Nole und Pierre beim Planschen.
Ja, Tennisprofis haben viel Freizeit. Zu viel, daran besteht wohl spätestens seit Wimbledon kein Zweifel mehr. Denn neuerdings nutzen sie diese Zeit zwischen der einen oder anderen Trainingseinheit nicht mehr bloß für endlose Schlachten an der Playstation oder mehr oder minder sinnfreie Twitter-Einträge - nun ist man auch noch auf den Hund gekommen.
Novak Djokovic ist das neuste Mitglied in der Riege der Vierpfoten-Liebhaber. Und das, was im Grunde nichts weiter als ein weißes, wuscheliges, zotteliges, aber hoffentlich flohfreies Wollknäuel ist, hört auf den gediegenen Namen Pierre. "Es ist ein französischer Name", erklärte Djokovic stolz in der Pressekonferenz, "wir haben ihn in Deutschland gekauft, aber wir betrachten ihn als Serben. Er hat drei Reisepässe." Vier Jahre alt, Pudelmännchen, auch das noch, und — ach ja — soo süß. Sagt zumindest Herrchen. Selbstverständlich wird Pierre auch glutenfrei ernährt, sagt Djokovic, "er muss ja mit Daddy klarkommen".
Ein Hund namens Pierre...
Pierre schmückte sogar schon die Titelseite einen Herrenmagazins, bei Herrchen auf dem Arm, und zweifellos stahl er dabei Herrchen auch die Show. Der ist das schon gewohnt, denn als er gerade so schön über sein Hündchen plauderte, schneite Maria Scharapowa in seine Pressekonferenz herein. Rein zufällig natürlich, man spielt nur gerade gemeinsam in einem Werbespot mit. Den Gag hatte Caroline Wozniacki auch schon mehrfach probiert, auch ganz ohne Hintergedanken, versteht sich. Und so klönten Djokovic und Scharapowa also über das Dasein als Hundeeltern. "Ich habe deinen Hund schon gesehen", sagte Scharapowa, "der ist ziemlich klein." Djokovic: "Ja, aber deiner ist noch winziger." Scharapowa: "Nein, er ist fett." Djokovic: "Müsstest du ihn nicht auf eine spezielle Diät setzen?" Scharapowa: "Sicherlich nicht!"
So heiter könnte es immer weiter gehen und - Gott sei dank - das tut es ja auch. Denn natürlich hat der berühmte Pierre bereits einen eigenen Twitter-Account. Und was er der Welt so mitzuteilen hat, das ist geradezu philosophisch. "Pierre zu sein, ist das Beste. Wuff." Oder: "Ich will auch wie ich sein. Wuff." Ein Glückskeks hätte es nicht besser ausdrücken können. Doch Pierre muss sich warm anziehen, es drängt sich nämlich eine harte und ähnlich zottelige Konkurrentin ins Rampenlicht: Maggie May, der Border Terrier von Andy Murray. Natürlich hat auch sie längst einen Twitter-Account, aber sie belässt es nicht bei schnöden Kurzmeldungen an das interessierte Universum. Nein, Maggie May schreibt bei "The Tennis Space" auch noch Blogs. Mit den eigenen Pfoten selbstverständlich.
Und Maggie May Murry blogged sogar...
Ehrfürchtig starren wir gebannt auf diese Weltsensation, nach einer Jahrhunderte langen Geschichte voller Missverständnisse wurde das Rätsel der Kommunikation zwischen Mensch und Tier also endlich geknackt. Chapeau. Und was hat und Maggie May uns nun zu sagen? "Um das mal gleich klarzustellen. Ich bin kein gewöhnlicher Spielerhund. Ich mag Tennisbälle nicht mal. Ich kaue auf ihnen herum, logisch, zerfetzte sie in Stücke — und denkt nicht mal daran, mich zu bitten, sie zu apportieren. Ich habe schließlich Leute, die das für mich tun."
So viel also zum Thema: Der Hund, der beste Freund des Menschen. "Ivan Lendl kam neulich zum Essen vorbei, und ich habe eine Schwäche für Männer. Ich habe geflirtet, was das Zeug hält. Und er durfte sogar auf meinem Sofa sitzen. Aber er wollte nicht, dass ich ihm das Gesicht abküsse. Das war ziemlich gemein. Ist das die tschechische Art?" Man weiß es nicht, wie so vieles zwischen Himmel und Erde. Aber so lange die Hunde noch nicht die Weltherrschaft an sich gerissen haben, besteht wohl noch Hoffnung für uns alle.
