Feelfootball blog

Jörg Hausmann

Hoffentlich kommt es Anders

Fr 18.Apr. 06:01

Former FIFA-Referee Anders Frisk from Sweden

Servus, liebe Fußballfreunde,

lasst bitte mal folgende Aussicht genüsslich vor Eurem geistigen Auge erstehen: Europa spielt seine sehnsüchtig erwartete Meisterschaft, und Deutschland holt seinen vierten Titel. Im Endspiel werden die Schweden geschlagen, denen die Revanche für das WM-Achtelfinale von München misslingt. Vize-Weltmeister Frankreich ist unmittelbar vor Turnierbeginn wegen akuter Wettbewerbsunfähigkeit überraschend disqualifiziert worden, während Weltmeister Italien sang- und klanglos nach der Vorrunde ausscheidet. Wie gefällt Euch das?

Der Haken: Es ist eine Prognose, und bekanntlich findet das Leben ja nicht im Konjunktiv statt. Und eine Europameisterschaft wird auch immer noch von 44 hochbezahlten Kickerbeinen auf dem grünen Rasen und nicht im Kopf eines Schiedsrichters entschieden. Naja, zumindest nicht immer und nicht zwangsläufig...

Noch ein Haken: Anders Frisk, der da in die Glaskugel geschaut hat, ist seit drei Jahren raus, weg von der Pfeife. Aber gerade in der nicht mehr nötigen Unparteilichkeit liegt die Stärke der Ausführungen des früheren Stars unter den Referees. Allerdings - Haken Nummer drei, liebe Freunde - spricht Frisk über seine Weggefährten und Nachfolger, über die Unparteiischen.

"Die deutschen Schiedsrichter", lobt der 45-Jährige, "sind die besten Europas und in der Welt." Und Herbert Fandel ihr Star. Insofern ist der Pianist aus Kyllburg - zumindest für Frisk - das Kompetenzzentrum, der momentan berufenste Mund, der eine Pfeife führt.

Klar, dass ein Schwede das sagt, holte sich doch Fandel in jenem legendären EM-Qualifikationsspiel des EM-Gastgebers von 1992 (der damals im Halbfinale an Deutschland scheiterte) in Kopenhagen gegen den skandinavischen Bruder aus Dänemark Prügel eines so genannten "Fans" der Dänen ab: wegen eines für die Schweden gegebenen Elfmeters. Die hochklassige Partie endete 3:3, wurde aber mit dem 3:0-Halbzeitstand für die Schweden gewertet. Die spielen die EM, die Dänen schauen nur zu.

Wie auch die Franzosen, aber - pardon - natürlich nur bei den Referees. Frisk bedauert das, "denn damit endet eine sehr lange Periode, in der die Franzosen, exzellente, Top-Schiedsrichter hatten." Erinnert sei nur an eine Größe wie Michel Vautrot. Wer fällt Euch noch ein? Frisk sieht einen - ganz natürlichen - Generationswechsel, der sich im Lande des Europameisters von 1984 vollziehe.

Dieses "Loch" entstünde nach Dr. Markus Merk in Deutschland nicht. "Erziehung, Erfahrung und Tradition" seien in der "sehr guten und professionellen" Ausbildungsstätte Bundesliga davor. Vor allem aber auch die Lehren aus einem Skandal, der das Gesicht des Robert Hoyzer trägt. Frisk: "Die Bundesligaschiedsrichter waren außergewöhnlich darum bemüht, sich dafür zu revanchieren und in der Spitze zu behaupten."

Dies unterscheide sie von den italienischen Kollegen, die noch immer von der unverwechselbaren Kult-Figur Pierluigi Collina überstrahlt werden. Der dortige Skandal um verschobene Matches warf gerade noch einen Schatten auf die WM 2006 (die Italien trotzdem gewann), doch wie sollte in einem Land wie Italien breit angelegte Korruption einen Reiningungsprozess nach sich ziehen? In Deutschland ist ein Skandal noch immer ein solcher und gefährdet den Ruf derer, die am Pranger stehen. Im Lande der Mafia und der Camorra verhindert ein ruinierter Ruf nicht mal die mehrmalige Wahl ins Amt des Ministerpräsidenten...

Wie leicht es sich mit einem ehemals ruinierten Ruf handeln lässt, bewies letzthin der FC Schalke 04 mit seiner Freisetzung Mirko Slomkas. Und - als wollte das Schicksal den Oberen der Knappen für ihr überflüssig erscheinendes Handeln Absolution erteilen - prompt vermöbelten die Königsblauen Cottbus. Auf ein 1:5 folgte demnach ein 5:0, jedoch - um die berühmte Kirche im Dorf zu lassen: hier war es Bremen, auswärts, dort Cottbus, daheim. Für unseren treuen Leser "monkishbuddha" ist die "Vier-Treffer-Explosion" des EM-Kandidaten Kevin Kuranyi Ausweis, dass Andreas Müller und Co. "alles richtig gemacht" haben. Der Effekt des 5:0 macht die Musik. Aber Ihr fragt Euch doch sicher auch nach dessen Haltbarkeit...

So eine Explosion stünde auch Schalkes schwarz-gelbem Erzrivalen Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale gegen die vielleicht bald dreifach gekrönten Bayern gut zu Gesicht. Doch wer das 0:5 des BVB in der Allianz-Arena vor Wochenfrist noch vor dem geistigen Auge hat, wird eher mit einer neuerlichen Trainerentlassung auf der Zielgeraden der Saison (Thomas Doll) rechnen...

Und dann ist da noch ein Nachholspiel in Nürnberg, die letzte Chance des Clubs, ein Jahr nach dem Pokalsieg erstklassig zu bleiben. Wolfsburg reist ein zweites Mal an, in der Hoffnung, die Schleusen des Himmels mögen diesmal geschlossen bleiben. Ach ja, Frisk hätte auch nicht weiterspielen lassen, hat er uns gesagt...

  • Bemerkung1 von 1
  1. preums !!! frisk flup fluque ? :D

    g.unzi_zidaneVon g.unzi_zidane, am Sa 23.Aug. 12:13

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