Di 29.Apr. 10:48
Servus, liebe Fußballfreunde,
kribbelt’s schon?
Immerhin fällt in diesen Tagen die Entscheidung, wer die Nachfolge des AC Mailand auf dem europäischen Fußballthron antritt. England oder Spanien statt Italien, diese Frage zu beantworten, duellieren sich im Halbfinale ein zweites Mal Manchester United und der FC Barcelona und der FC Liverpool und der FC Chelsea London. Alleine die Blues aus der englischen Hauptstadt haben aus diesem Quartett noch nie die Champions League gewonnen. Doch spätestens seit dem beeindruckenden 2:1 über ManU vom Premier-League-Wochenende glaubt nicht nur unser Experte Stefan Effenberg, dass Landsmann Michael Ballack und seine hochkarätigen Kollegen an der Reihe sind.
"Ich wünsche mir", gibt der frühere Nationalspieler und Champions-League-Gewinner von 2001 ganz offen zu, "dass Michael Ballack mit Chelsea den Pott holt." Effenberg durfte dieses einzigartige Gefühl der Belohnung jahrelangen Trainierens und Mühens vor sieben Jahren nach einem dramatischen Elfmeterschießen gegen den FC Valencia mit dem FC Bayern München genießen, wo ihm Ballack im Anschluss an die WM 2002 nachfolgte. "Der Sieg 2001 war eine Bestätigung", erinnert sich Effenberg, der den deutschen Rekordmeister damals als Kapitän anführte und per Elfmeter für den wichtigen 1:1-Ausgleich sorgte.
Ballack verpasste – als Führungsfigur im Leverkusener Mittelfeld – nur zwölf Monate darauf in Glasgow gegen Real Madrid und dessen genialen Kopf Zinedine Zidane durch viel Pech die Gelegenheit, es Effenberg gleichzutun und die bedeutendste europäische Vereinstrophäe in deutschem Besitz zu belassen. Nun scheinen der Kapitän der deutschen Nationalelf und der FC Chelsea soweit zu sein: "Da bin ich Patriot", wiederholt "Effe" seinen Wunsch, am 21. Mai in Moskau den englischen Meister der Jahre 2005 und 2006 jubeln zu sehen.
Liverpool sei zwar spielerisch stärker, befindet der 39-Jährige, aber das 1:1 aus dem für die Reds so unglücklich verlaufenen Hinspiel an der Anfield Road spricht deutlich für Chelsea. Und nicht zuletzt das bereits erwähnte 2:1 über Manchester. Dank des Doppelpacks eines überragenden Ballack schloss der Abramovich-Klub nach Punkten zu den Red Devils auf und bewahrte sich seinen Heimnimbus.
Für Effenberg steht außer Frage, dass die beiden verbliebenen Meisterschaftsanwärter des englischen Oberhauses ihren Zweikampf zehn Tage nach Ende der Premier League in Moskau fortsetzen werden: im Finale der Champions League. "ManU ist zu Hause einfach eine Macht, und somit dürfte da nichts anbrennen, dass sie das Finale erreichen." Besondere Motivation für den zweiten Vergleich mit Spaniens Tabellendrittem FC Barcelona binnen einer Woche, holte sich Englands frisch gebackener Fußballer des Jahres, Cristiano Ronaldo, im Hinspiel im Camp Nou. Sein dort schon in der Anfangsphase so lässig verschossener Strafstoß "muss ihn wurmen", weiß "Effe". "Er hätte alles klar machen können und ManU wäre zu 99 Prozent durch gewesen." Nach dem von Taktik geprägten 0:0 heißt es, mindestens 90 Minuten lang nochmals alles für den ersten Finaleinzug seit 1999 – Leidtragender von Manchesters legendärem Erfolg in Barcelona war damals unter anderen ein gewisser Stefan Effenberg – zu geben.
Auf der Gegenseite steht Englands ehemals bester Kicker: Thierry Henry. Barcas pfeilschneller Angreifer verpasste vor zwei Jahren – noch in Diensten des FC Arsenal stehend – gegen den FC Barcelona den Champions-League-Triumph. "Diese Chance hat er jetzt", betont Effenberg. Der Franzose habe – und hebe sich damit nicht von seinen Mitspielern ab – "diese Saison noch nicht alles gezeigt. Barca spielt grundsätzlich unter seinen Möglichkeiten." Der Auftritt im Old Trafford böte Henry und dem hoch begabten Rest des katalanischen Personals die beste Gelegenheit, zum weithin unerwarteten Befreiungsschlag auszuholen.
Ronaldo und Henry sind nur zwei lebende Beispiele, wie sehr der englische Fußball, der der EM in Österreich und der Schweiz wird zuschauen müssen, seit Jahren von seinen teuren Importen lebt. Effenberg ist begeistert vom "Hochgeschwindigkeits- und Powerfußball", den Typen wie Ronaldo und Henry zelebrieren und der derzeit für deutsche Vereine unerreichbar zu sein scheint. Auch die Millionentruppe des FC Bayern München sei kurzfristig noch lange nicht in der Lage, da mitzuhalten. "Als wir 2001 die Champions League gewonnen haben", erinnert sich Effenberg an eine gewachsene, Goldene Generation an der Säbener Straße, "hatten wir 18, 19 Nationalspieler im Kader. Diese Vielzahl braucht man auch, um so einen Wettbewerb zu gewinnen."
Vorläufig bleibt der Bundesliga, die sich - nach einem Jahr Pause - an eine neue Ära der Münchner Dominanz wird gewöhnen müssen, nur, dem Kapitän ihrer Nationalmannschaft die Daumen zu drücken. Ballack mit womöglich zwei Titeln als Anführer bei der EM im Gepäck zu haben, wird Joachim Löws Schaden nicht sein. Allemal ein besseres Omen als 2002, als Ballack die Endspiele in Champions League, Meisterschaft und nationalem Pokal verlor, um Deutschland zwar ins WM-Endspiel, aber eben nicht zum Titelgewinn zu führen. Aber Brasilien und Ronaldo dürfen ja keine EM spielen...
Spannende Champions-League-Stunden wünsche ich Euch.
Servus
preumsss !!! 
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