Fr 20.Jun. 00:39
Servus, liebe Fußballfreunde,
hat schon jemand mit Gary Lineker telefoniert? Seit Deutschlands Wiederauferstehung gegen Portugal? Seit dem erstmaligen Erreichen eines EM-Halbfinales seit 1996? Seit dem Triumph in England, in Linekers Heimat?
Der frühere Weltklassestürmer meldete einst - unter dem Eindruck des bitteren Halbfinalaus' bei der WM 1990 - ein simples und darob ewig gültiges Patent an zur Ergründung deutschen Erfolges. Der, so schloss Lineker aus dem Erlebten, stelle sich quasi gesetzmäßig ein, wenn 22 Mann einem Fußball hinterherliefen.
So ähnlich werden es mittlerweile auch die Portugiesen sehen. Vor acht Jahren noch verabschiedete deren B-Auswahl unsere Nationalmannschaft nach der Vorrunde in einer derartigen Leichtigkeit aus dem EM-Turnier, dass die wehrlos Verprügelten sich als "Rumpelfußballer" und "Bratwürste" in der DFB-Historie verewigten.
Die Generation der Schweinsteigers und Podolskis ist aus einem anderen Holz geschnitzt, vielleicht aber auch, weil speziell die beiden leistungstechnisch so herrlich Unberechenbaren aus München gleich zu Beginn ihrer internationalen Karriere erfuhren, wie es ist, zum Ende einer EM-Vorrunde an einer B-Auswahl zu scheitern: Tschechien 2004.
Seitdem ist Deutschland ein nur durch ein ungerades Jahr ohne großes Turnier unterbrochenes Sommermärchen. Gut, so mancher wollte Bundestrainer Joachim Löw ohne Not und erkennbaren Grund bereits nach den mageren 90 Minuten gegen die Kroaten in die Arbeitslosigkeit entlassen. Und jetzt? Jetzt hat die Mannschaft für ihren ohne Not und erkennbaren Grund ausgesperrten Trainer gespielt, gekämpft und gewonnen. Dies betonte Schweini nach der Feierstunde gegen Portugal explizit.
Die wasserstoffblonde Wundertüte mit dem viel zu großen Talent, um es jedes Mal abrufen zu können, spielte aber vor allem auch für sich. Denn der doch erst 23-jährige Routinier hatte seine Sperre abgesessen, als Löw sich die seine einhandelte - wegen eines übereifrigen vierten Mannes, der auf Kosten zweier Nationaltrainer ins Rampenlicht drängte.
Erst merkten die deutschen Fans also - und zwar schon gegen Polen -, dass es der Poldi noch kann. Und gegen Portugal wiederholte dann mit Schweini ein zweites Sorgenkind der Bundesligasaison seinen Geniestreich von 2006. Portugal verlor zum zweiten Mal nacheinander bei einem bedeutenden Event gegen Deutschland, zwei Mal gegen Schweinsteiger. Die Schmach von 2000 bleibt unvergessen, ist aber getilgt.
Und nun steht womöglich gegen Kroatien die Rache für das WM-Aus von 1998 und den noch so frischen Aussetzer aus der EM-Vorrunde an. Mit Löw. Nochmals für ihren Trainer zu spielen, stünde den Wiederbelebern des Sommermärchens abermals gut zu Gesicht. Denn wäre es nach manchem übereifrigem Journalisten gegangen, hätte Löw die Chance, es den Kroaten doch noch zu zeigen, vielleicht gar nicht mehr bekommen. Eine solche Grabesstimmung herrschte noch vor etwas mehr als einer Woche in diesem unserem Lande.
Und jetzt? Friede und Freude und der berühmte Eierkuchen, wo man hinschaut. Kollektives Durchatmen, weil wir es doch noch können und dies den so hoch gelobten Könnern aus Portugal abermals bewiesen haben. Deren ewige Titeljagd ist vorläufig auf 2010 verschoben. Mit der Erkenntnis, dass Gary Lineker weiß, wovon er spricht. Und dass der Altmeister Recht hat. Meistens jedenfalls.
Unser Feel Football Champion Stefan Effenberg hatte auf die Frage nach dem Titelfavoriten nach der Vorrunde ein "vielleicht auch die Deutschen" hören lassen - im Anschluss erst an die Erwähnung der Niederländer, Spanier und Portugiesen. Vielleicht wird aus diesem "Vielleicht" spätestens nach dem Halbfinale noch ein "Nur"...
Was meint Ihr, liebe Fußballfreunde? Genießt die weiteren Viertelfinals.
Servus derweil!
mehr und mehr Menschen wollen germansugardaddy. C\O\M
Bitte Anmelden um einen Kommentar einzutragen