Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Heute muss ich an Morgan denken

Di 11.Nov. 14:52

Header of Chris Morgan, captain of Sheffield United.

Servus, liebe Fußballfreunde!

Gerne hätte ich an dieser Stelle mit Euch über die seitens des FC Bayern endlich erteilte Freigabe für Lukas Podolski philosophiert, oder aber über die nach langer Zeit wieder erwiesene Schlagbarkeit des überfliegenden Bundesliganeulings Hoffenheim. Beides aber verhinderte Chris Morgan, Christopher Paul Morgan. Kapitän Sheffield Uniteds. Aber alles andere als ein Vorbild. Vielmehr ein "kämpferischer Verteidiger", wie es die Freunde von "Wikipedia" umschreiben. Der pure Euphemismus!

Der Morgan des Fußballplatzes scheint eher in einer direkten Linie von Vinnie Jones abzustammen. Den im englischen Watford geborenen Waliser kennt die Fußballwelt seit den 80er Jahren nicht umsonst nur als "The Axe".

Jones ging es weniger um die Schönheit des Fußballspiels als um deren Zerstörung. 13 Platzverweise sprechen dafür. Und gegen übermäßigen Respekt vor dem Gegenspieler. Trotzdem brachte es Jones sogar zum Kapitän der walisischen Nationalelf.

Morgan versieht dieses Amt immerhin beim Zweitligisten Sheffield United. Er tat dies auch am 8. November 2008. Einen Tag vor seinem 31. Geburtstag. Als Geschenk hatte der Spielplan ein Meisterschaftsspiel bei seinem Heimatverein in Barnsley vorgesehen. Mit einem 2:1 und dem Sprung auf Rang vier kam Morgan zurück nach Hause. Und vielleicht auch mit einem leisen Anflug eines schlechten Gewissens?

Denn Iain Hume, Gegenspieler aus Barnsley und seines Zeichens Auswahlakteur Kanadas, kam nach den 90 Minuten gegen Morgan nicht nach Hause zurück. Sondern ins Krankenhaus. Schädelbruch. Hume musste um sein Leben bangen. Wie Chelseas Startorhüter Petr Cech, der seit jenem unglückseligen Zusammenprall mit Readings Stephen Hunt am 14. Oktober 2006 als Markenzeichen - vor allem aber als Schutz - einen schwarzen Helm trägt.

Gedanken an sein künftiges Äußeres werden Hume dieser Tage nicht kommen. Notoperation. Plötzlich geht's ums nackte Überleben. Und das nur, weil der Kapitän eines englischen Zweitligisten seinen Ellenbogen nicht bei sich halten wollte. Wann endlich wird dieser Unart, Luft- oder Zweikämpfe auf diese hinterhältige und entlarvende Art und Weise zu bestreiten, mit den oberen Extremitäten im Gesicht des Gegners, der Garaus gemacht?

Fehlenden Respekt und einen Tritt fürs englische Fairplay bewies Morgan nicht zum ersten Mal. Im Januar 2007 hatte Morgan Arsenals Starstürmer Robin van Persie vor die Brust geschlagen. Drei Spiele Sperre. Gegen Barnsley blieb er auf dem Feld. Dass er nachträglich aus dem Verkehr gezogen gehört - ob für drei Spiele oder länger -, ist unstrittig.

Sorry, dass wir uns an dieser Stelle nur drei Wochen nach Cottbus' Igor Mitreskis respektloser Blutgrätsche gegen Kölns Fabrice Ehret schon wieder über einen Sportskameraden unterhalten mussten, der unverhältnismäßige Mittel anwandt, die der Zweck nie und nimmer heiligt. Wer aber die Grenzen derart sinnfrei überschreitet, als gäb's nur noch Morgan, hat sich seine Schlagzeile verdient.

Wie denkt Ihr über den Ellenbogeneinsatz außerhalb des Büros?

Servus, liebe Fußbalfreunde!

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