Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Ein müder deutscher Stier

Di 01.Jul. 11:40

Spain's Goalgetter Fernando Torres scores the decisive goal of the final of the EURO 2008 in Vienna versus Germany to give Spain their first major title since 1964.

Servus, liebe Fußballfreunde,

ehe wir von einem verlorenen Finale unserer Jungs sprechen, sei betont, dass Spanien das Endspiel der EM gewonnen hat. Gratulation statt Mitleid heißt das Stichwort. Wohltuend, dass auch niemand in Deutschland sich zu aberwitzigen Spielanalysen und -kommentaren hat hinreißen lassen. Wer ein Fußballspiel und ein Turnier mithin auch nur einigermaßen lesen und beurteilen kann, sah in den Iberern den verdienten Gewinner von Wien.

Sicher, Bastian Schweinsteiger weinte, oder zumindest war der deutsche Jungstar kurz davor, als er auf dem Rasen des Ernst-Happel-Stadions lag. Leer und vor allem auch mental erschöpft wirkte der Turbo des Portugal-Spiels, der gegen die Spanier ebenso wenig zündete wie der Kapitän.

Michael Ballack, ohne dessen Freistoß es gegen die Österreicher vielleicht kein Tor und somit auch kein Weiterkommen gegeben hätte, hatte genau zwei starke Szenen: in der Anfangsphase, als er über links Carles Puyol überspielte und etwas zu weit flankte, und in Halbzeit zwei, als der 31-Jährige den gefährlichsten Schuss in Richtung des unterbeschäftigten Iker Casillas abgab. Ansonsten hätte es - böse gesprochen - auch kaum einen Unterschied gemacht, wäre die "Wade der Nation" verhärtet geblieben.

Den Nachweis, der "Messias" des deutschen Spiels zu sein, musste der von Marcos Senna früh an der Augenbraue verletzte Verlierer des Champions-League-Endspiels auch gegen die Spanier schuldig bleiben. "Es war leider keine Michael-Ballack-EM", analysierte der Feel Football Champion Stefan Effenberg. "Aber auf der anderen Seite ist er der Kapitän der Mannschaft, die ins Finale gekommen ist. Und dazu hat er seinen Beitrag geleistet."

Zweifelsohne, siehe vor allem der Raketen-Freistoß gegen Österreich, aber auch der Kopfball zum 3:1 und die Gesamt-Vorstellung gegen die hoch gehandelten Portugiesen. "Ich hoffe", betonte Effenberg, dass Ballack die erneut bittere Erfahrung einer Finalniederlage "nicht runterreißt. Ich wünsche ihm, dass er in den nächsten Jahren noch ein wichtiges Turnier oder ein großes internationales Finale gewinnt."

Dieser lang gehegte Wunsch ging nach 44 Jahren endlich für die dementsprechend ausgelassen feiernden Spanier in Erfüllung. Zuletzt war die Selección bei der WM 2006 in Deutschland furios gestartet (4:0 über den späteren Viertelfinalisten Ukraine, insgesamt drei Vorrundensiege), um im Achtelfinale klar an Frankreich zu scheitern.

Die Franzosen stießen seinerzeit bis ins Endspiel vor. Diesmal erwischte es den gealtertetn Ex-Champion bereits in der Vorrunde - und Spanien startete nicht nur 90 oder 180 Minuten lang durch, sondern hielt seine spielerisch beeindruckende Form bis zur letzten Turniersequenz.

Derart schön anzusehende Sieger und Spiele tun dem Fußball gut, und noch besser tut es uns allen, wenn an dem Erfolg kein Makel oder "Geschmäckle" hängt. Okay, der italienische Referee Roberto Rosetti besaß kein Endspielniveau und übersah so manche spanische Nickligkeit und Härte. Aber das Spiel entschieden die spanische Ball- und Kombinationsfertigkeit und deren Tempofußball, vornehmlich im exquisit besetzten Mittelfeld. Deutschlands gänzlich ausgebliebene Torgefährlichkeit und die ebenso verzweifelte wie ergebnislose Suche nach dem Faden aus dem Portugal-Treffen taten ihr Übriges.

Doch es gilt, was beispielsweise auch nach den Weltmeisterschaften 1986 und 2002 unter dem Strich stand: Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hat diese deutsche Mannschaft die Erwartungen übertroffen, gemessen vor allem an dem, was sie überwiegend anbot. Und dass Gary Linekers Fazit über die Gesetzmäßigkeit im Weltfußball ausnahmsweise nicht galt (und dies in Wahrheit schon seit der EM 1996 nicht mehr tut), ist völlig in Ordnung. Denn mit den Spaniern traf es ein Land, das diesen Erfolg in jeglicher Hinsicht verdient hat.

Oder ist irgendwer da draußen, liebe Fußballfreunde, anderer Ansicht?

Bis die Tage, da die Bundesliga mit Riesenschritten und Bleiweste der neuen Saison entgegenstürmt.

Servus derweil!

  • Bemerkung1 von 1
  1. mehr und mehr Menschen wollen germansugardaddy. C\O\M

    lsugar56Von lsugar56, am Do 03.Jul. 17:47

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