Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Noch immer ist alles möglich

Do 24.Apr. 01:12

Barcelona's Samuel Eto'o

Servus, liebe Fußballfreunde,

wer um die Heimstärke Chelsea Londons und Manchester Uniteds weiß, der wird nur schwer davon zu überzeugen sein, dass sich am 21. Mai in Moskau der FC Liverpool und der FC Barcelona im Kampf um die Krone im europäischen Vereinsfußball gegenüberstehen werden.

Denn weder zwangen die Reds an der heimischen Anfield Road trotz zahlreicher und bester Chancen die Blues in die Knie, noch  verließen die Red Devils die katalanische Heimstatt Camp Nou als Verlierer. Nach 180 Minuten Champions-League-Halbfinale und zwei Remis sind wir so schlau wie zuvor. Und doch zeichnete sich - mindestens - eine Tendenz ab. Dahingehend, dass am kommenden Samstag an der Stamford Bridge des FC Chelsea nicht nur der Titelkampf in der englischen Premier League auf die Spitze getrieben wird, sondern die Platzherren und der die Tabelle mit drei Punkten anführende Gast aus Manchester nebenbei auch 90 Minuten lang für den Champions-League-Showdown in Moskau proben.

Dagegen spricht freilich das gleichsam profanste wie ergreifendste Argument: die Unvorhersehbarkeit des Ausgangs des Wettkampfs, speziell im Fußball. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack betonte gleich nach dem glücklichen 1:1 seiner Londoner Farben in Liverpool, der Rekordmeister sei mit seiner Paradeoffensive (Dirk Kuyt, Fernando Torres, Steven Gerrard) auch auswärts immer gefährlich und für (Konter-)Tore gut. Ballack muss so etwas sagen, um seine eigene und die Spannung bei den Kollegen aufrechtzuerhalten. Ein Halbfinalrückspiel der Champions League als Selbstläufer zu betrachten, bereitete praktisch das Ausscheiden schon vor. Gleiches gilt für ManU und sein Wiedersehen mit dem FC Barcelona.

Manchesters Superstar Cristiano Ronaldo hat seine Lektion mit dem fahrlässig und durchaus schon arrogant vergebenen Strafstoß im Camp Nou gelernt. Derart lässig wird der allseits gefeierte portugiesische Youngster mit den fantastischen Anlagen seine Elfmeterausführung nicht mehr gestalten. Zuviel steht auf dem Spiel, das dank der defensiven Taktik des Sir Alex Ferguson und deren konsequenter Umsetzung durch seine Meisterelf auf dem Feld nochmal gut ging. 

Das 0:0 schmerzt Barca, das den Weg durch den Deckungsverband nicht fand, das zu wenig zwingend agierte und - trotz der Spielfreude Lionel Messis - vor allem ideenlos. Dass Messi vorzeitig dem 17-jährigen Jahrhunderttalent Spaniens, Bojan Krkic, weichen musste, half Barcelona auch nicht weiter. Aber im Nachhinein ist auch Cheftrainer Frank Rijkaard schlauer...

Der Niederländer wird sich seine Gedanken machen, bevor sich in Manchester die zweite Chance bietet, wie schon 1992 und 2006 ins Endspiel der Champions League einzuziehen. Dass immer alles möglich ist, hatten wir weiter oben bereits abgehakt. Und auch die Feststellung, wie eng es an der Spitze ist - da bildet die Champions League eher Beispiel denn Ausnahme - ist ein Fall fürs Phrasenschwein: Die Spieler kennen sich aus zig Duellen auf nationaler und internationaler Ebene aus dem Effeff, noch dazu, wenn drei von vier verbliebenen Vereinen aus England stammen.

Nur Nuancen und dieser eine blitzgescheite Einfall eines am Spieltag entsprechend aufgelegten Ballkünstlers - stamme er aus Europa, Südamerika, Afrika, Asien oder Australien - entscheiden in der Spitze über Sieg oder Niederlage. Oder eben Fehler, verzeihbarere, weil erzwungen, oder eben jene, die im Tennis immer als "unforced errors" gezählt werden. Ein solcher unterlief dem Norweger John Arne Riise in der Nachspielzeit für Liverpool gegen Chelsea. Aber Riise gehörte auch 2005 im unvergessenen Finale von Istanbul gegen den AC Milan zu den "Riesen" in Rot, die ein großartiges Comeback feierten. 

Und solange noch - mindestens - 90 Minuten zu spielen sind, ist alles möglich. Ich muss dann 'mal, liebe Fußballfreunde - das Phrasenschwein füllen...

Ciao derweil! 

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