Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Die Bayern und ihre Feiern

Di 06.Mai. 10:13

Mark van Bommel (right) and Luca Toni of Bayern Munich

Servus, liebe Fußballfreunde, 

je nachdem, wie Ihr es mit dem FC Bayern München und seiner 21. Meisterschaft haltet, werdet Ihr auch das 0:0 in Wolfsburg betrachten: als eher lästige 90 Minuten des Wartens auf die von langer Hand vorbereitete Bescherung, als eine einem Meister unwürdige Pflichterfüllung, oder aber - lapidar - als eines von 309 Saisonspielen der Bundesliga. 

Nicht wenige missgönnten dem Rekordmeister die inzwischen obligate Weißbierverspritzerei, die jedes Mal das Kind aus dem Manne lässt und ansonsten abgebrüht wirkenden Profis die Gelegenheit bietet, Kameras und Mikrofone abzupassen und davor platzierte Anzüge feinsten Stoffs unbrauchbar zu machen. Den Missgünstigen fehlte drei Runden vor Saisonende der Glanz, die Gloria, das Bezaubernde, das "Weiße Ballett", und vielleicht doch nur der freche Franzose. Immerhin hatte Superstar Franck Ribéry mit seinem sehenswerten Doppelpack gegen den chancenlosen Übergangs-Meister VfB Stuttgart einmal mehr Glanzpunkte gesetzt und seinen unschätzbaren Wert für Mannschaft und Zuschauer erwiesen. 

An das kontinuierliche Siegen und mitunter langweilende Alleingänge des FC Bayern sind die Beobachter seit beinahe 40 Jahren gewöhnt. Die brauchen sie nicht mehr, oder nur noch bedingt. Verlangt wird pausenlos herausragender Fußball mit Hacke und Spitze, der den Klassenbesten von der Isar nicht nur in der A-, sondern vor allem auch in der B-Note über die Konkurrenz erhebt. Diesem Anspruch wussten die Münchner weder in St. Petersburg noch in Wolfsburg zu genügen, zugegeben. Dass es aber auch echte Sahnetage gab (erwähnt seien nur die Erfolge in Bremen und Karlsruhe und das 5:0 über Dortmund) geht unter, da gerade heutzutage nichts so vergänglich ist wie die Nachricht von gestern und vom Heute überlagert wird. 

Die Bayern konnten von vornherein nichts gewinnen in der zu Ende gehenden Runde, denn Meister mussten sie werden, Pokalsieger wollten sie nach Möglichkeit werden, und der UEFA Cup lief so mit, weil er als Ersatz für die entgangene Champions League ganz und gar nicht taugte. Das führte tatsächlich zu dem Paradoxon, dass der Meistertitel erstmals seit Jahren nicht nur am Rande notiert, sondern – nach einem Jahr Pause – als der bedeutendste Erfolg der Runde zielgerichtet angepeilt und verwirklicht wurde. 

Wie er jedoch eingefahren wurde - durch ein schmuckloses 0:0 in der Fußball-Provinz Wolfsburg – war Wasser auf die Mühlen derer, die sich nie für und mit dem FC Bayern freuen werden, weil dieser Klub für sie in der Schublade des arroganten Geldsacks steckt, der Jahr um Jahr nichts Unanständigeres zu tun hat, als die Widersacher personell auszuplündern und am Gewinn von Titeln zu hindern, über die sich beim FC Bayern dann ohnehin niemand richtig freut. 

Wenn Siegen zur Gewohnheit wird – was jeder Sportler dementieren würde, da jeder Erfolg für sich steht und somit einzigartig ist -, dann dokumentiert sich das in einem "Auto-Torso" von sieben Fahrzeugen auf der vermeintlichen Partymeile Leopoldstraße. Auch in den Kneipen der bayerischen Landeshauptstadt sollen sich sangesfreudige FCB-Anhänger am Sonntag Abend eher wie Störenfriede vorgekommen sein. Dass es nach dem abschließenden Heimspiel gegen Hertha BSC am 17. Mai sehr wohl einen Auto-Korso über die bekannte Prachtstraße geben wird, steht außer Frage und ist wohl nur von Starkregen zu verhindern. Aber dann ist die Schale schon wieder zwei Wochen in Münchner Besitz, und der Freude wird das Unmittelbare fehlen, das Nervenkitzelige aus 2001 oder aus Krimis wie jüngst in Getafe. 

Sofort schießt einem wieder Paul Breitners legendäres Wort vom "Sch…verein", in dem man nicht mal anständig feiern könne, in den Kopf. Was natürlich nicht stimmt. Aber jeder hat eben so sein Bild vom FC Bayern, für den es unter den Bundesligafans nur innigste Zuneigung oder Ablehnung gibt. Die Ablehner sind längst angewidert vom Dreiklang Ergebnisfußball, Weißbierdusche, Rathausbalkon. Besonders nach einem 0:0 in Wolfsburg. Letzten Endes aber schreien auch diese Menschen nach einem starken Rekordmeister, wenn in der Champions League allen anderen deutschen Klubs wieder mal frühzeitig die Felle davongeschwommen sind und auf Vereinsebene das Ansehen des dreimaligen Weltmeisters auf dem Spiel steht. 

Was meint Ihr, liebe Fußballfreunde?
Servus derweil!

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