzugs bewegte. Sie sahen es auch nicht als ihre Aufgabe an, Grottenkicks schön zu reden, denn vom Bundesliga-Hype und Alles-ist-Kult hatten sie gottlob noch keine Ahnung. Damals sprach der Fußball noch für sich. Und Michel und Co. in einer Art und Weise über ihn, die heute zu Unrecht belächelt wird. Denn diese Art und Weise ließ alles Überflüssige beiseite.

Euch allen, liebe Fußballfreunde, einen gesunden, wenngleich feucht-fröhlichen Jahreswechsel und alles Gute im neuen Jahr. Vor allem viel Spaß mit Champions League, Bundesliga und allen Partien, die Ihr Euch so anschauen werdet.

Und allen, die hier reingeschaut und auch ihre Meinung hinterlassen haben, einen recht herzlichen Dank dafür. Macht weiter so! Denn auch unsachliche Pauschalkritik zeigt, dass Ihr wenigstens mitlebt... 

Servus derweil!

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  • Bemerkung1 - 9 von 9
  1. Auch von mir: Danke Rudi !!!
    Man soll ja nicht sagen: früher war alles besser - aber so manches war es doch. Ich schaue heute Sport eigentlich (fast) nur noch mit der "Ton Aus"-Taste - alles andere ist einfach und schlicht unerträglich....
    MfG

    altrhoischnookeVon altrhoischnooke, am Di 30.Dez. 18:54

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  2. Er war der Beste,unerreicht,bekomme jetzt noch Gänsehaut wenn ich mich erinnere.Früher war alles besser,Quatsch,aber hier stimmts.
    Ade Jg.52

    jonnyosorVon jonnyosor, am Di 30.Dez. 19:11

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  3. hallo jörg, sie haben mit wenigen worten sehr vl gesa

    manno_100Von manno_100, am Di 30.Dez. 22:56

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  4. hallo jörg, sie haben mit wenigen worten sehr vl gesa

    manno_100Von manno_100, am Di 30.Dez. 22:56

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  5. hallo jörg, sie haben mit wenigen worten sehr viel gesagt. super!
    auch mir war es noch vergönnt am radio und nacher im tv. den kommentaren vom rudi zu lauschen.

    manno_100Von manno_100, am Di 30.Dez. 22:59

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  6. " Danke Rudi " würde ich unterschreiben
    " Tschüss Jörg " aber auch.
    Deine Kommentare braucht kein Mensch.
    Guten Rutsch

    kuriziwauVon kuriziwau, am Di 30.Dez. 23:12

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  7. kann mich noch an etliche Fussballspiele erinnern die von ihm kommentiert wurden, und er machte wirklich einen sehr sachlichen Eindruck, wenn es etwas zu loben gab, wurde gelobt, und es wurde nie etwas schöngeredet, aber ist halt schon die Wahrheit war eine andere Generation der Sportreporter.

    bozon12Von bozon12, am Mi 31.Dez. 11:12

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  8. Michel und Rubenbauer - die grössten und leidenschaftlichsten Sportreporter ihrer Zeit!

    vilomara2Von vilomara2, am Mi 31.Dez. 12:19

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  9. nnd an den J.Hausmann: Deine Artikel und Glossen sind nicht immer genug ausgefeilt, d.h. sie wirken oft zu pseudointelektuell. Da fehlt es oft an der verbalen Überraschung und am Humor.
    Guten Rutsch für alle!

    vilomara2Von vilomara2, am Mi 31.Dez. 12:23

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