Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Besonnen-Besinnliches

Di 23.Dez. 02:59

Servus, liebe Fußballfreunde!

Es ist erst fünf Wochen her: Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen erklärte uns in heutzutage bemerkenswerter Offenheit und Selbstreflexion, die Bundesliga sei überschwemmt von gnadenlos Selbstverliebten. Dies hätten - auch - die Medien zu verantworten. In Ottmar Hitzfeld fand Bruchhagen nunmehr einen höchst prominenten Verbündeten.

Mehr als anderthalb Jahrzehnte lang einer der besten Trainer der Bundesliga und somit einer ihrer bedeutendsten Repräsentanten, betrachtete der heutige Schweizer Nationaltrainer den öffentlichen Stellenwert der höchsten deutschen Spielklasse im "kicker" mit großer Sorge: "Zwar ist es für viele Lebensinhalt und ein seriöser Beruf, davon hängen Existenzen ab; doch es ist nach wie vor Sport."

Nach Meinung Hitzfelds übertrieben die Medien in ihrer Darstellung des noch immer sehr simplen Kickens gegen den Ball. Halten wir fest: Bruchhagen wie Hitzfeld haben Recht. Ersterer sitzt noch drauf auf dem sich schwindelerregend schnell drehenden Karussell, der andere hat als Nationaltrainer etwas Abstand gewonnen.

Und doch lebte Hitzfeld nie schlecht von dem Hype, den die Medien seit mehr als anderthalb Jahrzehnten veranstalten: nicht als beispielhaft erfolgreicher Übungsleiter, und auch nicht als Experte des Pay-TV-Senders "Premiere".

Halten wir fest: Ohne "Premiere" keine TV-Verträge für die Bundesliga in nicht mehr nachzuvollziehender Millionenhöhe, ohne dieses Geld keine irrationale Anhebung der Bezahlung von Trainern wie Hitzfeld. Und: Jener Hitzfeld, der heute die Medien für ihre maßlos übertriebene Berichterstattung abmahnt, ließ sich vor Jahren sehr bereitwillig vor den "Premiere"-Karren spannen, um ein Stück des immer größeren Kuchens auch von dieser Seite abzugreifen.

Und da kommt wieder Bruchhagen ins Spiel: Öffentlich derart hofiert, verlören leider zu viele Mitglieder des exklusiven Bundesligakreises die Bodenhaftung. Damit meinte Bruchhagen jedoch sicher nicht Hitzfeld, der als ausgebildeter Mathematiklehrer durchaus immer einen Fuß in der realen Welt - fern von Pressekonferenzen, Scheinwerferlicht und Champions League - behalten hat und behalten wird. Zudem ist Hitzfeld ja kein aktives Mitglied der "entrückten" Bundesliga mehr. Sondern "geerdet", zurück im Schoße der Schweiz, wo der Trainer Hitzfeld Mitte der 80er Jahre die Basis für seinen Weltruf legte.

Bleibt die Frage, was gegen die "Überschätzung der eigenen Person" (Bruchhagen), abhanden gekommene Selbstzweifel, das "Gefühl der Großartigkeit und Selbstverliebtheit" (Bruchhagen) helfen könnte. Eigentlich nur der - nicht mehr vollziehbare - Rückschritt in der Darstellung der Bundesliga in der Öffentlichkeit.

Weniger (Sportschau der alten Prägung, beispielsweise) wäre mehr. Nicht mehr alles und jeden aus allen verfügbaren Perspektiven Wochenende für Wochenende allzu oft völlig unkritisch abzufeiern, um nicht charakterlich labile Fußballer und Trainer in die Selbstüberschätzung zu treiben.

Weil das mit dem Zurückfahren der medialen "Verehrung" der Bundesliga aber nicht funktionieren wird, muss es vielleicht doch jeder Betroffene selbst richten, jeder, den Bruchhagen gemeint hat: die Bundesliga-Repräsentanten ohne Bodenhaftung.

Im Zusammenspiel mit dem so oft zitierten "Umfeld" gilt es bundesligaweit, sich auf anständiges Betragen zu besinnen. Denn Bruchhagens Anlass zur Kritik war die unselige und ewig junge Diskussion mit und um die Schiedsrichter. Gegenüber denen fehle der Respekt. Respekt aber ist unabdingbarer Grundbaustein alles Miteinanders. Und den lehrt das Elternhaus - normalerweise.

Auswüchse medialer, finanzieller und amoralischer Art führten zu den Aussagen Bruchhagen und Hitzfelds - rechtzeitig vor und zu Weihnachten. Denn jetzt bleibt die Zeit, sich zu besinnen...

Liebe Fußballfreunde, Euch - trotz allem - weiterhin viel Spaß mit der Bundesliga. Denn die Fans haben immer das feinste Gespür und stimmen gegen "abgehobene" Stars mit den Füßen ab. Oder, seit dem Internet, in Foren...

Besinnliche Weihnachtstage allerseits! Servus derweil!

Jörg Hausmanns Blog wird Euch präsentiert von Feelfootball.com

Um mehr über Jörg Hausmann zu erfahren und Feel Football Videos zu schauen, klickt hier!

  • Bemerkung1 - 2 von 2
  1. Verglichen mit der Unendlichkeit des Alls, ist das Spiel namens „Fussball“ vielleicht doch eher unbedeutend. Aber im Kreise der kleinen Erdlinge spielt es durchaus eine Rolle.
    Das ist klar und bekannt: Fussball ist Politik, Fussball ist Finanzfaktor, Fussball ist ein „Former“ der noch nicht Gereiften; und die den Fussball umhüllenden Medien sind in erster Linie dafür verantwortlich, die richtigen Nachrichten an die Massen zu bringen, UM DIE MASSEN BESSER / SOZIALER WERDEN ZU LASSEN. Das ist die wichtigste Aufgabe, wie ich es bescheiden finde. Vielen Dank für die guten Nachrichten, EUROSPORT !!! Frohe Weihnachtszeit !!!

    zenitundhoffiVon zenitundhoffi, am Di 23.Dez. 07:53

    Missbrauch melden

  2. Der Artikel, Jörg Hausmann, war endlich einmal von der besseren Sorte....
    Doch der vom zenitundhoffi vom Feinsten!
    Bleibt noch die Frage: Was ist wichtiger, Fussballinformationen von der BamS oder EUROSPORT?
    Ich habe mich für EUROSPORT entschieden trotz ewiger "Prinz-Peng-Nachrichten". Frohe Weihnachten!

    vilomara2Von vilomara2, am Mi 24.Dez. 12:36

    Missbrauch melden

    Kommentiere diesen Artikel

    Bitte Anmelden um einen Kommentar einzutragen