Di 22.Apr. 10:47
Servus, liebe Füchse des Fußballs,
dieser Tage stellt sich akut folgende Frage: Folgt auf England gegen England und England gegen Spanien wieder England gegen England, oder doch England gegen Spanien? Zwei Nationen machen den Sieger der Champions League unter sich aus, die seit Jahrzehnten nur auf Vereinsebene den Ton mit angeben. Da aber richtig.
Aller guten Dinge sind drei, um 'mal diesen Klassiker deutschen Wortguts zu bemühen: Mit Liverpool, Chelsea und ManU hat die englische Premier League noch drei Eisen im Feuer und einen Finalisten bereits sicher. Dafür garantiert das direkte Aufeinandertreffen der Reds und des Ballack-Klubs aus London.
Es ist das mittlerweile dritte in einem Halbfinale der Champions League nach 2005 und 2007. Die Hauptstädter – englischer Meister der Jahre 1950, 2005 und 2006 – setzten sich gegen den Rekordmeister von der Insel nie durch. Knapp ging es allerdings stets zu zwischen den beiden Schwergewichten, die in bisher sechs Champions-League-Duellen (2005/06 gab es zwei torlose Aufeinandertreffen in der Gruppenphase) nur drei Tore in den regulären 90 Minuten zuließen. Zuletzt musste am 1. Mai 2007 sogar das Elfmeterschießen entscheiden.
Liverpool gewann, weil sein spanischer Keeper José Manuel Reina zwei Mal richtig reagierte. Deshalb steht der englische Vorzeigeverein der 70er und 80er Jahre nunmehr vor seinem dritten Champions-League-Finaleinzug, Chelsea bliebe ein drittes Mal auf der Strecke, und wenn Liverpool in seinem dritten Champions-League-Finale auf Manchester United träfe, dann hätte es nach Arsenal und Chelsea im zu Ende gehenden Wettbewerb den dritten Widersacher aus der Heimat vor der Brust.
Noch mehr Lust auf die Zahl drei, liebe Fußballfreunde? Drei der vier Semifinalisten tummeln sich zwar in der Champions League, decken aber als nicht amtierende Meister ihres Landes den längst akzeptierten Etikettenschwindel dieses Geld druckenden Wettbewerbs auf: neben Liverpool und Chelsea mit dem FC Barcelona auch noch der einzig verbliebene Mitbewerber, der den besseren der beiden Europapokale mit seinem Mitwirken noch als europäischen Wettbewerb erhält. Nur Manchester United steht quasi "zu Recht", weil mit dem englischen Meistertitel ausgestattet, vor dem zweiten Gewinn der Champions League.
Ein klarer Fall für Puristen und jene, die sich wehmütig an die seligen Zeiten des Europapokals der Landesmeister erinnern. Das war damals, als Liverpool England noch quasi allein repräsentierte und Meisterschaften sammelte, als Auslosungen noch unsichtbar waren und deshalb auch nicht künstlich und quälend in die Länge gezogen wurden, noch jeder auf jeden treffen durfte und das Fernsehen die Verkündung des Resultats seinen Nachrichtensendungen oder den Zeitungen überließ.
Seinerzeit stand in England dessen designierter Meister ManU noch im Schatten Liverpools. Manchester United reist zum FC Barcelona, dem Sieger aus 1992 und 2006, und somit zurück in einen ruhmreichen Teil seiner Vergangenheit. Der unvergessene erste Champions-League-Erfolg – 1999 gegen den FC Bayern München – wird in seiner Dramaturgie nie zu toppen sein und mindestens Ewig-Trainer Sir Alex Ferguson vor dem inneren Auge erscheinen, wenn sich der Vorhang zum Halbfinalhinspiel mit den Katalanen hebt. Deren imposante Heimstätte Camp Nou war vor neun Jahren Schauplatz des Duells mit dem FC Bayern, der heute – Zahl drei – das Triple anstrebt, das 1999 eines der größten Teams Manchesters realisierte.
Freilich umfasst der bayerische Dreifachtriumph, der in Berlin mit einem 2:1 im DFB-Pokal-Endspiel über Borussia Dortmund begann, statt der Champions League im besten Fall "nur" den UEFA-Cup. Aber Pokal ist Pokal, und im Trophäenschrank glänzt auch ein Silberstück zweiter Klasse. So abwertend die Münchner in ihrer Enttäuschung über den mauen vierten Platz des Vorjahres und den damit verpassten Sprung in die gewohnte Königsklasse den UEFA-Pokal behandelt haben mögen: mitgenommen würde er mit Handkuss. Nicht nur von den scheidenden Legenden Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld – zwei unmittelbar Leidenden des Dramas von Barcelona 1999 -, da zum Abschied jeder Titel doppelt zählt.
1996 legte ein 2:1-Halbfinalrückspielerfolg in Barcelona den Grundstein zum bisher einzigen UEFA-Cup-Triumph des deutschen Rekordmeisters und –pokalsiegers. Zwei Monate später wurde Deutschland Europameister. In England. Das ist jenes Land, das nur Champions League kann und fehlt, wenn sich die Länder Europas im Juni in Österreich und der Schweiz messen. Und wenn die Bayern - zunächst in den Halbfinals gegen St. Petersburg - wieder die richtige Vorlage liefern, kann am 29. Juni der Europameister natürlich nur wie heißen? Eben, so wie 1996...
Servus miteinander!